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Vierter Band.
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Die Afghanen und ihr Reich. 475

hammed ließ den unglücklichen hochbetagten Alten, um Schätze zu erpressen, allenerdenklichen Qualen aussetzen, und mordete ihn endlich zur Sühne des an der Fami-lie Nadir's noch nicht gerochenen Bluts seines Großvaters. Doch schon im folgen-den Jahre ereilte auch ihn die Rache. Der Schahinschah fiel durch die Hand seinereigenen Diener. Die Macht der Kadschar war jetzt bereits so befestigt, daß es sei-nem Neffen Fath Ali, dem Sohne des Husain Kuli, leicht ward, die geringen Auf-stände, die sich gegen ihn erhoben, niederzuschlagen und dann das Erbe anzutreten,welches sein Oheim ihm hinterlassen hatte.

Der neue Herrscher suchte den Umfang der Monarchie innerhalb der Grenzenherzustellen, wie zur Zeit der Sefidynastie: er wendete deshalb seine Waffen baldnach Westen gegen Georgien, bald nach Osten gegen Chorasan. In dieser Richtungtraten aber den Kadschar die beiden Weltstaaten, Rußland und England, feindlichentgegen und hinderten die Ausdehnung ihrer Macht. England unterstützte zwar an-fangs die Eroberungszüge des Fath Ali gegen die Durani, und auch die innernVerhältnisse dieses Reichs schienen, wie wir bereits bemerkten, die Plane Persienszu befördern. Aber der Mangel an Ordnung und die Feigheit ihrer Heere, sowiein der Folgezeit die aus den veränderten Verhältnissen hervorgegangene verschiedenePolitik Großbritanniens, gestatteten nicht, daß die Schahinschah auf der östlichen Seitedas ersehnte Ziel erreichten.

Bei dem Tode Timur's, des Königs der Afghanen, war sein älterer SohnMahmud Statthalter in Herat; er unterwarf sich zwar dem jüngern Bruder Si-man, aber blos dem Scheine nach. Mahmud lauerte nur auf eine Gelegenheit, sichdie Krone der Durani auf das Haupt zu setzen, oder doch wenigstens Herat und dieUmgegend zu einem unabhängigen Fürstenthum zu erheben. An den Ufern desHirmend lieferten sich beide Bruder (1794) ein hartnäckiges Treffen: Mahmud wardgeschlagen und floh nach Herat zurück. Früher bereits hatte der Erstgeborene Ti-mur's mit Aga Muhammed verrätherische Verbindungen angeknüpft, die nun unterseinem Nachfolger fortgesetzt und befestigt wurden. Mahmud, von seinem zweitenBruder Firus und seinem Sohn Kaiman begleitet, erschien selbst (1797) an demHose zu Teheran und bat flehentlich den Schahinschah, er möge dem gekränkten Kö-nigssohne zu seinem Rechte verhelfen. Fath Ali befahl hierauf seinen Statthalternund den Häuptern der nomadisch herumziehenden Clane in Chorasan, dem Durani-fürstcn mit aller Macht beizustehen, damit er in die Hauptstadt seines Landes ein-ziehen und, wie es ihm gebühre, die Krone des Duranireichs sich auf das Hauptsetzen könne: nur dann, wenn dieser glückliche Befehl vollzogen, fände der Schahin-schah Befriedigung in seinem Herzen; nur dann erst sei den Statthaltern und denStämmen Ruhe gestattet.

Siman, der beim Heranziehen dieses Sturmes aus Westen auf einem seinernutzlosen Züge gegen Indien begriffen war, eilte schnell in die Heimat zurück, schlugdie Perser und bemächtigte sich Herats durch Verrath. Mahmud und Kaimanwurden gezwungen, nochmals nach Chorasan zu flüchten, wo sie um nachdrücklichereHülfe bei dem Hofe zu Teheran einkamen. Der Schahinschah stellte sich selbst, umdie Schmach, die seinen Waffen widerfahren, zu rächen, an die Spitze des neuenZugs gegen Osten. Mahmud vermochte auch mehre Stämme zu gewinnen, die ihnihres Beistands in dem Kampfe gegen Herat versicherten, wo Prinz Kaisan lag,ein Sohn Siman's, mit einem wvhlgerüsteten Duranihcere. Der Vezier Waffadarwußte es aber durch Trug und Hinterlist dahinzubringen, daß der schwache Mahmudgegen seine eigenen schulischen Bundesgenossen von Mißtrauen erfüllt wurde; er flohdann zu seinen Glaubensgenossen nach Bochara, und der Prinz ward hier so lange,bis die Gesandten Siman-Schah's ankamen und seine Auslieferung verlangten, mitgroßer Aufmerksamkeit behandelt. Der fromme Khan Murad von Bochara hättejetzt gern die heilige Sitte der Gastfreundschaft gebrochen, und den Flüchtling, fürdie Summen, die ihm geboten wurden, dem König von Kabal ausgeliefert; es waraber unmöglich. Mahmud ahnte die Gefahr und war klug genug zu erklären: er