Das Cap der guten Hoffnung. 547
verlassen und bei ihm wohnen. Dies sei ihr letztes Wort, ihr Entschluß, wobei siebleiben wolle. Es muß bemerkt werden, daß die Amakosamädchen in strenger Zuchterzogen werden, daß es ihnen für das größte Unglück gilt, die weibliche Ehre zu ver-lieren und dadurch die ganze Familie in Schande zu bringen. Oberst Campbell, wußtedie Hingebung, die in dem Anerbieten lag, zu ehren; aber es blieb bei der gegebenenAnordnung, und Makomo wurde nach Port Elisabeth abgeführt.
Somerset und Campbell nahmen, indem sie weiter vordrangen, mehre TausendRinder, wobei immer Kaffern erschossen wurden; doch in Masse war der Feind nichtzu erreichen. Die Truppen litten dabei von stetem Regen. Die Kosten des Feld-zugs belicfen sich außerordentlich hoch: für Extrawagen, die man jetzt doch nothwen-dig fand, zahlte man während dieses Zugs (vom 20. Sept. bis zum 20. Oct.) 27000Pfund Sterling. Sandilla zog sich seinerseits ins Innere des Amatola zurück, ineine tiefe Schlucht, wo ein Bach, der Wolfsfluß, ihn mit Wasser versah. Reitereikonnte ^hm hier nicht folgen; aber die Jäger blieben fortwährend auf der Streife.Der Häuptling sah sich in seiner Lage bald von den meisten seiner Anhänger ver-lassen. Seine Kornfelder waren verwüstet, seine Wohnstellen verbrannt, sein Vieherbeutet ode^ zerstreut. Er selbst, Makomo's Unterstützung beraubt, war fortwährendden feindlichen Kugeln ausgesetzt; oft vermochte er Tage lang nicht, seinen Durst imBache zu löschen. Endlich, erschöpft und Hoffnunglos, mußte er seinem Feinde dochdie Botschaft senden, daß er sich ergeben wolle und zu diesem Schritte durch Hun-gersnoth getrieben sei. Man sandte ihm durch seinen Boten Fleisch und Brot. Am19. Oct. war die Jägerbrigade unter Oberst Buller vor dem Lager aufgestellt undschaute ernsthaft durch den Regen dem Erwarteten entgegen. Der Häuptling kam,gefolgt von seinem Bruder Anta, seinem kühnsten Krieger, und 80 Getreuen. Ererzählte, daß er bereits vor mehren Tagen während eines Geplänkels mit den Jägernkaum der Gefangennahme entgangen sei. Als Sandilla seinen alten Freund, OberstCampbell, gewahrte, rief er aus: „Mein Freund! mein Freund! komm her!" Erschüttelte ihn dann bei der Hand und sagte, daß er recht gehabt, ihn gegen denKrieg mit dem weißen Mann zu warnen, welcher nicht überwunden werden könne,und wenn der Krieg auch ewig dauere. Man sandte Sandilla, Anta und die Räthedes Häuptlings unter starker Bedeckung nach Erahamstown, wo sie in einen Waa-renspeicher geworfen wurden. Die Sonne fand hier nur durch wenige schmale Öff-nungen in den Wänden Zugang. Wie anders war es in den breiten Thälern undfreien Höhen vom Amakosaland!
Viele Gaika gingen fort nach dem Kei, wo es noch von Vieh schwärmte, undstießen zu Pato. Dahin brach auch Somerset aus mit 1200 Mann. Am 31. Oct.erreichte er nach einem Nachtmarsche von 30 Meilen den Tschetschaba, und fandauf den Anhöhen jenseit in einer starken, durch eine Reihe von Felsen in der Fronteund tiefer, buschiger Abgründe in den Flanken gedeckten Position die Kaffern in gro-ßer Zahl zu Pferd und zu Fuß aufgestellt. Die berittenen Hottentottenjäger zogenden Hügel hinaus unter einem dichten Kugelregen, nur in der Ferne vom übrigenCorps gefolgt. Als sie auf 100 Schritte herangekommen, wurde Galopp geblasen,und die Totties (wie der englische Soldat die Hottentottenjäger nennt) stürzten sichmit Hurrah ins Gebüsch und hatten in 20 Minuten den Feind aus demselben ge-worfen und in eine Schlucht unterhalb getrieben. Hier aber verschwand der Feindwie gewöhnlich, ohne verfolgt werden zu können. Man glaubte in dem Standhaltender Kaffern eine List zu sehen, durch welche sie Zeit gewinnen wollten, ihr Vieh überden angeschwollenen Kei in Kreli's Land in Sicherheit zu bringen. Einige kamenaber an die Engländer heran und riefen ihnen zu: sie beabsichtigten nicht mehr zufechten; das Vieh sei jenseit des Kei, wenn die Umlunghi (Engländer) es habenwollten, so müßten sie es hole». Andere riefen: Wir wollen euch nicht stehen, aberin die Colonie gehen und als Wölfe wandern! ^
Nun galt es, den Häuptling Pato ausfindig zu machen, von dem man scharf
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