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Vierter Band.
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Königsberg. - 503

erhielten alle diese Stockungen Lust und Raum zur Bewegung. So stierte Dr. RuppSonntag am 26. März zum ersten mal Hüt seiner Freien Gemeinde den Gottesdienstin der Neuroßgärterkirche, während er bis dahin im Saal der Ressource den Cultushatte begehen müssen. Prediger Detroit an der französisch-reformirten Kirche, wel-cher, da er die kirchlichen Symbole ablehnte und sich deshalb in Untersuchung be-fand, für längere Zeit die Leitung des Gottesdienstes in seiner Gemeinde zu unter-lassen genöthigt wurde, predigte denselben Tag zum ersten mal wieder in der fran-zösischen Kirche. Es war dieser Sonntag in Königsberg zugleich eine Todtenseierfür die in Berlin Gefallenen. Man wünschte von vielen Seiten, daß Prediger Ruppdie Hauptstier des Tags aus einem der öffentlichen Plätze der Stadt übernehmenmöchte. Es sollte darüber abgestimmt werden, und zwar von den Schutzwachen HerBürgerwehr, was denn auch geschah. Indessen fanden sich Viele, die von der Öf-fentlichkeit jenes Festes zu große Aufregung und Tumult befürchteten, sodaß endlichdie Feier im Freien unterblieb.

Die städtische Ressource in der nachmärzlichen Periode.

Es konnte nicht ausbleiben, daß dieses sociale Hauptinstitut unserer Stadt un-mittelbar nach den Märzvorgängen außerordentlich an Ausdehnung gewann. DerZudrang, um aufgenommen zu werden, und zwar auch von Seiten des Beamten-standes, wurde jetzt so groß, daß man rücksichtlich des Raums in große Verlegen-heit gerieth. Man mußte sich einstweilen alles Hospitiern von Ein- und Ausheimi-schen verbitten, um nur Platz zu gewinnen. Indessen durfte man auf diesen Zudrangunter den obwaltenden Umständen nicht zu viel geben. Es war Mode geworden zurRessource zu gehören; ja die Sicherheit Manches schien es jetzt zu federn, als Manndes Fortschritts zu gelten. Man trat oft der Gesellschaft bei, wie man sich in eineVersicherungsanstalt einschreiben läßt. Man schloß sich ihr jetzt aus demselben Grundean, aus welchem man sich früher von ihr ferngehalten hatte, um keiner Gefahr ausge-setzt zu sein, und blieb im Ganzen nach wie vor gleichgültig. Viele der montäglichenVersammlungen mußten übrigens unterbleiben, weil die Bürgerwehr, schon beinahevollständig organisirt, unter Anderm anch das Local der Ressource zu Bürgerwacheneingeräumt erhielt. Doch kamen die Versammlungen bald wieder ohne Unterbrechungin Gang. Ungeachtet in der Ressourcengesellschast alle Censur aufgehört hatte, sowurden doch Vortrage größerer schriftlicher Arbeiten nur selten noch gehalten. Mitder ungehinderten Öffentlichkeit war auch die Lust an der freien Rede aus der Tri-bune unendlich gesteigert. Von umfassendem ausgearbeiteten Vortrügen' zeichnete sichunter andern aus eine erörternde Betrachtung des neuen preußischen Strafverfahrens,namentlich der Schwurgerichte, im Vergleich mit den französischen, englischen undamerikanischen Rechtsinstituten, sowie mit dem ältern deutschen und preußischen Cri-minalproceß. Der Vortragende, Zustizrath Marenski, behandelte die Sache mit De-tailkenntniß und Geschmack. In den erstem Zeiten der Märzbewegung, wo die Ge-müther zwar gehoben, aber durch politischen Fanatismus und persönliches Parteigezänknoch nicht verdüstert und erbittert, die Kräfte noch nicht bis ins Unendliche zerspaltenwaren, brachen bereits in der Bürgerressource die schönsten Blüten jener Gesinnungs-tüchtigkeit wie jener Gewandtheit in der parlamentarischen Discussion hervor, zu wel-chen die frühere Periode den Grund gelegt hatte. Allein die politischen Unwetter, derüble Gang der Dinge in Preußen wie in Deutschland, ließen diese Früchte'nichtrecht reifen. Unter den Männern, die damals und jetzt noch in der Bürgerversamm-lung glänzten, und von denen Einige durch ihre parlamentarische Wirksamkeit baldganz Deutschland bekannt wurden, nennen wir nur: Kosch, Rosenkranz, Rupp,Schubert, Simson, Sperling, Tamnau. .Eine neue Art der Mittheilungen tauchtenach der Märzrevolution in den Versammlungen der Bürger auf, die große Anerken-nung fand, und worin sich namentlich Falksvn auszeichnete. Es war dies die mitdem Schlüsse jeder Sitzung gegebene politische Rundschau. Durch diese übersichtlichen