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Vierter Band.
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58 V Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

die fortwährenden Anschuldigungen wegen Reaction beklagte; er zweifelte, daß dasder richtige Zeitpunkt wäre von Reaction zu sprechen, wo auf Grund des freisin-nigsten Wahlgesetzes die Volksvertreter versammelt, wo eine Solidarität im weitestenUmfange zwischen der Regierung und der Versammlung eingetreten. „Denn", fuhrder Minister fort, „wenn die gegenwärtige Regierung die Garantien gegen die Reac-tion nicht darböte, was bedürfte es mehr als einer einzigen Abstimmung, um dieseHarmonie der Versammlung mit der Regierung sofort herzustellen." Dieses constitu-tionelle Auftreten machte nach allen Seiten hin den besten Eindruck, und lebhafterBeifall folgte dem Schlüsse der Rede, in dem der Minister den Wunsch ausdrückte,daß die Versammlung bald der Regierung Gelegenheit geben möchte, ihre Ansichtenauszutauschen, was am besten in einer Adresse geschehen könne.

Antrag auf Votirung einer Adresse; Benehmen des Ministeriums in dieser Angelegenheit.

Ein Antrag wegen Abfassung einer Adresse an den König war schon vonDuncker, einem der Abgeordneten für Berlin, gestellt worden. Duncker trug daraufan, daß sein Antrag sofort berathen werde, und unter dem Eindruck von Camphau-sen's Worten beschloß die Majorität, sofort zur Debatte zu schreiten. Duncker ent-wickelte nun seinen Antrag: er berief sich auf den Brauch in andern constitutionellenLändern, auf die Spannung im Volke, zu erfahren, wie seine Vertreter ihre Auf-gabe auffaßten. Man müsse dem Ministerium Gelegenheit geben, sich über seinebisherige Verwaltung zu rechtfertigen. Endlich sei die Adresse nothwendig, damitdie Volksvertreter sich unter sich kennen lernen, und der Kampf der Parteien öffent-lich geführt werde. Die Linke war gegen die Adresse. Ein Mitglied wandte ein,Adressen seien nur Höflichkeitssormeln; über Berathung derselben gehe überdies Zeitverloren, die beste Adresse sei die That, man möge zur That schreiten. Hiergegenerhob sich der Finanzminister Hansemann: eine Adresse, warf er ein, sei eine That.Die Regierung könne sich nur stärken, wenn die wesentlichen Fragen zu einer Ent-scheidung durch die Majorität gebracht würden. „Es muß aufhören mit diesen ver-dächtigenden Gerüchten der Reaction, oder es muß sich herausstellen, daß das Mini-rium schuldig und daß die ihm aufgebürdete Tendenz der Reaction, wogegen ich michmit Entrüstung erhebe, nicht Verleumdung sei. Schon vorher ist Ihnen gesagt wor-den, wie ein einziges Votum von Ihnen uns von unsern Bänken entfernen könne;Sie haben also- dafür zu sorgen, daß das Ministerium in Übereinstimmung mit denGrundsätzen der Majorität sich befinde. Deshalb ist die Adresse eine That, und es istnöthig, daß diese That bald geschehe." Von der Linken verlangten noch Mehre dasWort, während die Rechte die Abstimmung foderte. „Die Majorität tyrannisirtuns", rief man von der Linken, und das Ministerium selbst verlangte, daß seinenGegnern das Wort gegeben würde. Berends, Abgeordneter von Berlin, nahm nundas Wort: er wolle dem Antragsteller in allen seinen Motiven folgen. Auf denconstitutionellen Gebrauch könne man sich nicht berufen, die Versammlung sei keineKammer, sondern eine constituirende Versammlung. Das Volk harre und warte,aber nicht auf eine Adresse, sondern auf eine Verfassung. Ebenso wenig könne dieAdresse genügen, um Meinungsverschiedenheiten zwischen der Versammlung und demMinisterium zu entscheiden, dazu seien nur die Gesetzvorlagen geeignet; in der AdresseWerde man doch nur doctrinair sprechen und einen theoretischen Kampf über Principieneingehen, den man aus praktischem Gebiete nicht durchführen könne: man solle alsoan die Berathung der Gesetze gehen. Die Opposition der Linken gegen die Adressewar durchaus »»gegründet: Gesetze lagen noch nicht vor, man hatte also Zeit, eineAdresse zu berathen und damit den Wunsch der Regierung zu erfüllen. Das Mi-nisterium konnte auch ganz ruhig der Majorität vertrauen, die für die Adresse war.

Der Finanzminister gab aber der Debatte plötzlich eine Wendung, welche sie vonHaus aus gar nicht hatte. Camphausen hatte den Wunsch ausgesprochen, daß dieVersammlung durch eine Adresse dem Ministerium Gelegenheit geben möchte, sich überseine Grundsätze auszusprechen, er hatte ausdrücklich erklärt, er spreche einen Wunsch,