548 Das Cap der guten Hoffnung.
beobachtet wurde. Fünf Offiziere, die sich eine Strecke vom Lager entfernten, wur-den von demselben sogleich überfallen und niedergemacht. General Berkeley, begleitetvon Somerset und 740 Mann, folgte unverzüglich Pato's Spur, und nach einemscharfen Marsche von 30 Meilen traf er ihn am 15. Nov. auf einer Anhöhe, in einerVortheilhaften, von Felsen geschützten Stellung. Die Kaffern fochten mit der größtenHartnäckigkeit; aber das 73. Regiment, zu welchem die ermordeten Offiziere gehör-ten, griff wüthend an und schlug den Feind mit großem Verluste an Todten, Flin-ten und Vieh in Flucht. Doch entkamen die Wilden, ehe ste eingeholt werdenkonnten, über den Kei. Oberst Somerset ging am 19. Nov. ebenfalls über den sehrangeschwollenen Fluß und ließ auf das Vieh der in verschiedenen Richtungen geflüch-teten Kaffern streifen. Mitte December sandte endlich der in den Anhöhen jenseitdes Ke! in die Enge getriebene Pato Boten ab, die unterhandeln sollten. Dazuaber war es jetzt zu spät: Somerset bestand aus unbedingter Unterwerfung. Aufdiese Antwort kamen von den scheinbar ganz einsamen Felsen plötzlich die -Kaffernherunter mit Muten und Assagai, die sie abgaben. Nach zwei Tagen nahte auchPato mit seinen zwölf Räthen, alle abgemergelt, mit Schmuz bedeckt, vor Furchtzitternd. Er sei, sagte er, drei Monate hindurch von Fels zu Fels gejagt worden;er sei nicht länger ein Mensch, sondern ein Affe, denn er habe unter den Affen ge-haust; er habe sich verborgen, wohin keine Reiterei kommen könnte, aber der gefürch-tete Somerset habe ihn aus seinem Versteck vertrieben, und er flehe nun, aus demDickicht genommen zu werden (d. h. um Frieden). Ost sei er Tage lang verhindertworden, Vieh zu schlachten, und seine Leute hätten ihre Schilde essen müssen. Erversprach 5000 Rinder. Oberst Somerset lieferte ihn jedoch ab.
Beendigung des Kaffsrnkriegs durch den Gouverneur Harry Smith; Gründung des
Britischen Kaffraria.
Der Generalmajor Sir Henry Pottinger ward jetzt nach Madras berufen, undverließ die Capcolonie, nachdem er in die innern Angelegenheiten derselben Ordnunggebracht, und eine zuverlässige Basis für den zukünftigen Frieden gelegt hatte. SeinNachfolger war der Generalmajor Sir Harry Smith, der bereits in dem erstenKaffernkriege (1834—35) so entscheidende Dienste geleistet. Außer dem frühern,stets in gutem Andenken stehenden Gouverneur d'Urban, dessen von der britischenRegierung mit so großer Unkunde verworfene Maßnahmen er eben auszuführen kam,war kein anderer Offizier oder Beamte so allgemein beliebt in der Colonie, besaßkeiner eine so genaue Kenntniß der Kaffern als Sir Harry. Die Colonisten empfin-gen ihn darum auch allenthalben mit dem lautesten Jubel und außerordentlichenEhrenbeweisen. Als er in Port Elisabeth landete, befand sich unter der ihm ent-gegenströmenden Menge der Häuptling Makomo. Sowie ihn der Gouverneur ge-wahrte, wandte er sich gegen ihn, zog sein Schwert halb aus der Scheide, hielt eseinen Augenblick an und stieß es dann mit einer Miene von Zorn und Spott zurück,sodaß Makomo zusammenschrak und die Leute lachten. Sodann tadelte und verhöhnteer den Häuptling heftig und befahl, vor ihm niederznknien, was Makomo unwilliggenug that. „Dies", sagte Sir Harry, indem er seinen Fuß aus den Nacken desWilden setzte, „soll euch lehren, daß ich gekommen, um Kafferland zu zeigen, daß ichhier Herr und Häuptling bin, und dies ist die Art, auf die ich die Feinde der Kö-nigin von Englartd behandeln werde." Ebenso ließ er, als er in Grahamstown an-gelangt, Sandilla kommen und redete ihn mit bittern Unwillen an. Sandilla räumteseinen Irrthum ein. Der Gouverneur fragte sodann, wer gegenwärtig der ZukostZukulu (der große Häuptling) von Kafferland sei, worauf Sandilla nach einigemBedenken antwortete: „Kreli!" Der Gouverneur brach anscheinend auf dieses Wortin großen Zorn aus. „Nein", sagte er, „ich bin euer oberster Häuptling. Ich bingekommen, um euch für euern Frevel, eure Verrätherei und eure hartnäckige Thor-heit zu strafen. Ihr könnt euch meinem Fuße nahen und ihn küssen zum Zeichender Unterwerfung; aber nicht eher, als bis ich aufrichtige Reue bemerke, werde ich