Ungarn vor der Märzrevolution»
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bir Municlpalverfassung der Comitate gewesen. An diesen Stein stieß die Regierungjedesmal; ja sie fand daran oft ein unübcrsteigliches Hinderniß, wenn sie sich bereitsam Ziel wähnte. Hatte sie auf dem Reichstage durch Gewalt und List gesiegt undBeschlüsse durchgesetzt, welche für das Wohl des Landes nachtheilig waren: die Co-mitate vollzogen sie nicht, und aller Gewinn zerrann in nichts. Wollte sie mittelsOrdonnanzen regieren: die Comitate legten sie als constitutionswidrig sä sots oder^ mit Protest zurück, und wußten auch — wo es nöthig war — G-waltmit Gewalt abzutreiben. Auch waren in neuerer Zeit die ComitatvcrsammlungenAr eigentliche Wirkungskreis der Opposition gewesen. Die Opposition benutzte dieseVersammlungen, um unter dem Volke Propaganda für ihre Ideen zu machen, undindem die Comitate einander durch Rundschreiben ihre Beschlüsse und Ansichten mit-theilten, wurden die liberalen Ideen des Einen zum Gemeingut Aller, sodaß aus denvereinzelten Bestrebungen eine geschlossene Phalanx der Regierung gegenüber erstand.Die Regierung mußte daher trachten, diese „Revolutionsherde" in ihre Gewalt zu^.bkommrn, um das Feuer derselben bei Zeiten zu ersticken. Sie fand einen sehr plau-siblen Vorwand hierzu. Die Oberleitung des Comitats liegt gesetzlich in den Hän-den des Obergespans. Es gab aber in Ungarn manchen Obergespan, der oftÄhre lang in sein Comitat kam; seine Stelle wurde alsdann von den beiden^rcegespanen versehen. Diese, vom Adel selbst gewählt, waren natürlich stets aufBrette der nationalen Partei, und so scheiterten alle Maßnahmen des wiener Cabi-nets. Aber ein altes, im Jahre 1825 erneuertes Gesetz verfügte, daß, wenn der Ober-Zespan längere Zeit von seinem Comitat entfernt sei, ein Administrator an seine Stelleernannt werden müsse. Hieran klammerte sich nun die Regierung. Sie suchte nach-zuwerfen, wie schlecht die Comitatverwaltung der Obergespane„sei; wie viele gar nichtin ihren Comitaten wohnen; wie andere mit mannichfachen Ämtern derart überhäuftwaren, daß sie ihren Obergespanfunctionen durchaus nicht genügen könnten. Die Re-glerung wollte sie daher durch Administratoren ersetzen. Das ließ sich zwar hören;aver dre eigentliche Absicht der Regierung zeigte sich bald offen genug. Die Admi-> ^ sollten nämlich nicht vom Comitat, sondern von der Regierung besoldet,dadurch natürlich von ihr allein abhängig gemacht werden. Und da diese Administra-toren allein, mit Ubergehung der Vicegespane, die politischen Angelegenheiten verwal-ten sollten, so mußten diese allmälig ganz in die Hände der Regierung fallen.
- Die Nation erkannte sehr richtig die Tragweite dieses Vorhabens, und ein Schreider l-nttustung erhob sich in allen Comitaten gegen diesen Kunstgriff des Absolutis-mus. Am klarsten ward das Verhältniß in einer Rede auseinandergesetzt, welche^ Pesther Comitatssitzung über diesen Gegenstand hielt, und aus der^ emrge charakteristische Stellen mittheilen. „Es gibt Dinge", sagte der Red-ner, „die nur darum geschehe, können, weil man sie nicht beim wahren Namennermt. Ich trage daher kern Bedenken, diese Politik in Wien, die weder ungarischnoch constitutionell ist, „Kreishauptmannsystem" zu nennen; denn sie ist zu östrei-chisch und zu absolutistisch, als daß ich im ungarischen Wörtcrbnch einen Ausdruck^r sie fände. Diese Benennung, ehrenwerthe Stände, erinnert Sie, daß dasselbeSystem schon einmal in unserm Lande versucht wurde; und durch Wen? Durchgroßen Fürsten, der die Nation im tiefen Schlummer und den Adel von derHosatmospAre betäubt fand. Gelang es damals? Weit entfernt! Es zerstörte viel-meyr das Gute, welches dieser große König hätte vollbringen können. Gott sei Dank,wrr sind heute erwacht! Wir waren wach während eines Vierteljahrhundcrts vollLnege, um dem Konig Opfer zu bringen, nur von unserer Treue beseelt. Wir wach-en, w;r wuchsen in der Periode des Friedens, die auf jene folgte. Wir sind heuteMänner geworden. Bleiben wir also standhaft und das „Kreishauptmannsystem".Emals fallen, wie es schon einmal fiel.... Bisher war der Obergespan ein^ entragcr des Landes. Der Administrator, welcher ihn ersetzte, war ein vommrtat erwählter und bezahlter Comitatsbeamter. Jetzt will man aus ihm eine^err von französischem Präfecten machen, mit dem einzigen aber bedeutenden Unter-