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Vierter Band.
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Preußen zur Zeit seiner Nationalversammlung.

Parlament in Berlin abgehalten, welches die Interessen des Grundbesitzes wahrensollte. An einigen Orten versammelte sich der Kreisadel zu ungesetzlichen Commu-pallandtagen, protestirte gegen Beschlüsse der Nationalversammlung, und bestritt derenCvmpetenz, ohne die Einwilligung des Adels die ständischen Rechte abzuschaffen u. s. w.

Dieser Partei entgegengesetzt stand die radicale Demokratie. Nach ihren Prin-cipien — von den üblen Absichten einzelner Führer ganz zu schweigen — sollte derStaat in lauter Atome zerfallen. Der Bürger konnte nichts weiter thun, als denLanzen Tag den öffentlichen Angelegenheiten obliegen. Jeder, der nur den Scheineiner starken Regierung retten wollte, war ein Antidemokrat, ein Feind der Freiheit.Die Führer dieser Partei ließen das Volk auch nicht zur Ruhe kommen: in Clubsund Volksversammlungen wurde die Erbitterung des Volks stets neu angefacht, dieGegner dieser Doctrinen dem Hasse der Massen bezeichnet. Natürlich arbeitete diePartei ihren Antipoden, den Reackionairen, in die Hände. Die Reaction frohlocktestber jeden Exceß: sie sah voraus, daß sie die Früchte ernten würde. Zwischen Bei-den stand die dritte, zahlreichste Parkei. Sie umschloß die wirkliche politische Intelligenzder Nation.» Alle, die den neuen freiern Zuständen aufrichtig zugethan, die von unei-gennützigem, aufopferndem Patriotismus beseelt waren, die die Dynastie aus Überzeugungoder Interesse gegen Stürme sichern wollten, die aber auch die Herrschaft der unver-ständigen rohen Menge nicht dulden mochten: Diese schlössen sich der bezeichnetenPartei an. Sie hatte in der Nationalversammlung die Majorität; auf sie mußtesich das Ministerium stützen, wenn es die Klippen der Reaction und der Demagogieumschiffen wollte. Wir haben erklärt, wie das Ministerium nichts that, um einewechselseitige Verbindung lnit dieser Majorität zu unterhalten; wie es ihr oft einVotum abzubringen suchte, welches es ohnehin'hätte erlangen können; wie es durchseine schwankende Politik, die dem Nadicalismus nachstellte und die Reaction gewäh-ren ließ, die Reihen der äußersten Linken vermehrte. Was mußte erst geschehen,wenn sich das Ministerium mit den Centren in Opposition zu setzen begann! DieseCentren hatten den gerechtesten Grund zum Mißtrauen gegen ein Ministerium, dasstets neue Garantien gegen die Überstürzungsplane ^der Demokratie verlangte undso gar keine Garantien gegen die Reaction gab.

Der Streit über den von der Versammlung verlangten ministeriellen Erlaß an die Armee;der Rücktritt des Ministeriums Auerswald-Hansemann.

Das Mißtrauen der Majorität sollte sich alsbald auf entscheidende Weise kund-geben. Wir haben weiter oben erwähnt, wie die Versammlung am 9. Aug. denAntrag Stein's angenommen hatte, das Kriegsministerium aufzufodern, einen war-nenden Erlaß an die Offiziere der Armee zu richten. Niemand verhehlte sich, daßin der bezeichneten Art, namentlich mit dem Schulischen Amendement, der Beschlußnicht ausgeführt werden konnte, und wol nur sehr wenige Mitglieder der äußerstenLinken mochten so weit gehen, eine buchstäbliche Ausführung zu verlangen. Eingeeigneter Schritt wurde aber erwartet, umsomehr, da das Ministerium sich demAntrage nicht widersetzt, ja nicht einmal das Wort darüber genommen hatte; nurder Kriegsminister hatte gesagt, daß Erlasse weniger geeignet sein dürften, den, ge-wünschten Zweck zu erreichen, als eingreifendes Verfahren der Vorgesetzten: im Übri-gen sprach er weder für noch gegen den Antrag. So vergingen vier Wochen, ohnedaß man wußte, was in Ausführung jenes Beschlusses geschehen war. Die Linkefing an unruhig zu werden und beschloß das Ministerium zu interpellircn. Da gingendlich in der Sitzung vom Sept. ein darauf bezügliches Schreiben des Staats-ministeriums ein. Der Minister, hieß es darin, habe während seiner Amtsführunganticonstitutionelle Gedanken niemals aufkommen lassen; die Armee habe sich aberauch, mit wenigen Ausnahmen, in keiner Richtung von ihrer Pflicht abwendig ma-chen lassen. Die Befehlshaber seien durch geeignete Erlasse auf ihre Pflicht auf-merksam gemacht worden, auch ihrerseits jedem Bestreben entgegenzutreten, durchwelches, sei es in reattionairem oder republikanischem Sinne, das Princip der con-