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Karl GüHlaff.
wartet hatte. Man begnügte sich und muß sich zum großen Theil noch jetzt mit denAngaben des bändereichen Slaatshandbuchs des Mittelreichs vom Jahre 1818 be-gnügen, welche schon längst durch mehre Mittheilungen und namentlich durch einenAufsatz in dem ersten Bande der „Zeitschrift für die Kunde des Morgenlandes"allen Geographen und Statistikern des Westens zugänglich gemacht wurden. Be-denkt man, daß dies selbst in unserm wissenschaftlichen Europa mit vielen neuernWerken über Länder- und Völkerkunde der Fall ist, daß auch sie damit zufriedensind, den alten Stoff in neue Formen umzugießen, so wird man sich über diesenStillstand bei dem festgewurzelten Bewohner der Blume der Mitte und seiner jedemFortschritt feindlichen Regierung nicht verwundern. Dem Ostasiaten würde man aberkaum ein anderes Werk überreichen können, welches für ihn so viele neue ThatsachenUnd Ansichten enthielte, wie diese statistisch-geographische Beschreibung aller Reicheauf Erden. Wird dieses Buch in den Ländern des chinesischen Cultursystems nichtblos verbreitet, was sicherlich geschieht, sondern auch mit Aufmerksamkeit gelesen undbeherzigt, so muß hierdurch im Lause der Zeit eine vollkommene Umgestaltung in dengeographischen und historischen Kenntnissen, in der Denk- und Fühlweise der Jüngerdes Kongtse und Mengtse bewirkt werden. Mit welch einem beschämenden Erstau-nen wird der nicht ganz verdumpfte Sohn der Han die Kunde so vieler großer Völ-ker hören und ihre außerordentlichen Thaten vernehmen, wovon in seinen unermeß-lichen Bücherschätzen keine Erwähnung geschieht, wovon seine wiederkäuenden Scho-lastiker aller Jahrhunderte auch nicht einmal eine Ahnung hatten.
Diese Länder- und Völkerkunde gibt in der That ein rühmliches Zeugniß vonden vielen Kenntnissen und der großen Einsicht des Verfassers; sie ist überdies ineinem so leichten, fließenden Stile geschrieben, daß sie auch der geringste Chinese,Wenn er nur einige Schulbildung genossen hat, wird verstehen können. Die Vor-rede, in den bekannten abgekürzten und gewundenen Charakteren geschrieben, daherdie Grasschrist genannt — eine gelehrte Spielerei, welche nicht verdiente, nachgeahmtzu werden — wird er freilich überschlagen müssen. Bekannten doch gelehrte chine-sische Sprhchmeister zu Kanton ihre Unwissenheit in diesen scholastischen Pedanterien,Welche die ohnedies so schwierige chinesische Schriftsprache noch schwieriger machen.Das Werk beginnt mit einer Geschichte der Schöpfung, der Sündflut und demUntergänge der Welt, worauf dann einige Vorbegriffe der mathematischen und phy-sikalischen Erdkunde folgen. Die Bevölkerung der 18 Kreise Chinas wird auf 360Millionen angegeben, sodaß man, die Bewohner der unterworfenen und zinsbarenLänder hinzugefügt, mit Grund annehmen könnte, der Himmelssohn zu Peking be-herrsche ein gutes Drittel des lebenden Geschlechts. Von den 142 Millionen eng-lischer Acres angebauten Landes, innerhalb der 18 Kreise, wird an jährlicher Grund-steuer theils in Geld, theils in Naturalien über 550 Millionen Gulden unsers Geldeserhoben. Kommen hierzu noch die Zölle, die Salz- und Gewerbsteuer, die Stempel-obgaben, dann die Erträgnisse der Standcserhöhungen und Monopole, wie von derbekannten Pflanze Schinseng, der Bergwerke, der Staatsdomainen und Confiscatio-nen, sowie die Abgaben der unter China stehenden Tungusen, Mongolen, Türken,Koreaner, Tibetaner und der zahlreichen Inselbewohner, so kann man ohne Über-treibung die jährliche Einnahme der chinesischen Regierung auf 1000 Millionen Gul-den annehmen — das größte Budget irgend eines Reichs der Weltgeschichte, wennsuch im östlichen Asien die edeln Metalle nicht bedeutend theurer wären als in un-serm Abendlande. Eine ganze chinesische Familie von 10 —12 Köpfen lebt nämlichdie Woche bequem, wenigstens in den mittlern Kreisen des Reichs, mit drei Guldenunsers leichten Geldes. Man wird sich jetzt nicht mehr darüber wundern, daß Chinaim Stande war, die ihm auferlegte Kriegssteuer noch vor dem Ablauf der Zahlungs-fristen abzutragen, und daß der Staat, obgleich seit mehren Jahren so bedeutendeRückstände an Steuern stattfinden, sein Finanzwesen ohne Anleihen und Papiergeldin Ordnung erhalten konnte. Freilich wurden auch die Abgaben, wie wir von