Das Cap der guten Hoffnung. 5ls
Hottentotte Bildungsfähigkeit genug besitzt, um auch zum bürgerlichen Leben tüch-tig zu werden.
Die Hottentottenstä'mme, welche sich in der Nähe der Colonie noch im wildenZustande befinden, sind die Namaqua in den Wüsten nördlich der Colonie, und dieKoranna am Oranjefluß, wo er weite, grasreiche Ebenen durchströmt, in trägemStumpfsinn von zahlreichen Heerden lebend. Ein besonderer Hottentottenstamm sinddie Buschmänner (Bosjesmans; sie selbst sollen sich Saab nennen), die in der öst-lichsten Erhebung des Ouelllandes des Oranjeflusses auf kaltem, schneereichem, um-stürmtem Gebirge in Felsklüften troglodytisch leben, und von Heuschrecken, Wurzelnund Allem, was sie sonst finden, sich ernähren. Sie verstehen sich indessen auch aufdie Jagd und schießen daS Wild mit vergifteten Pfeilen, wozu sie das Gift aus denBeuteln der Schlangen, der Wurzel der Agapanthuslilie und aus andern Pflanzenzu nehmen wissen. Sie begeben sich auch oft, vom Hunger getrieben, auf Streife-reim, um Vieh zu stehlen, und werden von Colonisten und Hottentotten in dieserHinsicht sehr gefürchtet. Die freien Hottentotten sehen noch viel winziger und hage-rer aus als die in der Colonie, und ihre Nase ist noch weniger entwickelt. IhrÄußeres und ihr gieriges, thierisches Wesen erinnert in der That auf das lebhaftesteän die Affen. Doch sind sie keineswegs ohne Intelligenz; ihr außerordentliches Ta-lent im Nachahmen, was freilich affenartig ist, beweist ihre scharfe Beobachtungs-gabe. Im letzten Kaffernkriege befanden sich 150 dieser Männlein mit ihren vergif-teten Pfeilen als Alliirtc bei der englischen Armee, von den Kaffern überaus gefürch-tet. Ihre Pfeile sind mit Widerhaken versehen und können nicht ausgezogen werden,ohne daß man dadurch die Wunde vergrößert. Die Hottentottenrace hat in der Phy-siognomie viele Ähnlichkeit mit den Chinesen und alten Ägyptern, was Dr. Pritchardauch in der Schädelbildung findet.
Die Neger in der Capcolonie stammen theils von den frühern Sklaven, theilskamen sie von St.-Helena aus dem Depot der durch englische Kriegsschiffe aus Skla-venschiffen befreiten Neger, von denen Keiner geneigt ist heimzukehren, weil sie fürch-ten, abermals ergriffen und zum Gegenstand des Handels zwischen ihren eigenen Leu-ten und den europäischen Sklavenhändlern gemacht zu werden. Die Neger der Ko-lonie befinden sich in demselben Zustande der Selbstzersetzung wie die Hottentotten.Sie leben meist als Arbeiter und Dienstboten, aber große Massen haben kein be-stimmtes Geschäft, wenigstens kein ehrliches. In der Vorstadt der Capstadt undüberall in der Nähe der Städte oder der Krüge befindet sich eine Anzahl schmuzigcrHütten, wo Scharen von Negern und Hottentotten in Müssiggang zusammen nisten,wo die in der Nachbarschaft dienende schwarze Bevölkerung sich wenigstens Sonntags«infindet, und man sich ohne Scheu oder Schranken in jedem Laster ergeht. Aufdem Lande ziehen aber die Neger wie die Hottentotten in Banden umher, gefährdenüberall das Eigenthum, ja das Leben der Landwirthe und verführen die als Knechteoder Mägde dienenden Farbigen zu gleicher Landstreicherei. Die Malaien sind inbeträchtlicher Anzahl im Capdistricte naturalisirt. Sie sind Mohammedaner und habenin der Capstadt ein Bethaus. Wegen ihrer vorzüglichen Gcschicklichkeit wurden sie zumHandwerksbetrieb von den Holländern als Sklaven eingeführt, während die Neger sichbesser zum Landbau eignen. Die Malaien sind äußerst reizbar und rachsüchtig, was,da sie weder auf ihr eigenes Leben noch aus das eines Andern einen Werth setzen,zu vielem Unglück führte. Die holländische Colonialregierung untersagte deshalb zu-letzt auch ihre Einführung. Eine Mischrace der Malaien und Holländer sind die Afri-cander; sie zeichnen sich, namentlich die Frauen, durch ihre Schönheit aus. DasHaar dieser Frauen, vom tiefsten Schwarz, am Hinterkopse aufgewunden und miteinem vergoldeten Pfeile befestigt, ist überaus anmuthitz.
Endlich gehören zu den farbigen Einwohnern der Colonie die Fingo, eine zurKaffern- oder Beetjuanarace zählende Völkerschaft. Von den Kaffern an der Grenzeder Colonie unterscheiden sie sich hauptsächlich nur durch große in die Ohren gebohrteDie Gegenwart. IV. 33