Band 
Vierter Band.
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Die Afghanen und ihr Reich. E

und Glaubenssysteme Asiens und Europas, welche bei den rohen Stämmen leichtEingang fanden. Zn diesen Gegenden blühten, im Verlaufe der Zeiten, BrahmaiS-mus und Buddhaismus, Griechenthum und Feuercultus neben-.und nacheinander.Nicht in friedlicher Weise, sondern mit Feuer und Schwert ward auch hier, wie bei»nahe allenthalben auf Erden, wo er verbreitet wurde, der Islam gepredigt und auf-gezwungen. Die Bewohner dieser Grenz- und Durchzugsgebiete wurden aber zu kei-ner Zeit sämmtlich einem Cultursystem Unterthan; es behauptete sich ein Theil derBevölkerung bei der angeborenen Weise natürlicher Gottesverehrung, und auch Die-jenigen, welche dem äußern Dränge sich fügten, bewahrten viele aus frühern Jahr-hunderten stammende Sitten. Sie müssen es sich deshalb gefallen lassen, von denBekennern der verschiedenen Religionen der Lauheit und Gleichgültigkeit in Glaubens-sachen beschuldigt zu werden. Selbst die Sprechweise» der„Völker und Stämme inAfghanistan und Balutschistan tragen diesen Charakter des Übergangs zwischen Ostenund Westen, zwischen Sanskrit und Zcnd. Sogar die Schriftzeichen des auf Mün-zen und Inschriften gefundenen Alphabets dieser Gegenden bewahren diese aus derNatur der Dinge hervorgegangcne Mischlings- und Verbindungsweise. Unter solchenUmständen konnte sich natürlich auch keine selbständige Literatur heranbilden. DieMänner, welche hier dichteten und schrieben, waren dem Geiste nach bald Hindu,bald Perser und Araber. Diese vermittelnde Stellung gibt jedoch diesen Länderneine große politische Bedeutung. Alle Eroberer, welche zu Lande nach Indien zogen:Alexander, Mohammed Nahim und die Araber; Mahmud von Ehasnah und Mah-mud der Ghorier, Lschinggis Chakan und seine Nachfolger, Timur und Baker, Na-dir-Schah und Ahmed Abdalli — sie mußten sämmtlich zuvor des SchlüssellandesHindostans Meister werden, ehe sie an den Ufern des Indus erscheinen und ihreMacht zwischen der Dschamna und dem Ganges entwickeln konnten.

Die Afghanen machten sich diese günstige Lage ihres Landes vielfach zu Nutze:sie beraubten und plünderten die durchreisenden Karavanen, und warfen sich beute-gierig aus den Nachtrab und den Troß der ausziehenden und heimkehrenden Heere.Bald gingen sie nach Indien, bald nach Iran, und zwangen die Culturvölker desOstens wie des Westens unter ihre barbarische Herrschaft. Baber und seine Nach-kommen verstanden es Jahrhunderte lang, die Ländermasse von jenseit des Gangesbis einige dreißig Meilen nach Herat, von dem Hindokuh bis zum indischen Meeremit kräftiger Hand zusammenzuhalten. Doch auch die Padischah von Delhi verfielenendlich dem gewöhnlichen Geschicke der Despotien, welchen Patriotismus ein Ver-brechen und das Heranbilden eines selbständigen, aus eigener Einsicht handelndenGeschlechts unräthlich dünkt und selbst unmöglich ist. Die schwachen Nachkommender Gewaltherren sind deshalb nicht im Stande, den Erwerb der Vätcr zusammen-zuhalten; die gedrückten Länder reißen sich los, und die geraubten Schätze zerrinnenunter ihren Händen.

Bhut Bhamian; die Religionen und Alterthümer; daß Christenthum und der Buddhaismus.

Es ist keinem Zweifel unterworfen, obgleich einheimische geschichtliche Zeugnisseuns fehlen, daß der Glaube an Brahma und Buddha einst weit verbreitet warin den Gegenden des westlichen und mittlern Asien. Es erscheint Bhamian in denersten Jahrhunderten der christlichen Kirche als ein Hauptsitz der Religion des Kö-nigssohns von Kapilapura für den Süden und Westen, wie später Lhassa es wardfür den Norden und Osten. Davon zeugen noch die durch muselmänmschen Fana-tismus verstümmelten kolossalen Bildsäulen, in lebendigem Felsen ausgehauen, sowiedie Menge ehemals mit Schnitzwerk verzierter Nischen, deren nicht weniger als 12000gezählt wurden, für kleinere Idole bestimmt. Dies ist der Grund, weshalb der vonseiner ehemaligen Größe jetzt so herabgesunkene Ort immer noch Bhut Bhamian ge-nannt wird, und Bhut in allen Dialekten der medopersischen Sprachfamilie ein Idolbedeutet. Das sicherste Zeugniß für die Herrschaft des Buddhaismus in den Län-dern westlich des Indus und namentlich in Afghanistan geben aber die Berichte der