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Vierter Band.
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Die Afghanen und ihr Reich. 451

Folgezeit, das unbedingteste Vertrauen; in jeder wichtigen Angelegenheit nahm er zumir seine Zuflucht; er erhob mich mehr denn irgend einen andern seiner Begleiter.Und wahrlich, der Prophet von Mekka hat sich nicht betrogen! Noch im Jahre sei-ner Bekehrung (629) ging Chaled in der ersten Schlacht außerhalb Arabiens, indem Treffen bei Mutah, als Sieger hervor, weshalb der Prophet mit folgendenWorten ihn segnete: „O Schöpfer, gewähre ihm deinen Beistand; Chaled ist dasSchwert Gottes", und so ward der Feldherr von nun an genannt. Chaled sandtehierauf ein Schreiben an seine Brüder, die Afghanen in den gebirgigen GegendenGhors, mit der frohen Botschaft: der letzte der Propheten ist auf Erden erschienen.Die Edeln des Landes, unter welchen Kais hervorragte, erschienen alsdann zu Mekkaund wurden sämmtlich, unter Chaled's Leitung, Bekenner des Islam. Mohammederwies ihnen die größten Ehren; Kais erhielt den Beinamen Sohn des Gerechten,und alle andern Edeln wurden Malik, König, genannt, denn sie seien ja die Nach-kommen Saul's des Königs. In Anhänglichkeit an den Glauben, so verkündete derEngel Gabriel dem Propheten, würden sie starker sein denn alle andern Völker derErde; ihre Festigkeit solle der Festigkeit des Holzes Pathan gleichen, auf welchemder Kiel eines neuen Schiffs gezimmert wird. Es möge nun das Volk, sprach Mo-hammed, auch Pathan genannt werden. Und so geschah es auch in der Folgezeit.Kais, der Sohn des Gerechten, kehrte heim in die Länder Ghor und Kohestan, be-kehrte seine Genossen und zeugte drei Söhne, deren Nachkommen sich so vermehrten,daß sie zu 395 Stämmen heranwuchsen, die sich sämmtlich Afghan und Puschta-neh nannten.

Die Afghanen und Germanen; die Stammregierung; die Gesetze und Einrichtungen.

Die Stämme der medoperstschen Völkerfamilie, welche wir unter dem NamenAfghanen zusammenfassen, erhielten sich innerhalb ihres Gebirgslandes, bei der über-lieferten Negierungsweise und den altväterlichen Sitten, während ringsum die ursprüng-lich verwandten Bewohner der Ebenen im Westen, Norden und Osten seit Jahr-tausenden der Willkür verfallen sind. Die Puschtu stehen auf derselben Stufe derCultur und des Regiments, wo Rom die Parther fand und unsere deutschen Ahnen,Wo halbbarbarische Stämme gefunden werden, die sich noch nicht zu einer großen,auf Gesetzen beruhenden Genossenschaft, ,zu einem Volke durchgekämpft haben. Esist ein Irrthum, wenn man gemeinhin glaubt, daß das Leben und Weben der Deut-schen, wie der große Römer es schildert, ihnen eigenthümlich gewesen. Es sind blos,die gewöhnlichen Erscheinungen, wir möchten sagen die staatlichen und bürgerlichenGrundnormen einer gewissen Übergangsstufe der Cultur, welche wir zwar geschicht-lich nicht mehr bei allen Völkern nachweisen können, die aber im Wesentlichen allent-halben aus Erden stattgefunden haben. Allenthalben mußten sich aus einer AnzahlSippen und Nachbarn Marken und Gaugenoffenschaften heranbilden, aus deren Ver-einigung dann im Laufe der Zeiten Stämme und Völker hervorgingen, welche vondem allgemeinen Bande der Verwandtschaft, dem einzigen halbcultivirker Menschen,

! zusammengehalten wurden. Spuren hiervon haben sich, wenn auch hier und da in

t sehr verblichener Weise, bei allen Völkern in den Sagen und selbst in den spätern

! Einrichtungen erhalten. Man erinnert blos an die Deinen und Phylen der Grie-

chen, an die Curie» und Tubus der Römer, sowie an die 100 Geschlechter desi chinesischen Volks. Heutzutage noch finden wir, außer den Afghanen, die Tscher-

1 keffen und mehre andere Völkerschaften des Kaukasus aus derselben Stufe der Ge-

sittung; nicht minder auch die zahlreichen Stämme der Araber und die Bevölkerungdes nordwestlichen Afrika. Alle Umwälzungen der Weltgeschichte, seit den Zeitender Phönizier bis zu der Herrschaft der Franzosen in Algier, sind in den wesent-lichsten Punkten des politischen und sittlichen Lebens an diesen Völkern spurlos vor-übergegangen.

Ein jeder Stamm der Afghanen, zu dessen Bezeichnung sie sich sonderbar ge-

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