Das Cap der guten Hoffnung. 509
Löwenkopfs 2160. Ferner bleibt noch zu bemerken das bei Worcester von dem Tul-bagh- und dem Zwellendamgebirge ausstrahlende Hottentottisch-Holland- oder Draken-steingebirge, das stch südwärts zieht und in das dem Cap der guten Hoffnung gegen-überliegende Cap Hangklip ausläuft. Zwischen diesem Gebirge und dem Cap-Pen-insulagebirge zieht sich eine breite Sandfläche hin (die Laps-llsts), die es wahrschein-lich macht, daß die Cap-Peninsula frühex von der See umgeben war.
Indem das Land zwischen den verschiedenen Gebirgsketten sich terrassenförmigvon Süden nach Norden erhebt, so ist mithin das Long Kloof mehre hundert Fußhöher als das Küstenland, die Große Karroo höher als das Long Kloos (etwa 3000Fuß Meereshöhe), und das Land im Norden der Nieuwveldberge noch höher. DieGebirge besitzen weder den Charakter des Erhabenen noch den des Reizenden, wolaber, besonders in der Nähe, den des Furchtbaren. Nackte, solide Felsmassen steigenoft in senkrechten Steilwänden zu einer Höhe von 3 — 5000 Fuß empor, und mit-unter ist der Überhang des Gesteins so groß, daß die ganze Bergmasse ihren Schwer-punkt außerhalb der Basis zu haben scheint und jeden Augenblick die Ebene mitihren Trümmern zu überschütten droht. An vielen Stellen sind losere Theile ge-wichen, und die gebliebene Masse ist in eine Anzahl spitziger, grotesker Formen ge-brochen. Das Gebirge besteht meistentheils aus Sandsteinflötzen auf einer Unterlagevon Granit. Wo der Granit sich über das Niveau des umliegenden Landes erhebt,entspringen viele Quellen, wo er, wie es häufiger der Fall, tiefer liegt, ist Wasser-mangel. Unter den Mineralien ist besonders die neuerdings an vielen Stellen ent-deckte Steinkohle von Wichtigkeit.
Die Flüsse der Capcolonie sind zahlreich, aber von keiner hinreichend stetigenTiefe, um für die Schiffahrt benutzt werden zu können. Unzählige kleine Wasserbrechen erst am äußersten Saume der Gebirge hervor, die zugleich als Küstenströmebald,ihr Ende' erreichen und die Gestade vielfach durchschneiden und unwegsam machen.Die wichtigsten Flüsse, welche an der Südküste ausmünden, sind (von Westen nachOsten) der Breedefluß, der Gauritz, der Camtoos, der Sonntag-, der Buschmanns-,der Große Fischfluß (Groote Visch-Revier) und der Keiskamma. An der Westküstestießen nur wenige; die wichtigsten sind der Bergfluß und der Olifantfluß. Dergroße Oranjefluß (1777 von Capitain Gordon entdeckt und nach dem Hause Ora-nien benannt), welcher eine englische Meile breit, zur Regenzeit an 50 Fuß ües ist,durchstießt den größten Theil von Südafrika in gerader Richtung von Osten nachWesten und wird nur in seinem obersten, etwas südlichern Laufe von der Colonie er-reicht. Der Große Fischfluß (der Klo Inlauts der Portugiesen) entspringt 200 Mei-len. weit von seiner Mündung und nimmt eine große Anzahl von Flüssen auf. Aberalle Flüsse der Colonie haben den Charakter von Sturzbächen, sind höchst wasserarmbei trockenem Wetter, und versiegen mitunter durchaus, oder lassen eine Reihe vonbloßen Pfützen zurück. Nach heftigen Regengüssen schwellen sie dagegen oft plötzlichan, sodaß bei dem Mangel an Brücken der Verkehr geraume Zeit unterbrochen wird.Noch im Augenblick zeigt das Flußbett nichts als Schlamm. Plötzlich hört manaus der Ferne ein Gemurmel, dann ein Brausen, das näher und näher kommt, undeine Wasserwand erscheint stromaufwärts, langsam und finster vorwärtsrollend, undfüllt den Schlund mit einer bleifarbenen Masse. Viele Flüsse, namentlich im öst-lichen Theile der Provinz, fließen in ungemein (an 50 Fuß) tiefen Betten, zwischensteilen, mit dichtem Pflanzenwuchs bedeckten Ufern. Solche Abgründe sind schwerzu passiren und verursachen den Reisenden großen Aufenthalt und Mühe. Die Lageder dermaßen vergrabenen Flüsse verhindert auch ihre Benutzung zum Behufe der sonothwendigen Irrigation.
Der Boden der Ebene besteht theils aus einem zähen Thon, theils aus leich-tem Sande, der nur Wasser bedarf, um höchst fruchtbar zu werden. Der allge-meine Charakter des Landes ist aber wenig einladend. Die südwestlichen Bezirke ent-wickeln bedeutende Fruchtbarkeit und bringen reichlich Getreide und Wein hervor;die südlichen Abhänge des Uteniqua- und Aitzikammagebirgs, auch der Zuureberg und