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Vierter Band.
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Das Cap der guten Hoffnung.

mochte sonderbar erscheinen, daß sich die Boers, um regellosen Zuständen zu entgehen,geradezu in die Mitte der wilden Stämme flüchteten; allein sie wollte» nur das Ge-setz in ihre eigenen Hände nehmen, und hofften sich so besser vertheidigen zu könnenals mit Hülfe britischer Verträge, Gesetze und Soldaten: der Erfolg bewies, daß siesich nicht getäuscht. Eine anhaltende Dürre suchte damals die höhergelegenen Ge-genden der Colonie heim, wodurch das Projekt der Boers beschleunigt wurde. Eswar von jeher Gebrauch gewesen, die Grenze der Colonie bei ungünstigen Jahren zuüberschreiten, und einzelne Ansiedler hatten sich schon längst in die anmuthigen Ge-biete im Nordosten bis nach Port Natal hingezogen, von woher sie verlockende Be-richte über die Fruchtbarkeit des Bodens und ihre glückliche Lage nach dem Cap ge-langen ließen. Peter Retief, ein angesehener und einsichtvoller Holländer, war nunder Erste, der die Maffenauswanderung ingangbrachte. Nachdem er sich an denBicegouverneur Capitain Stockenstrom um Schutz gegen die Kaffern gewandt, aber«ine ungenügende Antwort erhalten, that er sich sofort mit einer großen Anzahl sei-ner Nachbarn zusammen, und trat den Zug nach Port Natal an. Plötzlich theiltesich diese Bewegung allen Punkten der Colonie mit; es riß unter den Holländerneine fömliche Leidenschaft zu „Trecken" ein, selbst in den ältesten westlichen Bezirkennahe der Capstadt wurden Haus und Hof verlassen. So groß war die Zahl deSmitgenommenen Viehs, daß die Fleischprcise aufs höchste stiegen, und man einer all-gemeinen Hungersnoth nur mit Mühe entging. Noch tiefer aber griff die Wunde,welche der Colonie durch die Mitnahme der sehr beträchtlichen Baarschasten geschla-gen ward.

Abänderung des Stockenstromvertrags im Jahre 18-10; Erneuerung des Kaffernkriegsim Jahre 1846 unter dem Gouverneur Maitland.

Inzwischen wiederholten sich an der Grenze die Räubereien der Kaffern in steigen-dem Maße. Der Gouverneur veranstaltete im Jahre 1838 mit den Grenzhäuptlingerreine Conferenz, wobei Letztere den höchsten Unwillen über diesen Frevel ausdrückten,sich aber unfähig erklärten, dem Übel zu steuern. Im Jahre 1840 trat mit erreich-ter Volljährigkeit Sandilla, Gaika's Sohn von dessen Hauptweibe Sutu, seine Häupt-lingschaft an, während seine Brüder, Makomo und Tyali, die Regentschaft niederlegten.Die Verträge mußten mit Sandilla erneuert werden, und man ließ britischerseits die-Gelegenheit nicht vorübergehen, um einige Abänderungen im Stockenstromvertrage zuerlangen. Sir George Napier hatte daher im December 1840 an der Tschumie eineZusammenkunft mit den Häuptlingen des Gaikastammes. Die Häuptlinge erschienenin Begleitung von 4000 Kriegern, von denen an 500 mit Flinten bewaffnet waren.Sie betheuerten abermals ihre friedlichen Gesinnungen, erklärten ihr Unvermögen inAbstellung der Raub- und Mordthaten, und gingen auf die Abänderung des Ver-trags ein. Nach einer langen Discussion machte sich Sandilla auch anheischig, dieMissethäter ausfindigzumachen und in Gegenwart der residirenden Agenten bestra-fen zu lassen. Nach den neuen Bestimmungen sollten Colonistcn, welchen Vieh ge-raubt worden, hinfort frei und ohne Polizeipässe ins Kafferland eingehen; jedoch ohnezahlreiche und bewaffnete Begleitung. Nachdem die Auffindung des Viehs gelungen,sollte die Sache vor die Häuptlinge und die residirenden Agenten gebracht, und vondenselben, nach geleisteter Beweisführung, über die Zurückerstattung des Eigenthums'und die sonstige Entschädigung entschieden werden. Die Mörder sollten in Gegen-wart des Agenten vor Gericht gestellt und nach ihren heimischen Gesetzen bestraftwerden. Auch sollte eine gemischte Commission, aus dem Vicegouverneur, den resi-direnden Agenten und den Häuptlingen bestehend, zeitweilig in Fort Beaufort zusam-mentreten, um über alle zwischen beiden Parteien anhängigen Zwistigkeitcn zu ent-scheiden. Diese Neuerungen fanden in Albany vielen Beifall; man hoffte, daß derRäuberei nunmehr Einhalt gethan und die Kaffern allmälig friedliche Nachbarn wer-den würden. Eine Zeitlang bewährte sich auch diese Hoffnung; aber bald stand