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Vierter Band.
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Der Funfzigerausschuß. 419

Zeit ihre Unabhängigkeit und Freiheit. Die Perser versuchten zwar mehrmals sichwenigstens die Osthälfte des Kaukasus zu unterwerfen, erreichten aber nie vollständigund von Dauer ihren Zweck. Häufig mußten sie mit Schimpf und Schande ab-ziehen. Das Sprüchwort: „Wenn es den Königen (Persiens) zu Wohl ist, gehensie aus den Kaukasus", hat sich oft, und namentlich in der neuern Zeit an NadirSchah bestätigt. Es gab wol auch Zeiten, wo der persische Einfluß wenigstens sichgeltcndmachte, so unter Nuschirwan im 6. und unter Abbas I. im 16. Jahrhundert.Troß der großen Heere, welche die Araber nach dem' Osten des Kaukasus führten,und der bedeutenden Ansiedelungen arabischer Stämme, war die Herrschaft derselbendoch nur auf Derbend und die Küste beschränkt und keineswegs von Dauer. DieMongolen unter Dschingis-Khan und seinen Nachkommen haben gar nicht versucht,den Kaukasus sich zu unterwerfen, und Timur vermochte sich ebenso wenig, so sehrauch der schmeichlerische Verfasser seiner Biographie von Eroberungen spricht, imKaukasus zu erhalten. Das große Gastmahl in der Kabarda bestach auch keines-wegs die nüchternen und einfachen Kaukasier. Die Herrscher der Goldenen Hordeversuchten ihr Waffenglück im Gebirge des Kaukasus nicht; hingegen lebten die Tatar-khane der Krim in fortdauernder Feindschaft mit den Tscherkessen, namentlich mitden Kabarden, die bisweilen auf kurze Zeit von ihnen abhängig wurden. Der We-sten des Kaukasus hat seine Unabhängigkeit noch mehr als der Osten behauptet. Wirwissen, daß selbst der tapfere Mithridates seinen Zug längs der Küste des Schwar-zen Meeres nicht fortsetzen konnte- Die Griechen hatten zwar einige Colonien an-gelegt, aber deren Einfluß breitete sich nie im Gebirge aus. Die Römer haben garkeine Versuche gemacht, den westlichen Kaukasus zu bezwingen, und die Byzantinervermochten nur durch die christliche Religion geringen Einfluß zu erhalten. Auch dieOsmanen wagten sich nicht an den Kaukasus.

Der mittlere Kaukasus war in den ältern und neuern Zeiten bisweilen von dengeorgischen Königen mehr oder weniger abhängig, und namentlich hatten die Letztemsich in den Besitz der Militairstraße gesetzt. Ossien war von den kaukasischen Ländernam häufigsten, besonders im 11. und 12. Jahrhunderte, Unterthan. Als Georg XIII.sein väterliches Erbe mit Umgehung der eigenen Kinder dem russischen Kaiser 1800testamentarisch vermachte, erhob dieser auch auf die Länder Ansprüche, die einmalunter georgischer Herrschaft gestanden hatten. Je mehr sich aber Rußland jenseitdes Kaukasus befestigte, um so hartnäckiger widerstanden die Bewohner des Ge-birgs. Wenn Rußland seine Besitzungen jenseit des Kaukasus dauernd haben will,so muß es allerdings Alles daran setzen, um auch diesen in seine Macht zu bekom-men. Wie weit es ihm gelungen: dies ist von uns schon in dem Artikel „Schamilund der heilige Krieg im Osten des Kaukasus" näher erörtert worden.

Der Funfzigerausschuß.*)

§)as Vorparlament hatte seine Sitzungen am 3. Apr. 1848 geschlossen und einenAusschuß von 50 Mitgliedern zurückgelassen, welchem noch sechs Östreicher beige-geben werden sollten. Diesem Funfzigerausschuß wurde zur Aufgäbe: 1) die Bun-desversammlung einzuladen, mit ihm bis zum Zusammentritt der constituirenden Ver-sammlung in Vernehmen zu treten; 2) die Bundesversammlung bei Wahrung der

*) Der vorliegende Artikel reiht sich der Abhandlung überim zweiten Bande der „Gegenwart", S. 682—707, an.

„Das deutsche Vorparlament"D. Red.

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