5Ü4 Königsberg.
Darlegungen der Tagesereignisse blieben auch diejenigen Bürger, denen die Zeit undGelegenheit zu regelmäßiger Lecture fehlt, «fortan in stetem Zusammenhange mit denZeitbegebenheiten.
Die fernern Associationen.
Mit der Entfesselung der politischen Parteien durch die Märzereignisse und derplötzlichen Freigebung des Affociationsrechts brach auch über Königsberg eine wahreSturmflut von Vereinen, Clubs, Versammlungen und Comites herein, von denenwir hier nur diejenigen aufzählen und charakterisircn wollen, die wirkliche Fractionenund Richtungen der Gesellschaft repräsentiren. Die centrale Position, rücksichtlichfeiner socialen und politischen Grundsätze, nahm unter diesen Vereinen der „Consti-tntionelle Club" ein, wiewol zu Zeiten einzelne Elemente desselben stark zur Linken,weniger zur Rechten hinüberschwankten. Weiter links bildete sich zunächst der „De-mokratische Club", sodann als äußerste Linke der „Arbeiterverein". Auf der Rechtendagegen erstand der „ Constitutiomlle Verein", dem wiederum als äußerste Rechteder etwas später gestiftete „Preußenverein" zur Seite trat. Außerdem sind nochzu erwähnen: der „Volkswehrclub", ein allgemeines Schutzinstitut, sowie derjenigeVerein, welcher sich in Königsberg für die Reform der deutschen Universitäten con-stituirte. Doch stehen diese beiden zuletztgenannten Associationen in einem wenigerdirecten Verhältnisse zu den damaligen fünf Hauptgestaltungen des socialen Verkehrs.Die städtische Ressource blieb indessen trotz all dieser Vereine vor wie nach der fürsich bestehende sociale Herd und Stab unserer Stadt, wenn auch allerdings Einwir-kungen herüber- und hinübergingen. Ganz und gar außerhalb des Kreises dieser Ver-eine befand sich ein ganzes Heer irregulairer, fliegender Corps und socialer Euerril-las, deren Wirksamkeit sich in Dunkel verlor, und aus denen von den Demagogenjeder Richtung nicht selten die Werkzeuge für Parteidemonstrationen und Straßenaüf-läufe genommen wurden.
Der konstitutionelle Club wurde am 25. Apr. 1848 gestiftet und entwickeltealsbald eine ungemeine Thätigkeit nach innen wie nach außen. Sein Programmwar damals: „Eine monarchisch-repräsentative Staakssorm Preußens, welche allenothwendigen Garantien darbietet für die Begründung und Aufrechthaltung einermit der Sicherung eines wohlgeordneten Rechtszustandes vereinbarten bürgerlichenund religiösen Freiheit; insbesondere aber eine einzige, aus freien Wahlen des Volkshervorgegangene Nationalversammlung, welcher, unter Mitwirkung eines von verant-wortlichen Ministern umgebenen Königs, die gesetzgebende Gewalt und die Feststellungund Überwachung des Staatshaushalts übertragen ist." Die thätigsten Theilnehmerdes Clubs hatten eine treffliche Schule in der Bürgergesellschaft und der Ressourcedurchgemacht, sodaß die Verhandlungen vom Beginn an einen bewundernswürdigenAufschwung nahmen. Der Club verbreitete in seinen Discussionen viel Licht überden Begriff und die Formen des constitutionellen Staats, was bei der politischenHalbbildung und Begriffsverwirrung in der Masse kein geringes Verdienst war. Ver-möge seiner dem Principe nach vermittelnden Stellung zwischen den extremen Par-teien verfuhr er abmahnend gegen die Wühlereien und Anzettelungen sowol der Re-volutionaircn wie der Reactionairen. So erließ er Ende Mai eine öffentliche Erklä-rung, in welcher er vor Gewaltthätigkeiten gegen Personen und Eigenthum aus po-litischem Parteihaß warnte. Eifrig war der Club bemüht, Verbindungen mit dengleichgesinnt«: Vereinen in Preußen und ganz Deutschland einzugehen. In einerAdresse an den gleichbenannten Bruderverein in Berlin, die er am 4. Mai erließ,erklärte er: „Wir erkennen in dem Volke die einzige Quelle und den einzigen Zweckder höchsten Gewalt — aber nur in dem ganzen Volke, vom Könige herab bis zudem Letzten der Proletarier. Auf eine'allgemeine Entwickelung des politischen Lebens,um ihm Klarheit, bestimmten Ausdruck im echt constitutionellen Sinne zu geben,geht das Streben unsers Clubs, und so lange Wort, Schrift und That noch wirken,wird es ihm nicht an Mitteln gebrechen, diesen Zweck zu erreichen." Am 6. Zum