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Vierter Band.
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476 Die Afghanen und ihr Reich.

wolle nach Mekka Pilgern; hieran einen Muselman zu hindern, gilt aber für dasgrößte Verbrechen. Der unglückliche Prätendent ging nun über Urgendsch oderChiwa nach Persien zurück und versuchte nochmals, vermittels der persischen Hülse,des Fürstenthums Herat und dann des Thrones sich zu bemächtigen (1800). Auchdieser neue Versuch mislang vollkommen, und der Schahinschah hielt es jetzt für dasBeste, mit dem König von Kabal Frieden zu machen. Schon verzweifelte Mahmud andem Gelingen seiner Plane, als der Baraksi Fateh-Khan, der Sohn des enthauptetenSirafras, zu Tubbus, wohin sich Mahmud zurückgezogen hatte, erschien und ihmversicherte, sein ganzer Clan sei geneigt, das Unternehmen des rechtmäßigen ErbenTimur's mit aller Kraft zu unterstützen. Fateh-Khan war nämlich nach der Hin-richtung seines Vaters in die heimatlichen Marken geflüchtet; er hielt sich einige Zeitin dem Kastell Girischk auf und kam endlich, um den Nachstellungen des Königs zuentgehen, zu dem Entschlüsse, Mahmud aufzusuchen und ihm seine Dienste anzubie-ten. Der Prinz, so sprach der kühne Baraksi, möge nur jede Hoffnung auf fremdeHülfe fahren lassen; er solle geradezu gegen Kandahar ziehen und seine gerechteSache den Durani überlassen. Sie würden sich, es sei dies keinem Zweifel unter-worfen, um ihren Fürsten scharen und ihn im Triumphe nach Kabal zurückführen.

Mahmud verließ Tubbus, von kaum 50 berittenen Durani begleitet, durchzogdie Wüste und kam nach Dschclalabad der Hauptstadt Sedschestans, wo er von demHäuptling der Provinz mit offenen Armen empfangen wurde. Dieser vermählteselbst eine seiner Töchter mit Kamran, dem Sohne Mahmud's. Von hier aus gingder Zug, dem sich in Scdschcstan, eine große Menge beutelustiger Krieger angeschlos-sen hatte, ohne aus irgend ein Hinderniß zu stoßen, vorwärts gegen Kandahar. Auchdiese Beste ward nach einigen Wochen durch das kühne, auf die Volkssitte berech-nete Benehmen des Baraksihäuptlings gewonnen. Nun wendete sich ein Clan nachdem andern, so die Alekkosi, zur Partei des Mahmud. Schah Siman befand sichzu der Zeit wieder auf einem Zuge nach Indien. Der König ließ, sobald ihm dieEinnahme von Kandahar berichtet wurde, eine Truppe unter seinem jünger» BruderSchah Schudschah in den südöstlichen Ländern zurück, und eilte nach Kabal, um denRebellen entgegenzugehen. Beide, der Vezier Waffadar und sein Herr, erkanntenjetzt den wankenden, trostlosen Zustand des Reichs und wurden von Furcht und Angstergriffen. Diese Kleinrnüthigkeit der Gebieter wirkte auf die Häuptlinge wie aus dasHeer in der Art zurück, daß Jeder blos an die eigene Rettung dachte und, umdiese zu erreichen, zu Treulosigkeit und Verrath seine Zuflucht nahm. Alles eilte,sich so schnell als möglich zur Partei des Mahmud zu wenden, wodurch dieser als-bald in den Stand gesetzt wurde, unter dem Jubelgeschrei eines großen Theils desVolks in Kabal seinen Einzug zu halten. Siman ward von einem seiner Getreuenaus der Flucht gefangen genommen, dann geblendet und in der Bala Hisar oderobern Burg unter strengem Gewahrsam gehalten. Waffadar, seine Bruder undseine nächste Umgebung wurden öffentlich hingerichtet.

Mahmud als König; die Gildschi; Schudschah al Mulk; die Oase Herat; der BaraksiFateh und der Niedergang der Durani.

Mahmud benahm sich aber nicht wie ein Fürst, der nach langem Kampfe dasReich seiner Väter erwirbt, sondern wie ein beschränkter Näuberhauptmann, welchemdurch Zufall ein Wagstück gelungen ist. Um das Wohl seiner Unterthanen, umRuhe und Ordnung schien er sich gar nicht zu kümmern: er wollte sich jetzt blosfür die vielen Mühen und Plagen schadlos halten und ein ruhiges vergnügtes Sin-ncnleben führen, unbelästigt von den Geschäften des Kriegs wie des Friedens. Fateh-Khan und einem andern stolzen Duranihäuptling ward die Regierung des Reichsüberlassen, und diese gestatteten ihren Anhängern und'Soldaten, auf deren Machtsie bauten, alle erdenklichen Ausschweifungen. Kandahar, Ghasnah und Kabal wa-ren aber die einzigen Länder der Duranimonarchie, welche Mahmud gehorchten; inHerat schaltete sein jüngerer Bruder Firus wie ein selbständiger Fürst. Die nord-