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Vierter Band.
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Der Fünfzigerausschnß. 423

aufgelöst worden, die Ruhe hergestellt. Fast alle Mitglieder sprachen sich für Soi-ron's Antrag aus. Somit war der Ausschuß mit einem Sprunge bis an die äußersteGrenze vorgegangen: er hatte die bedingte Beseitigung eines Fürsten ausgesprochen.Freilich traf. die Schwere dieses Beschlusses einen Herrscher, der sich seine ganze Ne-gierungszeit hindurch im grellen Widerspruch zu seinem Volke befunden; und dasgegebene Beispiel, wie die Willkür in feste konstitutionelle Schranken gebannt werdensollte, konnte nur dazu dienen, die andern Throne den drohenden Gefahren zu ent-rücken. Der Ausschuß wurde revolutionär, um die Revolution zu verhüten.

Kaum waren nun Wippermann, Blachiere von Hanau und Heckscher zu derbedeutsamen Sendung nach Kassel erwählt, so verkündigte der Präsident, eben seiihm die Mittheilung geworden, daß auch der Bundestag (vielleicht vorher schon vondem Antrage Soiron's in geheime Kenntniß gesetzt) ein Schreiben nach Kassel ge-sendet habe, um nähere Aufklärung zu verlangen. So rührende Sorgfalt um dasWohl etlicher verwundeter Bürger war im Taxis'schen Palaste noch nicht erhört wor-den. Man achtete ängstlich auf jedes Geräusch, auf jedes fallende Steinchen: wußteman ja doch nicht, ob nicht dieses oder jenes zur mächtigen Lavine werden könnte.

Als indessen die drei Abgeordneten des Ausschusses in Kassel ankamen, mochtensie wol überlegt haben, daß es leichter sei, vor beifallslustigem Publicum stolze Be-scheide zu erlassen, als sie hernach, einer noch aufrechtstehenden Staatsgewalt gegen-über, auszusprechen oder gar auszuführen; und wie Dem auch sei, so mochte jeden-falls die schwere Verantwortlichkeit, im Fall man es auf das Äußerste ankommenließ, eine gewissenhafte Erwägung gefunden haben. Man sprach also nichts mit denMinistern von einer Selbstregierung ohne den Kurfürsten; man verlangte nur Aus-kunft über den Reactionsversuch, den man hinter dem Vorgefallenen witterte. Undals die Minister erklärten, daß nur ein verantwortliches Ministerium regiere, unddaß die Schuld jener blutigen Auftritte nicht höher hinaufreiche als bis zu einigenUnterlieutenants, da kehrten die Abgeordneten nach Hause mit derselben Beruhigung,die sie vorher schon gehabt. Indessen war mit diesem Schritte, welchen das ent-gegenkommende Benehmen des kurhessischcn Ministeriums als völlig rechtmäßig undsich von selbst verstehend, erscheinen ließ, immerhin viel gewonnen: es war dem Volkedie Beruhigung gegeben, daß die alte Willkürherrschaft gebrochen, jede Überschreitungfürderhin wenigstens erschwert sei. Freilich — die ganze Zukunft konnte man nichtverbürgen!

Als im Ausschusse Heckscher Bericht über die Sendung erstattete (13. Apr.),wiesen Biedermann, Kolb und Blum sogleich nach, daß der wichtigste Theil desAuftrags nicht erfüllt worden. Allein es hatte sich mittlerweile der erste Eifer ab-gekühlt: man mochte sich freuen, der eigenen Beschlüsse und ihrer Folgen überhobenzu sein. Man ließ den Gegenstand auf sich beruhen.

Der Funfzigerausschuß war recht eigentlich als eine Schildwache auf den Postenzwischen „Reaction und Anarchie" gestellt worden. Diese bekämpfte er mit Procla-mationen, mit Abmahnungen, mit-dem ganzen moralischen Gewichte seines eigenenDaseins; jener trat er entgegen als die wahre Volksstimme, auf deren Ruf die deut-schen Bastillestürmer in Masse aus der Erde wachsen würden. Dennoch fühlte ersich nicht recht sicher auf dem Boden, wo er sich anscheinend so festen Trittes be-wegte; er fühlte, daß ihm die juristische Berechtigung fehlte, nach welcher die Ge-bietenden selten, das deutsche Volk aber zu allen Zeiten gründlich gefragt hat. Schondeshalb mühte er sich — wäre es auch nicht sein besonderer Auftrag und der vor-züglichste Zweck seines Bestehens gewesen — die Zusammenberufung der National-versammlung sorgsam zu bewachen und zu beschleunigen.

Bereits in der Sitzung vom 8. Apr. hatte der würtrmbcrgische Kanzler von Wäch-ter nachdrücklich hervorgehoben, daß die Beschlüsse des Funfzigerausschusses nur An-sichten seien, freilich mit dem vollen Gewichte einer großen moralischen Kraft ausge-sprochen. Vielleicht geschah es in Folge dieser, obschon mächtig bestrittenen Erwä-gung, daß die beantragte ausdrückliche Hindeutung auf die „Volkssouverainetät" aus