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Vierter Band.
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Der Funfzigerausschuß. 437

einem Beschluß des Vorparlaments widerspreche, welches die Bestimmung der künf-tigen Regiernugsform „einzig und allein" dem Nationalparlament übertragen habe,daher müsse man sich dagegen aussprcchen, oder doch wenigstens die Bedingung stel-len , daß die drei Männer nur aus neun vom Ausschuß vorzuschlagenden Personenerwählt würden, ihre Wirksamkeit aber erst mit der Eröffnung des Parlaments zubeginnen habe.

Solchen Anträgen gegenüber hatte die Commission leichtes Spiel: ihr Vorschlagwurde mit einer Mehrheit pon 26 gegen 13 Stimmen, angenommen. Nur wurdedie von ihr beantragte „Rücksprache" in eine mehr zwingende „Vereinbarung" ab-geändert. Auch ein Zusatz von Hergenhahn: „Die Wahl des Bundesoberseldherrnmöge sogleich vorgenommen werden", fand die Zustimmung des Ausschusses. Her-genhahn's Stellung als naffauischer Minister mußte hierbei die Vermuthung erwecken,daß sein Antrag in Übereinstimmung mit den Absichten des Bundestags sei; und inder That erfuhr man später, daß dieser am nämlichen Tage beschlossen hatte, dieErnennung des Obcrseldherrn jetzt schon einzuleiten.

Die Bundesversammlung hatte nun bei dem Ausschuß ungefähr Das erreicht,was sie wollte. Ohne sich an die Fassung des letztem zu halten, erhob sie einenAntrag d,es hannoverschen Gesandten von Wangenheim zum Beschluß. Darin wardie Rede von einem „allgemein gefühlten, auch von den Siebzehnern und Fünfzigernanerkannten Bedürfnisse, daß die Vollziehungsgewalt in der innigsten Vereinigungder Regierungen unter sich wie mit der Bundesversammlung ausgeübt würde", wäh-rend doch die Fünfziger ein Bedürfniß dieser Art nicht einmal berührt hatten. ImÜbrigen wurde des Ausschusses weiter nicht erwähnt; nichts von einer Vereinbarungmit ihm über die zu erwählenden drei Männer, nichts von der genauen Beschränkungihrer Befugnisse auf das vom Ausschuß vorgeschriebene Maß. Im Gegentheil warihnen Alles zugedacht, was sich auf die innere und äußere Sicherheit und Wohlfahrt'Deutschlands beziehen konnte, und somit eine ziemlich unbegrenzte Gewalt in die Händegelegt. Außerdem sollten sie die „Ansichten und Wünsche" der Regierungen unter-einander und mit der Nationalversammlung in Beziehung auf die neue deutsche Ver-fassung vermitteln. Dies schien geradenwegs gegen den bekannten (und oben schonerwähnten) Beschluß des Vorparlaments zu verstoßen. Damals wagte noch Niemandes laut auszusprechen, was späterhin die meisten Parteien der Nationalversammlungbis tief in die linke Seite hinein aufstellten: daß bei dem Verfassungswerke die An-sichten der Regierungen, die doch fortbestehen sollten, wenigstens die Berechtigungverlangen könnten, gehört zu werden. Was indessen jedenfalls weit über die nochanerkannte Machtbefugniß des Bundestags hinausging, war der Beschluß, daß dasTriumvirat bis nach Beendigung der Nationalversammlung, bis zur Neugestaltungdes Bundes zu bestehen habe. Die Ernennungsweise der drei Männer sollte genauso sein, wie sie Welcker früher vorgeschlagen.

Heckscher brachte diesen Bundesbeschluß in der Ausschußsitzung des 4. Mai zurSprache. Mit besonderer Beziehung darauf, daß der Eingang desselben so gefaßtsei, daß Zeder die Übereinstimmung des Ausschusses mit jenem Beschlusse als richtigannehmen müsse, während das Gegentheil der Fall, nannte er denselben wiederholteine „Fälschung". Mit nachdrücklicher Entrüstung sprach Heckscher sich dagegen aus,daß die Ansichten und Wünsche der Regierungen mit den Beschlüssen der'" National-versammlung vermittelt werden sollten; derselbe Heckscher, von dem wir später imParlament eine ganz andere Sprache hören werden! Er beantragte, der Ausschußmöge über diesen Bundesbeschluß sein Befremden aussprcchen, und entschiedene Ver-wahrung gegen denselben einlegen. Die Fünfziger traten ihm ohne weitere Verhand-lung einstimmig bei.

Ein nicht geringes Aufsehen erregte dieses Zerwürfniß in allen Theilen Deutsch-lands. Mit einem Schlage war der Plan einer neuen Centralbehörde vernichtet;und das Ansehen des Bundestags, welches dadurch gekräftigt erschien, daß sich derAusschuß Tag für Tag mit Gesuchen und Auffoderungen an ihn wandte, war plötz-