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Vierter Band.
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754 Die Revolution in Benedig.

sowie aus Studenten und Künstlern, welche sämmtlich mit wahrem Löwen-muth kämpften. Das furchtbare Feuer dauerte bis in die Nacht, ohne die mindesteUnterbrechung. Als diese ungewöhnlich finstere Nacht hereinbrach, gestaltete sich dasSchauspiel des KampfeS in der That schrecklich schön. Von allen Seiten leuchtetenlödtliche Blitze, begleitet von brüllendem Donner, bald einzeln, bald in langer LinieauS ganzen Batterien, und dazwischen dröhnten die gewaltigen Paixhans von Camp-alto schrecklich herüber, sodaß die Fenster wie bei einem Erdbeben zitterten. Infeurigem Bogen flogen gleich glühenden Ballons die Bomben; gleich Kometen mitlangem Feuerschweife zischten die Brandraketen. Hier und da stieg eine Leuchtkugelauf, die wie ein Heller Stern mit blendendem Strahlenkränze hoch in den Lüftenschwebte und taghell den weiten Plan erleuchtete. Im Silberglanze spiegelte sich danndie ebene Fläche der ruhigen Lagune, aus der all die Riesenbauten der Befestigungs-und Bclagerungsarbeitc» gleich gespenstigen Gestalten emporstiegen. Zm Momentals das Licht erlosch — abermals tiefes Dunkel, nur zerrissen durch glühendrotheBlitze. So dauerte der Kampf fort, ohne auch nur eine Minute zu rasten, bis dieMorgeiiröthe das nächtliche Schauspiel in eine Tagestragödie verwandelte. *)

Im Innern der Stadt blieb es den Tag und die Nacht über vollkommen ruhig.Des starken Südostwinds wegen konnten nur die Schüsse aus den groben Geschützenauf dem Marcusplatze gehört werden. Man verkaufte während der Katastrophe un-ausgesetzt eine Menge nichtofstcieller Bulletins, die den Stand der Dinge auf Mar-ghera immer noch hoffnungsreich und stolz ausmalten. In den ersten 24 Stundendieses großen Bombardements wurden nur etwa 100 Verwundete und 28—30 Todteangegeben. Selbst das am Abende des zweiten Tags erschienene officielle Bulletinschmeichelte dem Volke mit der sichersten Aussicht auf ein „ruhmvolles Ende" diesesVerzweiflungskampfes. Ernste, niedergeschlagene oder verstörte Gesichter, vermengtmit frohlockendem Pöbel, waren an allen Straßenecken vor den angeklebten Bulle-tins zu sehen.

Nachdem anch am 23. Mai und in der darauf folgenden Nacht das Feuer ohnedie geringste Unterbrechung gedauert hatte, gab man sich der Hoffnung hin, daßvielleicht nach 48stündigem Bombardement, also am 26. des Morgens, dieses endendürfte. Als sich jedoch dies nicht bewährte, begann die Verzweiflung in der Stadtüberhandzunehmen. Hatten doch die meisten Familien irgend einen Angehörigen aufMarghera. Zudem verbreitete sich das Gerücht, „der Commandant von Marghera,Oberst Ulloa, ein Neapolitaner spanischen Ursprungs, habe an die Regierung dieFrage gerichtet, ob sie das Decret vom 2. Apr., «Widerstehen um jeden Preis»,ausgeführt wissen wolle? Für diesen Fall würde die Festung sammt der Mannschaftin die Luft gesprengt werden." Diese heroische Erklärung Ulloa's hatte eine geheimeSitzung bei Manin zur Folge, in welcher beschlossen wurde: „das Decret müsse nurdann in Wirksamkeit erhalten werden, wenn es sich um unmittelbare Vertheidigungder Stadt handele. Vorderhand aber dürfe ein geschickter Rückzug von Margherafür die Lage Venedigs nur Vortheilhast sein." Der Entschluß, Widerstand um jedenPreis, mußte also Modifikationen erleiden, weil er ein Resultat künstlicher Hitze, aberwicht kalter und vernünftiger Überlegung war.

Um 4 Uhr am Nachmittage des 26. Mai, also nach 60stündigem Bombarde-ment, erschien ein officielles Bulletin, unterfertigt vom,Oberst Ulloa, vom Oberst desGeneralstabs Seismik-Doda, und vom Generalsecretair der provisorischen RegierungZennari, zugleich Privatsecretair Manin's. Dieses stellte den wahrhaft bedauerns-würdigen Stand in seiner nackten Wirklichkeit dar: „Ein bedeutender Theil Kanonensind demontirt; die Pulverkammern, die stets für bombenfest gehalten wurden, sind

*) Bei der Darstellung des Kriegs in Italien, wozu uns schon der Artikel „Radehky" Ge-legenheit geben muß, werden wir auch die Operationen vor Benedig näher besprechen.

D. Red.