512
Das Cap der guten Hoffnung.
lichen Wendekreise und im Osten jedenfalls bis zum Keifluß bewohnt haben. Es isteine schwache, unkriegerische Race, die vielleicht von den kräftigern Racen der Mensch-heit nach diesem Südende der alten Welt hinabgedrängt wurde, und von der essprüchwörtlich gilt, daß sie auf der Grenze zwischen Mensch und Thier stehe. DieHottentotten sind jedenfalls äußerst häßlich. Die Eesichtsform ist eckig, die Backen-knochen sehr hervorstehend, der untere Theil der Wangen eingeschrumpft, das Kinn >spitz, der Mund hervorragend, die Lippen dick, die Augen klein, schmal und etwas ^schräg gesetzt, die Stirn niedrig, die Nase so platt, daß der obere Theil gar nicht er- ischeint, die Nasenlöcher groß und weit, der Haarwuchs aus einigen unregelmäßigen »Büscheln grober Wolle bestehend. Ihre Haut hat eine gelbbraune Farbe, die Hände >und Füße sind meistens klein und zärtlich (im Gegensatz zu denen der Neger), ihre >Statur ist klein, unter fünf Fuß. Als seltsame Eigenthümlichkeit erscheint die außer- iordentliche Fettanhäufung an den Hintertheilen, sodaß ihr Rücken eine größere Curve ibildet und unten weiter hervortritt, als dies selbst bei unsern Modedamen der Fall list. Die Hottentotten, welche noch im wilden Zustande leben, thun dabei das Mög- Iliche, um ihre Häßlichkeit zu vermehren. Sie beschmieren sich stets dick mit Fett, Iwelches, da es fortwährend dem Rauche ausgesetzt bleibt, eine schwarze, glänzendeKruste bildet, sodaß die gelbbraune Haut kaum durchschimmert. Sie führen zur lRechtfertigung dieser Gewohnheit an, daß sie das Einschmieren gegen die Sonnen- ^strahlen schütze und Hautkrankheiten verhindere. Die Schmiere bildet dabei aber ein tHauptunterscheidungszeichen der Classen: der Reiche bedient sich frischer Butter, »der Ärmere des Fetts. Ihre Kraals (Dörfer) sind verwirrte Knäuel kleiner konischer IHüttchen, aus Zweigen und Erde erbaut, in welchen ganze Familien schlafen und »wohnen, ohne darin aufrechtstehen zu können. Das in der Mitte befindliche Feuer ^füllt den Raum mit dichtem Rauche; der Fußboden ist mit Schmuz jeder Art be- Ideckt. In ihrem frühern freien Zustande hatten sie Häuptlinge, die je einem Kraal »vorstanden, und sie in den Krieg führten, wo sie mit Wuth gefochten haben sollen. 1Sie gebrauchen ihre Pfeile und Wurfstöcke mit großer Sicherheit, und umzingeln Iwilde Thiere mit einer Geschicklichkeit, greifen sie mit einer Energie an und vermei- ßden ihre Sprünge mit einer Gewandtheit, wie es kein Europäer vermag. Auch ger- >ben und bereiten sie ihre Felle, flechten Matten aus Binsen und drehen Bogensehnen kaus Eingeweiden. Die Hottentotten haben eine unklare Vorstellung von einem gutenund bösen Geiste, begehen Tänze und Festlichkeiten beim Voll- und Neumonde, hal-ten gewisse Örter als den Aufenthalt abgeschiedener Geister für heilig, besitzen aberkeine Priester und halten keinen Gottesdienst, außer daß sie einen kleinen glänzenden 'Käfer verehren. Alles dies gilt jedoch nicht mehr von den Hottentotten innerhalbder Colonie, die ihre eigenthümliche Lebensweise aufgegeben haben und das Christen-thum bekennen. Dieses Christenthum beschränkt sich indessen meist auf ein papagai-artiges Hersagen von Gebeten, ohne Spur eines wahren Verständnisses auch der ein-fachsten Begriffe. Großentheils leben sie als Dienstboten, Hirten u. s. w.; Vielebeschäftigen sich mit einigem Landbau, Andere auch treiben sich auf dem Lande inBanden umher. Sie sind im Ganzen ein unschuldiges Volk, aber so sorglos und»«betriebsam, daß sie als freie Leute inmitten einer civilisirten Bevölkerung nicht wol >cxistiren können. Seitdem die englische „Philanthropie" ihnen mit völliger Freiheitein unerwartetes Geschenk gemacht, hat dieses kindliche Volk reißend an Zahl abge-nommen. Plötzlich aus wohlversorgten Sklaven in vernachlässigte Freie verwandelt,führte sie die Branntweinflasche dem Untergänge zu, sodaß in wenigen Jahren wolder letzte Rest der reinen Hottentotten in der Colonie verschwunden sein wird. DieZahl der echten Hottentotten in der Colonie ist bereits sehr gering; die meisten Stämme,welche die Portugiesen nennen, sind jetzt ausgestorben. Die meisten dieser Hotten-totten sind sogenannte Bastards, eine Mischung von Holländern und echten Hotten-totten, welche die Letztem an Größe und Stärke übertreffen. Das aus Hottentotte»gebildete berittene Jägercorps beweist jedoch durch seine Tüchtigkeit, daß, wenn mannur mit einiger Sorgfalt und wahrhafter Philanthropie zu Werke gehen will, der