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Vierter Band.
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446 Die Afghanen und ihr Reich. !

Zurückweichen der Gewässer entstanden, oder bei jener großen Erdrevolution, die mitder Emporsteigung der Gebirge endigte, aus dem Meeresgrunde hervorgehoben wor-den ist. Diese unwirthlichcn Gegenden erfreuen sich jedoch einer gemäßigten Tem-peratur. Es wird die Glut der Sonnenstrahlen durch die den größten Theil des l

Jahres hindurch herrschenden Stürme gemildert. Die Stürme sind aber so furcht- !

bar, sie rasen mit solcher Gewalt, daß man zweifeln kann, ob die Wohlthat nichtdurch das von ihnen angerichtete Unheil überwogen wird. Afghanistan und Balut-schistan sind demnach, wie man sieht, durch ihre Natur zu zahlreichen Clanherrschas-ten bestimmt, deren allein beim Puschtuvolke nicht weniger als 395 angegeben werden.

Während nun ringsum, im Osten wie im Westen, die Stämme zu Völkernzusammenwuchsen, verblieben die Bewohner dieser Länder, wie aus denselben Ursachendie Völklein zwischen dem Schwarzen und Kaspischen Meere, in den ursprünglichenWirren der Stammrcgierungen bis auf den heutigen Tag verfangen; sie waren undsind deshalb ein Spielball der benachbarten Staaten und wurden, wenn auch ge-wöhnlich blos auf kurze Zeit, immerdar die Beute eines jeden fremden Eroberers.

An Muth, Mannheit und Kraft fehlt es keineswegs, denn Leute, welche in einerbergigen und hohen, an Wasser armen Gegend leben und starke Abwechselung derJahreszeiten erleiden, sind, wie schon der scharfsinnige Naturforscher Hippokrates be-merkt, große, arbeitsame und sehr tapfere Menschen. Zugleich haben sie gewöhnlichwilde und rauhe Sitten. Afghanistan ward aber deshalb so leicht vom Feinde über-zogen, weil das Volk einer bindenden Gewalt ermangelt, und das innere Land nicht,wie der Kaukasus, durch Querthäler und unermeßliche Klüfte versperrt ist, sondernallenthalben einen freien Eintritt gestattet zu den in die Länge sich ziehenden, vonüppigem Graswuchs bedeckten und von herrlichen Fruchtbäumen aller Klimate bc--schatteten Haupt- und Nebenthälern. Nur durch kurze Strecken geschieden, blühenhier die Früchte des Südens und des Nordens nebeneinander. Berühmt sind na-mentlich die Trauben von Kabal und Ehasnah. Es werden an 40 Gattungen auf-geführt, deren verschiedene Weine, wie Baber sagt, die erfahrenen Trinker an demeigenthümlichen Bouquet zu unterscheiden vermögen.

Steigt man von Afghanistan herab gegen den Indus, so fährt der Eroberer >Hindostans fort in seinen vortrefflichen Denkwürdigkeiten, dann ist plötzlich Alles ver-ändert;.die Luft wird wärmer, Gräser und Bäume sind verschieden; die wilden Thieresind anderer Art und die Federn der Vogel verschiedener Farbe. Ebensolche Ver-schiedenheit zeigen die Sitten und die Lebensweise der Bewohner. Man ist im Reicheder Brahmanen. Sind auch die Länder Afghanistans und Balutschistans in vielenihrer Gaue mit mannichfachen Producten zum eigenen Bedarf gesegnet, so bietensie doch wenig natürliche oder künstliche Erzeugnisse dar zum Austausche für fremdeWaare. Dagegen zogen steh theils über Peschawer und Kabal, theils über Kan-dahar und Ghasnah nach Herat, theils auch in andern Richtungen, Jahrtausendelang die Königsstraßen des Handelsverkehrs zwischen dem Morgen- und Abendlande,und gössen eine Fülle des Reichthums aus über seine vorzüglichsten Stapelplätze.Kabal namentlich war der Sammelplatz, wo die geselligen Züge der Kaufleute ausden verschiedensten Gegenden Asiens sich vereinigten. Alle Karavanen aus Ferghana,Turkestan, Samarkand, Bochara, Hissar und Badakschan, so erzählt uns Baber,treffen in Kabal zusammen; jene aus Chorasan gehen nach Kandahar, welches einsehr vortheilhafter Platz ist für Luxusartikel. Selbst wenn die Kaufleute ihre Waa-ren bis nach Chatai oder Rum führen, würden sie schwerlich mehr dabei gewinnen.

In Kabal kommen jährlich 7, 8—10000 Pferde an; einzig aus Hindostan werdenjährlich 15—20000 Stücke Zeuch dahingebracht. Andere Handelsartikel aus diesemLande sind Sklaven, Weiße Zeucht, Kandelzucker, gereinigter und gewöhnlicher Zucker,Gewürze und Specereien. Man findet überdies alle Erzeugnisse aus ganz Chorasan,Rum, Irak und China in den Bazars zu Kabal, welches der Hauptstapelplatz Hin-dostans ist, ausgestellt.

An die Kaufherren schlössen sich die Sendboten der verschiedensten Culturen