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Vierter Band.
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Der Funfzigerausschuß. 429

den freudigen Glückwunsch, welcher an die Erstürmcr der Schanze Dancvirke erlassenwurde (29. Apr.). Venedey, der Mann der Proklamationen, hatte auch diese bean-tragt und verfaßt.

Das Verhältniß zu Östreich, der schwierigste Punkt in der deutschen Sache,die Klippe, an welcher das hoffnungsreiche Schiff der Ma'rzerhcbung scheitern sollte,hat den Ausschuß vielfach beschäftigt. Im Rausche der,, jugendlichen Revolution er-kannten nur Wenige die unlösbaren Schwierigkeiten, die Östreichs außcrdeutsche Machtder Verwirklichung des Einheitsgedankens entgegensehen würde; daß auch die Errun-genschaften der Freiheit von dort aus jemals bedroht werden könnten, ahnte von denLeitern der Bewegung nicht Einer. Das aber erfuhr der Funfzigerausschuß garbald, daß seine Beschlüsse in Wien wie in den Kronlanden allerwärts fast wie leereWorte verhallten, und daß dort schon im ersten Taumel des Umsturzes weit mehrSelbstbewußtsein und Haltung und Zutrauen auf die altbewährte Macht vorhandenwar, als sich zu jenen Zeiten in Preußen zeigte.

Wir haben die Einmischung des Ausschusses in die östreichischen Wahlangelc-genheiten bereits angedeutet. Man schien sich anfangs in Wien genau an die Be-schlüsse des Vorparlaments halten zu wollen: die Wahlen wurden auf die letztenTage des April ausgeschrieben. Zm Ausschuß hielt man lobpreisend diese Fügsamkeitdem Zögern der preußischen Regierung entgegen. Bald aber meldete die „WienerZeitung", daß die Wahlen großentheils erst später zu Stande kommen würden;dann hörte man von dem Widerstreben der Czechen gegen jede Theilnahme an einemdeutschen Parlament. Schwerlich hat die damalige Regierung Östreichs die Ver-anlassung zu der nationalen Bewegung der Slawen Böhmens gegeben; indessenverstand sie es bald, sie aufs vortrefflichste auszubeuten. Der Funfzigerausschuß,weit entfernt von solcher Voraussetzung, nahm an, man habe es lediglich mit demczechischen Element zu thun, und hoffte, durch Absenkung von Kuranda und Wäch-ter nach Prag eine Einigung zu erzielen (25. Apr.). Dort hatte sich inzwischenein „Nationalausschuß" von ungefähr 150 Mitgliedern gebildet, welcher die Leitungder Angelegenheiten Böhmens thatsächlich in der Hand hielt, und in so rcinczechi-schem Sinne handelte, daß die Deutschgesinnten sich zum Austritte gezwungen sahen.Am 26. Apr. wurde beschlossen, das deutsche Parlament nicht zu beschicken, undAbgeordnete des Nationalausschusses sollten in Wien erwirken, daß diesem Beschlussegemäß verfahren werde. Unter solchen Umständen konnten die Abgesandten desFunfzigerausschusscs, die am 28. Apr. in Prag angelangt waren, sich keinen Erfolgihrer Bemühungen versprechen. Der Nationalausschuß verhandelte öffentlich, unterder stürmischen Einwirkung czechischer ^Zuhörer; die beiden Abgesandten, um nichtganz umsonst gekommen zu sein, wollten wenigstens, dem Vorschlage Palacki's fol-gend, im Schoose der Section des Nationalausschusses für auswärtige Angelegen-heiten „sich gehörig aussprechen". Das geschah denn auch wirklich. Von Seitender Czechen ward bei dieser Gelegenheit der „Panslawismus mit ziemlich klaren Wor-ten als Zweck ihres Strebens angedeutet, Ostreich als ein slawisches Reich darge-stellt; in Bezug auf den eigentlichen Gegenstand der Sendung hob man die Unmög-lichkeit hervor, daß sich Östreich unter ein deutsches Gesammtreich stelle, und schobzuletzt Alles auf die Entscheidung eines bevorstehenden böhmischen Landtags hinaus.Nachdem noch zwischen Schilling, der von Wien kommend sich in Prag den frank-furter Abgeordneten angeschlossen hatte, und Palacki ein leidenschaftlicher Streit überdeutsche und slawische Geistesbildung ausgefochten worden, ging man «»verrichteterSache auseinander. Ein „Constitutioneller Verein", welchen die Deutschen in Praggründen wollten, wurde gleich bei seiner ersten Sitzung, welcher die drei MitgliederdeS Funszigerausschusses beiwohnten, von den Czechen durch Toben und Lärmen ge-sprengt. So schieden die frankfurter Abgesandten von Prag, wo sich vor ihrenBlicken ein grundlos tiefer Abgrund von Verwirrung, Gewaltsamkeit und Feindselig-keit aufgethan, aus welchem dereinst das Unheil für Deutschland kommen sollte.Der Bericht über den verunglückten Auftrag wurde am Z. Mai dein Funszigeraus-