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Vierter Band.
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Das Cap der guten Hoffnung. 53S

zur höchsten Unleidlichkeit gesteigert worden. Diese von ihrem Mutterlande schmählichverlassenen Holländer hatten sich 1815 den Anordnungen des Wiener Congreffes undder britischen Herrschaft nur darum gutwillig unterworfen, weil man ihre Gesetze,Gerichte, Municipalitäten u. s. w. unberührt ließ. Im Jahre 1827 schon wurde inder Capcolonie ein neues Gesetzbuch eingeführt, das dem englischen Rechte aufs besteangepaßt war, und selbst die englische Sprache in die öffentlichen Verhandlungen ein-führte. Die Boers verstanden aber weder die Sprache noch die Grundsätze des frem-den Rechts, und die Nachtheile, die aus dieser Neuerung für sie hervorgingen, warenunermeßlich. Ihre Erbitterung stieg umsomehr, als die Regierung zugleich die altenDrosteien aufhob, dafür Civilcommissare über die Landesdistricte setzte, und diese unmit-telbar der Cenkralbehörde in der Capstadt unterstellte. Zudem mischten sich die eng-lischen Missionare und sonstigen Philanthropen immer mehr in die Verhältnisse der Hol-länder zu ihren farbigen Dienern und Sklaven, und verbreiteten über deren Behand-lung Dinge, die im Ganzen ungegründet waren. Es erfolgte endlich eine Ordinanzder Regierung, in welcher die freien Hottentotten aller derjenigen Beschränkungenentbunden wurden, die zur Aufrechthaltung der Disciplin unter den Farbigen sichals durchaus nothwendig erwiesen. Wie sehr Letzteres der Fall gewesen, zeigte dieSelbstzersetzung, in welche die reine Hottentottenrace seit jener Ordinanz verfiel.

Dann hieß es auch: „Der Sklave soll frei sein!" Durch diesen Schlag wurdeder Colonist seines werthvollsten Eigenthums, seiner Arbeitskräfte beraubt. Was ausdem Sklaven werden mußte, dem man so ohne weiteres die Kette brach, welche ihmzugleich ein Gängelband gewesen, danach fragte die hochkirchliche Legislatur ebensowenig, als sie das Schicksal der Colonisten bedachte. Der Holländer war seinerseitsganz bereit, den Vorstellungen Aufmerksamkeit zu widmen, welche den Handel mitMenschen verpönten; aber er murrte und schrie über die Art, wie man die Eman-cipation ins Werk setzte. Man legte zwar den Sklaven noch einige Dienstzeit unterdem Namen einer Lehrlingschaft aus, entzog sie aber dabei der Controle und Dis-ciplin ihrer Herren, indem man sie unter besondere, hochbesoldete Richter stellte. AlleKlagen, sowol die der Herren wie der Lehrlinge, mußten vor diese Richter zur Unter-suchung gebracht werden. Nur zu häufig brachten aber die Lehrlinge, denen von allenSeiten eingeprägt wurde, daß ihnen das schnödeste Unrecht geschehe, müßige undfalsche Beschwerden vor die Behörde, und der Boer sah sich unausgesetzt genöthigt,seine dringendsten Wirthschastsarbeiten zu versäumen, um die lange Reise vor dasGericht zu machen. Was half es ihm, wenn er zuletzt das Recht behielt! Wiewolsich die Boers gegen die Emancipation nicht sträubten, so gab doch die Art, wie siefür die Freilassung entschädigt wurden, einen wesentlichen Punkt ihrer Unzufriedenheitab. Der Werth der Sklaven in der Capcolonie betrug fast das Doppelte des Werths,welchen die Sklaven auf den westindischen Inseln besaßen, und dennoch ward dieCompensation nach dem Maßstabe jener Inseln vollzogen. Dabei erhielten die Boersihre Entschädigungen nur in London ausgezahlt, sodaß sie an 12"/» für Disconro,Commission und dgl. darangeben mußten, ehe sie das Geld in der Capstadt in Em-pfang nehmen konnten. Und auch dann mußten sie noch Reisen von 5—600 Mei-len zurücklegen. Ein englischer Speculant benutzte die Conjunctur, ging mit einergroßen Geldsumme nach dem Cap und kaufte Compensationsfoderungen auf, wassehr gewinnreich ausfiel. Zudem ergab sich aus der voreiligen Sklavenemancipationnoch ein besonders furchtbarer Übelstand, indem sich die Colonie mit zwar freien, aberdesto mehr arbeitscheuen Negerbanden bedeckte, die Leben und Eigenthum gefährde-ten, Zucht und Sitte untergruben, die schwachen Hottentotten verführten, und sogardie Kaffern unterrichteten, wie sie den Landwirthen das Vieh wegtreiben könnten.

Hierzu gesellte sich der Kaffernkrieg seit 1834, in dem die Boers nicht nur viel litten,sondern der Armee auch große Lieferungen an Pferden und Schlachtvieh leisten mußten,wofür ihnen die Regierung die versprochene Entschädigung schuldigblicb. Der Stocken-stromvertrag trat schließlich hinzu, um das Maß der Bitterkeiten vollzumachen, sodaßsich ein großer Theil der holländischen Bevölkerung zur Auswanderung erhob. Es