Band 
Fünfter Band.
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24 Ungarn vor der Marzrevolutiori.

Wirken auf den Sturz Kossuth's gerichtet, dem er schonunglos und mit aristokrati-schem Stolz entgegentrat. Aber die Zeit Szechenyi's war vorüber, und Kofsuth blieb trotzdieser Angriffe der Mann des Tages. Dem Programm der Opposition sehte Sze'che-riyi ein eigenes Buch: „?oUtiKai proLramln-toreclekek" (Politische Programm-Frag-mente) entgegen, in welchem Kossuth und die Opposition mit außerordentlicher Grob-heit durchgehechelt wurden. Und als Kossuth dessenungeachtet 1847 ins Unterhaus ge-wählt ward, ließ sich der hochtorystische Sze'chenyi, der als Magnat Sitz und Stimmeim Oberhause hatte, dazu herab, sich um eine Stelle im Unterhause zu bewerben,um daselbst Kossuth's Einfluß zu paralysircn. Er wurde von Wicselburg gewählt 5aber seine kalte Logik und sein beißender Witz mußten auch hier vor Kossuth's be-geisternder und hinreißender Sprache die Waffen strecken. Szechenyi's Anhang er-schien groß, wenn er auf dem Gebiete der materiellen Interessen wirkte; denn dazählte er fast die ganze Nation zu seinen Anhängern. Aber seine politische Parteibelief sich an Zahl nicht hoch. Den Magyaren war er zu wenig liberal, der östrei-chischen Partei hingegen zu viel Ungar. Darum blieb auch der Einfluß und die Be-theiligung seiner Partei an der politischen und geistigen Entfaltung des Landes vonuntergeordneter Bedeutung. Sein zeitschriftliches Organ war der „lelenkor" (Gegen-wart), ein altes, von dem Akademiker Helmeczy redigirtes Blatt.

Der Parteikampf seit 1840 bis zum Reichstage von 1847.

Der parlamentarische Kampf zwischen der conservativen und liberalen Parteitrat zum ersten mal aus dem Reichstage von 1840 offen hervor. Die Regierunghatte alle Hebel in Bewegung gesetzt, um bei den Deputirtenwahlen ihre CandidatenLurchzubringen; aber ohne großen Erfolg. Die Opposition war in bedeutender Ma-jorität. Die königlichen Propositionen verlangten: Recruten, Geld und, um auch dieSorgfalt Sr. Majestät für die „Landesangelegenheiten" zu beweisen, die Regulirungder Donau. Von den wichtigen, seit Jahren angestrebten Reformen der nationalenPartei verlautete keine Sylbe. Zu dieser Unterlassungssünde der Regierung fügte dieconservative Partei noch eine größere positive Sünde hinzu. Sie wollte die libera-len Gesetze, die auf den letzten Reichstagen zustandegekommen, besonders das von1836, welches das Loos der Bauern den Grundherren gegenüber bedeutend verbes-serte, noch ein mal verhandelt, respective aufgehoben wissen. Aber die Opposition warstark genug, sich den Sieg zu bewahren. Sie behauptete nicht nur die frühern Ge-setze, sondern suchte sie noch durch neue liberale Artikel zu erweitern. Die Beschlüssedes Reichstags sielen durchweg im liberalen Sinne aus. Der Art. 7 dieser Beschlüsseertheilte den Bauern das Recht, ihre Erzeugnisse ohne Steuern zu verhandeln. DieComitate wurden verpflichtet darüber zu wachen, daß die zwischen den Bauern undden Grundherren abgeschlossenen Verträge von Letztem nicht willkürlich aufgehobenoder verletzt würden. Art. 8 regelte die Nachfolge und Erbschaft der Bauern.Art. 21 hob die bisherige Unverletzlichkeit des Edelmanns als Schuldner auf, undstellte ihn und sein Vermögen dem Gläubiger gegenüber unter das allgemeine Gesetz.Art. 29 eröffnete den Weg zur vollständigen Emancipation der Juden. Der Reichs-tag ging am 13. Mai 1840 auseinander; am 18. Mai 1843 trat er wieder inPreßburg zusammen.

Die Regierung hatte freilich jene Niederlage nicht erwartet. Indessen, sie schriebdieselbe der Ungeübtheit ihrer auch noch nicht gehörig organisirten Partei zu. Siebenutzte nun die dreijährige Zwischenfrist, um ihre Anhänger zu vermehren, sie durchAmterverleihung enger ansichzukettcn, und ihren Einfluß im Lande zu vergrößern.Trotzdem gingen bei den Wahlen zum Reichstage von 1843 aus der Wahlurne mehrliberale als conservative Deputirte hervor. Da saß abermals der glühend patriotischeSzemere, der schon oftgewa'hlte Deputirte von Vorschob. An seiner Seite befand sichder zweite Deputirte dieses wackern Comitats, der Greis mit jugendlicher Seele, deralte Palöczy, die lebendige Parlamentschronik Ungarns, ein Mann, welcher seit demBeginn dieses Jahrhunderts fast an allen Verhandlungen theilgenommen hat, und