Band 
Vierter Band.
Seite
537
JPEG-Download
 

Das Cup der guten Hoffnung. 537

«ere waren jedoch auf ihrer Hut, und begriffen, daß es nur daraus ankomme, denFei»d ausfindigzumachen. Unter unsäglichen Anstrengungen gelang dies auch, undschon am 18. Febr. wurden die Kaffcrnhaufcn aus ihren Verstecken über den Keis-kamma getrieben, wobei man ihnen viel Vieh abnahm. Als die Armee ohne beson-dern Widerstand bis an den Großen Kei, 70 Meilen jenseit des Keiskamma, vorge-rückt, erklärte der Gouverneur auch gegen Hinha den Krieg, dessen Gebiet dieser Flußim Westen begrenzte. Hintza ward vorgeworfen, daß er den feindlichen Kaffern heim-liche Hülfe geleistet und das aus der Colonie geraubte Vieh in sein Gebiet aufge-nommen habe. Auch seien von seinen Unterthanen angesiedelte britische Handelsleuteermordet und die Missionare bedroht worden. Zugleich «ahm der Gouverneur die(bereits obenerwähnten) Fingo unter seinen Schutz, die in Hintza's Gebiet Zufluchtgesucht hatten, aber zu Sklaven herabgedrückt worden waren. Die Fingo sahen inden Briten ihre Befreier und schloffen sich denselben an. Am 7. Mai fand der Aus-zug der Fingonation statt; 17000 Köpfe stark zogen sie, beschützt von britischen Trup-pen, über den Kei, um jenseit eine neue Heimat zu finden.

Hintza sah sich bald genöthigt, um Frieden zu bitten, und versprach vertrags-mäßig die Bestrafung der Mörder, sowie die Ablieferung einer Anzahl von Vieh alsErsatz und als Strafe. Wicwol er sich aber freiwillig als Geißel ins britische Lagerbegab, suchte er doch mit aller List eines Wilden die Erfüllung des Vertrags zuhintertreiben. Seine Leute machten sogar dicht am britischen Lager einen mörde-rischen Anfall auf die Fingo; und als ihm der Gouverneur seinen Unwillen darüberzu erkennen gab, rief er erstaunt aus: „Wie, darf ich nicht meine eigenen Hundetodten?" Da die stipulirte Einlieferung des Viehs ausblieb, erbot sich der schlaueHintza, in Person mit dem Obersten Smith und einer Truppcnabtheilung beim Auf-suchen des Viehs behülflich zu sein. Er erhielt auch die Erlaubniß, den Obersten aufdieser Expedition zu begleiten. Obwol Hintza als Gefangener behandelt ward, hatteman ihm doch seine Ehren und Waffen gelassen; man warnte ihn aber vor jedemFluchtversuch, auf den er es offenbar abgesehen, und drohte ihm mit dem Erschießen.Der wohlberittene Häuptling wagte trotzdem einen verzweifelten Fluchtversuch, wurdeaber von Smith eingeholt und nach grimmiger Gegenwehr im Ringen vom Pferdegeworfen. Er riß sich indessen los und schlüpfte, nachdem er nochmals den Oberstenmit dem Affagai zu durchbohren versucht, ins nahe Dickicht, wo er aufgefunden undungeachtet seiner hartnäckigen Vertheidigung von der Büchse eines Engländers ausdem Gefolge Smith's niedergestreckt wurde. Die britischen Truppen nahmen nunHintza's ganzes Gebiet in Besitz.

Inzwischen fuhren die Grenzkaffern fort, in die Colonie einzufallen und die zurBehauptung der neuen Eroberungen zurückgelassenen Truppen durch stetes Strei-fen zu ermüden. Im September 1835 waren die Briten des Kriegs so überdrüs-sig, daß sie Unterhandlungen anknüpften. Die Kosten des Kriegs standen in kei-nem Verhältniß zu den Mitteln der Colonie, und der Dienst war besonders für dieBürgerwehren höchst drückend. Die Kaffern andererseits sahen ihre Dörfer zerstört,fanden sich in die wildesten Theile des Landes versetzt, und vermochten weder Acker-noch Gartenbau zu treiben. Im Laufe des September wurde zwischen Sir Ben-jamin d'Urban und den verschiedenen kriegführenden Häuptlingen ein Vertrag abge-schlossen. Die Häuptlinge erkannten sich als britische Unterthanen und unterwarfensich den britischen Gesetzen. Die Grenze der Colonie wurde zum Großen Kei vor-gerückt,, und somit das herrliche Land vom Keiskamma bis zum Kei und von denQuellen des Kei bis zum Meere der Colonie einverleibt. Man nannte diese neueProvinz zu Ehren der Königin Adelaide. Indessen vertrieb man die Kaffern ausdem abgetretenen Territorium nicht, sondern überwies ihnen, der Anzahl jedes Stam-mes angemessen, Ländereien, und stellte sie unter die Aufsicht britischer Beamten, diesich jedoch in die innere Anordnung der Stämme und ihrer Familien wie überhauptin ihre stehenden Gebräuche nicht einmischen sollten. Ein besonderer Vortheil die-ser Eroberung war noch, daß die neuen Grenzen weniger die Räubereien und Ein-