Band 
Fünfter Band.
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Frankreich und Paris nach der Februarrevolution.

welches das Stadthaus von ebener Erde bis Unters Dach anfüllte, drei verschiedeneMittelpunkte revolutionairer Plane und Umtriebe. Der eine am Ende des nördlichenFlügels, wo die provisorische Regierung bei verrammelten und verriegelten Thürenberathschlagte und ihre Autorität im girondistisch-republikanischen Sinne geltendzu-machen suchte; der zweite im Thronsaal, wo eine tumultuarische Versammlung ihrenSitz aufgeschlagen; der dritte endlich im Nathssaal, am Südende des Gebäudes, woeine noch tumultuarischere Versammlung festen Fuß gefaßt hatte. Die beiden lehrernMittelpunkte revolutionairer Berathungen bestanden hauptsächlich aus Blousen- undBarrikadenmä'nnern, die da meinten, der Augenblick sei gekommen, wo es gelte, denTraum ihres ganzen geheimen Gesellschaftslebens, die jakobinische Republik von 1793,versteht sich mit communistischen Zusätzen, zu verwirklichen und eine ihrem Staats-Ldeal entsprechende Regierung einzusetzen. Die Einen wollten blos Barrikadenchefs,die Andern blos socialistische Parteihä'upter in dem Negierungspersonal zugelassenwissen. Diese bestanden darauf, die Regierung, welcher Art sie auch sein möge, sollenur im Beisein bewaffneter Volksabgeordneter berathen dürfen; Jene verlangten, daßdas Volk in Masse sich selbst regiere und auf dem Stadthause permanente Sitzunghalte, wo kein Befehl gelte, Jeder frei reden dürfe, und über alle Maßregeln mitZujauchzen abgestimmt werde. Im Thronsaal, wo das commnnistische Element die Ober»Hand hatte, wurde darauf angetragen, die schwarze Fahne als Trauerflagge des lei-denden Proletariats auszuhängen; im Rathszimmer dagegen, wo die Anhänger derterroristisch-socialistischen Schule das große Wort führten, schlug man vor, die rotheFahne als Reichsbanner der neuen jakobinischen Republik auszurollen.

Der Hauptschauplatz und Tummelplatz des Conflicts zwischen den drei regierungs-lustigen Revolutionsmä'chten, die um das schöne Frankreich stritten, war der obersteAbsatz der großen Aufgangstreppe, womit der Demagogenclub des Thronsaals in di-recter Verbindung stand, während die provisorische Regierung vermittels des Lalle<1es riui88i6r5, und die Rathssaalgesellschaft mittels eines Corridors darauf zulief. Dieda zusammenstrudelnden Massen erregten ein gewaltiges Brausen und bildeten anjener Stelle allerlei Ringe, Kreise und Strömungen, sodaß die Menge wie im Wir-bel sich um sich selbst zu drehen schien. Ingrimmiges Geschrei, mit Jubelruf ver-mischt, stieg tausendfach gegen das Gewölbe der Decke und hallte furchtbar zwischenden Wänden der langen Gänge; Trommelwirbel und Flintensalven schallten von denHöfen und vom Platze her dazwischen. Eine Explosion schien bevorzustehen. MehreFreunde der provisorischen Regierung, populaire Journalisten von altem republikani-schen Schrot und Korn, sowie einige polytechnische Schüler, boten ihre ganze Popu-larität mit aller Geistes- und Körperkraft auf, die meuterischen Volkshaufen abzu-wehren. Auf eindringliches Zureden oder schmeichelhaftes Anreden gingen diese Hau-fen gewöhnlich auseinander, scharten sich aber wieder zusammen und durchstürmtenabermals das Haus, Thüren und Fenster einschlagend, fluchend und schimpfend aufdie provisorische Regierung, die sie absetzen und zum Tempel hinauswerfen wollten»Zu wiederholten malen erdröhnten die Thüren des Gemachs, wo diese Regierung zuRathe saß, von dem unheilverkündenden Stoß der gewaltsam andringenden Menge;,jedesmal jedoch gelang es einem oder dem andern Mitgliede, den Sturm zu be-schwichtigen. Diese ersten Stunden der Nacht glichen mehr einem Tumult als eineoBerathung. Bei jedem Lärm von außen her mußte man aufstehen, die von Kolben-stößen erbebenden Thüren zuhalten, gezückte Waffen wegdrücken, wüthende Volks-haufen anreden, beschwören, abweisen, und dann, wenn der Aufruhr gestillt, unterjauchzendem Geschrei, zermalmendem Gedränge und erdrückenden Umhalsungen wiederan den Conseiltisch zurückkehren, um Proklamationen und Decrete abzufassen, bisThüren und Wände von einem neuen Andränge erbebten, der die Regierungsmännerzu denselben Reden, Anstrengungen und Lebensgefahren abrief. Ganz besondersward Lamartine in Anspruch genommen: wiederholt legte er die Feder nieder, ummit einigen Bürgern bald hier bald dort hinzueilen, wo der Aufruhr in helle Flam-men aufzulodern drohte. Er wurde zuerst immer mit Zischen und Pfeifen, zuletzt