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Die Physiologie des Menschen.
vorziehen. Jedenfalls wird auch durch die chemische Untersuchung soviel festgestellt,daß besonders der Kaffee kein Luxusartikel, sondern ein nothwendiges Lebensbedürs-niß, namentlich auch für die armem Volksclassen ist, welchen er bei der an Protein-substanzen so ungemein armen Kartoffelnahrung wirklich in gewisser Beziehung dasFleisch ersetzt. Es ist kein beschränkterer Standpunkt denkbar als der jener Staats-okonomcn, die durch erhöhte Zölle den Satz festzuhalten suchen, daß der Kaffee einLuxusarükel sei, während er für unsere übervölkerten Länder gerade ein unentbehr-liches Surrogat der Fleischnahrung bildet, zu deren ausreichender Production dieMittel vollkommen abgehen. Auf die übrigen pflanzlichen Nahrungsstoffe, welche inausgezeichneter Weise vielfach untersucht wurden, hier einzugehen, dürfte zu weit füh-ren, da bei ihnen allen dieselben Bedingungen des Gebrauchs, nämlich einerseitsReichthum an Stärkemehl und Fett, andererseits an eiweißartigen Substanzen, vor-handen sind. Jedenfalls wirkt die pflanzliche Nahrung in anderer Weise auf denMenschen als die thierische, und derselbe psychische Zustand, welcher in so entgegen-gesetzter Weise uns in den Pflanzenfressern und Fleischfressern der Thierwelt vor dieAugen tritt, wiederholt sich in der menschlichen Gesellschaft, wenn auch in wenigerausgesprochenem Grade. Vorwiegende Fleischnahrung bedingt besonders die Entwicke-lung des individuellen Freihcitsgefühls, während überwiegende Pflanzennahrung ver-dummt und knechtisch macht. Die Ersetzung des Fleisches in der Nahrung einesVolks durch Pflanzennahrung, besonders durch Kartoffeln, ist das sicherste Mittelzur Demoralisation und Knechtung desselben, weshalb auch die Verarmung, wenn siesoweit gediehen ist, daß sie die Nahrungsweise des Volks gänzlich umändert, diedauerndste Grundlage des Absolutismus bildet.
Man hat sich vielfach damit beschäftigt, die Werthe der zusammengesetzten Nah-rungsmittel für die Ernährung des Menschen, wenn auch nur in annähernder Weise,zu bestimmen. Jedenfalls ist diese Bestimmung schon deshalb von der äußerstenWichtigkeit, weil sie in die Verpflegung großer Menschenmaffen, ganzer Völker beiZeiten des Mangels, der Heere auf dem Marsche und in so manche andere Fragender Sustentation auf das tiefste eingreift. Wollte man z. B. einem Heere Proviantzuführen, so würde es mehr als den dreizehnfachen Transport kosten, wenn man dieselbeQuantität Nahrungsstoffe, statt in Mehl, ihm in Kartoffeln nachfühlte >— ein Unter-schied, der gewiß bedeutend genug ist. Man hat sich bemüht, Ernährungs.scalen überdie verschiedenen Nahrungsmittel aufzustellkn, und dazu theils den Weg des Versuchsan Thieren, theils den der chemischen Analyse gewählt. Beide Wege müssen sichwechselseitig ergänzen, da die chemische Analyse uns wol über die Menge der in derNahrung enthaltenen Stoffe, nicht aber über die mehr oder minder große Schwierig-keit der Auflösung derselben in den Verdauungsorganen Rechenschaft gibt, währendFütterungsversuche bei Thieren, wenn sie auch mit aller Präcision angestellt werden,nicht mit Sicherheit schließen lassen, ob alle Formbestandtheile des Organismus glei-cherweise bei der Ernährung betheiligt sind, oder ob der Ernährungsproceß mehr die-sen oder jenen Formbestandtheil betrifft.
Durch directe Versuche hat man gefunden, daß Erbsen von allen gewöhnlichenPflanzenstoffen die nährendsten sind, und daß 90 Pfund Erbsen z. B. entsprechen:94 Pfund Bohnen und Weizen, 97 Pfund Roggen, 100 Pfund Gerste, 108 PfundWälschkorn, 112 Pfund Hafer, 123 Pfund Buchweizen, 430 Pfund Kartoffeln,800 Pfund MLhren, 590 Pfund gelbe Rüben und 1000 Pfund Kohlrüben, sodaßalso im Ganzen die Kohlrüben eine mehr als zehnfach geringere nährende Kraft haben.
In chemischer Hinsicht kann man zweierlei Arten von Ernährungsscalen auf-stellen, jenachdem man entweder die blutbereitenden Bestandtheile, oder das we-sentlichste Kohlenhydrat, die Stärke, berücksichtigt. Was die Proteinsubstanzen infrischem Zustande betrifft, so stellt sich etwa folgende Scala heraus, wobei jedoch dermehr oder minder wechselnde Wassergehalt in Betracht gezogen werden muß. Amhöchsten steht der Käse, der 60—70 °/> Proteinsubstanzen enthält; hierauf folgen inabnehmender Ordnung: Linsen, Erbsen, Bohnen, ganze Eier, Eigelb, Fleisch, Eiweiß,