Karl G schlaff. 641.
anderer Seite her wissen, in Folge des für China so nachtheiligen Friedens zu Nan-king bedeutend erhöht.
Auch die Darstellung der Verhältnisse der westlichen Staaten ist nicht ohneInteresse; ja es könnte in mancher Beziehung heilsam und lehrreich sein, zu verneh-men, wie man im äußersten Osten der Erde während der vorma'rzlichen Zeiten vonuns gesprochen, in welcher Weise die öffentliche Stimme des Westens im Mittelreichlhren freien Widerhall gefunden hat. Es ist dies eine Art Nachwelt, die zu unsredet, wo die Entfernung des Raums die der Zeit vertritt. Man wird es wol beieinem Missionar verzeihlich finden, daß seine Ansicht über Länder- und Völkerver-hältmffc hier und da durch das Prisma religiöser Vorurtheilc getrübt sind. Trittdoch dem aufmerksamen, unbefangenen Beobachter in dieser Beziehung sowol im Lebenwie in Schriften eine häufig unglaubliche Beschränktheit entgegen! So schildert unsHerr Eugen Bore, ein gelehrter katholischer Missionar des allerneuestcu Frankreich,in einem Werke „Denkwürdigkeiten eines Reisenden im Morgenlande" überschrieben,unser deutsches Vaterland während der frühern Jahrhunderte — ich weiß nicht, ober die Zeiten des großen Interregnums, der Herrscher des böhmisch-luxemburgischenHauses oder die lange Regierung Kaiser Friedrich's III. im Sinne hatte — mit denprächtigsten Farben. Alle diese Kraft und Herrlichkeit sei aber mit dem Auftretendes Protestantismus plötzlich verschwunden. Deutschland sei paralysirt. Man mögees deshalb auch Gützlaff nicht zu hoch anrechnen, wenn die protestantischen Staa-ten in seinen Augen mehr Gnade finden als die katholischen, wenn Östreich undBaiern nicht zum besten wegkommen, von Würtemberg hingegen mit wahrer Begei-sterung gesprochen wird. „Das Volk", sagt er in Bezug auf Letzteres, „betet zuGott mit innigem Herzen, verehrt unsern Erlöser, den Herrn Jesus, und widmet,sich mit großem Eifer den Wissenschaften."
Gützlaff selbst hat vor einigen Jahren einem seiner zahlreichen Freunde in Deutsch-land eine Übersicht seiner Schriften mitgetheilt, die wir wörtlich folgen lassen. „ImHolländischen", berichtet er, „schrieb ich: eine Geschichte der Mission und das Lebenberühmter Missionare; dann einen Aufruf zur Unterstützung des Misfion^werks. ImDeutschen: Skizzen über die kleinen Propheten. Im Lateinischen: das Leben unsersErlösers. Im Englischen: Zlrstobss ok tltnnoss Iiistor^; llluna oponsll; Ulks okLsng'as; ebenso eine ganze Menge von Aufsätzen über Religion und Geschichte, „überPhilosophie, Literatur und Verfassung der Chinesen. Im Siamesischen: die Über-setzung des Neuen Testaments, der Psalmen, des Lebens unsers Erlösers und derbiblischen Geschichte. Im Laosischen: die Übersetzung des Neuen Testaments. Inder Sprache Kambodjas ebenfalls die Übersetzung des Neuen Testaments nebst denPsalmen. Ferner: Lnglisti - 8isms8ö üiotiouar^, Lnglislr - Lambollisn llioüonar/und LnZIisIr-Usos äiotiousr^. Diese Arbeiten ließ ich meinen Nachfolgern zur Ver-vollkommnung zurück; sie haben aber in diesen Wörterbüchern, das Siamesische ab-gerechnet, nichts nachgetragen. Im Cochinchinefischen: Lomplets cliotionsr^ Loobiu-«Iüne8s-Lnz!islr suä Luglisli-tloolunolüiisss. Dieses Werk ist nicht gedruckt wor-den. Im Chinesischen: 40 Tractate mit Einschluß dreier Ausgaben des Lebens un-sers Erlösers; die Übersetzung des Neuen Testaments^ wovon ich die dritte Ausgabebesorgt habe. Von der Übersetzung des Alten Testaments find die Propheten unddie zwei ersten Bücher Moses vollendet. Dann schrieb ich noch in'dieser Sprachedie wissenschaftliche Chinesische Monatsschrift; eine Geschichte Englands; eine Geschichteder Juden; eine allgemeine Weltgeschichte und Erdbeschreibung; über den Handel;eine kurze Darstellung des englischen „Reichs und seiner Bewohner, sowie mehrekleine Sachen. Im Japanischen: die Übersetzung des Neuen Testaments, des erstenBuchs Moses, zweier Tractate, und einige wissenschaftliche Broschüren. Die einzigeZeitung, der ich jetzt Beiträge zusende, ist die «Hongkong-Gazette», wo ich diechinesische Abtheilung ganz übernommen habe. Bis zum Jahre 1842 schrieb ich fürLas Chinesische Archiv."
Die Gegenwart, IV. 44