Band 
Fünfter Band.
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Frankreich und Paris nach der Februarrevolution. 4Z

waren bei der Nachricht von den Vorfallen in Paris die Localnotabilitäten der außer-fken Opposition auf die Präfecturen gegangen, wo sie von den bestehenden Behördenim Namen des Volks" die Zügel der Verwaltung gefedert und auch ausgeliefertErhalten hatten. Ebenso wurden allenthalben die Maires und Municipalrathe nachneuem Zuschnitt umgewandelt. Ganz Frankreich vollbrachte diese administrative Um-gestaltung so pünktlich, wie eine Armee ein Manöver ausführt, worauf sie lange ein-rxercirt worden. Um der Republik in den Departements, in den Colonien und derder Armee Anerkennung zu verschaffen, brauchte man nichts als Telegraphen und.Couriere- auch nicht eine einzige Stimme, nicht eine einzige Hand erhob sich gegendie Einsetzung der neuen Regierung.

Die neue Regierung bewies, wenigstens in Worten, einen aller Welt gefälligenund christlichem Charakter als weiland der Allerchristlichste König. Zu den Franzosensagte sie: Liebe! zu den andern Völkern: Friede! In ihrer ersten diplomatischenAnsprache an Europa hieß es unter Anderm: „Die Republik ist mit ihrem erstenSchritt über die Ära der Proskriptionen und Dictaturen hinausgekommen und festentschlossen, die Freiheit im Innern nie zu verhüllen, sowie ihr demokratisches Prin-cip im Auslande nie zu verbergen. Sie wird nicht leiden, daß zwischen der fried-lichen Ausstrahlung ihrer Freiheit und den Blicken der Völker Jemand die Handhinhält. Sie erklärt sich zur intellektuellen und herzlichen Bundesgenossin aller Rechte,aller Fortschritte, aller rechtmäßigen Jnstitutionsentwickelungen der Nationen, die mitihr nach einem Princip leben wollen. Sie hat nicht im Sinne, bei ihren Nachbarneine heimtückische oder mordbrennerische Propaganda anzuzetteln; sie weiß, daß nurdie Freiheiten dauern, welche von selbst auf heimischem Boden wachsen: aber sie strebtmittels des Schimmers ihrer Ideen, mittels des Schauspiels von Friede und Ord-nung, welches sie der Welt zu geben hofft, nach der einzigen redlichen Proselyten-macherei, nach der Proselytenmacherei der Achtung und Sympathie. Das ist keinKrieg, sondern Natur, keine Aufreizung Europas, sondern Lebensbedingung. Dasheißt nicht die Welt in Brand stecken, sondern von seinem Platze aus am Dölker-

horizonte leuchten, um vorauszugehen und als Leitstern zu dienen. Bei ihrer

Geburt und in der Hitze eines vorn Volke nicht hervorgerufenen Streits, hat die Re-publik drei Worte ausgesprochen, die ihre Seele offenbart haben und ihrer Wiegeden Segen Gottes und der Menschen zuziehen werden: Freiheit, Gleichheit, Brüder-.schaft. Unmittelbar darauf hat sie durch Abschaffung der Todesstrafe in politischenAngelegenheiten den wahren Commentar zu diesen drei Worten in Bezug aufs In-nere gegeben; gegen das Ausland soll ihnen gleichfalls ihr wahrer Kommentar ge-ge en werden. Der Sinn dieser drei Worte, auf unsere auswärtigen Angelegenheitenangewandt, rst dieser: Loslösung Frankreichs von allen Banden, die sein Princip undseme -vurde fesselten; Wiederherstellung des Ranges, den es auf gleicher Schnurmit den europäischen Großmächten einnehmen soll; endlich Bundes- und Freund-schaftserklärung an alle Völker. Hat Frankreich das rechte Bewußtsein von seinemliberalen und culturbefördernden Beruf in der Zeit, so bedeutet keines dieser WorteKrieg. Ist Europa vernünftig und billig, so bedeutet jedes dieser Worte Friede!"

kann das Manifest Lamartine's eine diplomatische Ode nennen und inprosaischen Augenblicken darüber lächelnd die Achseln zucken; aber nicht zu leugnenlst, daß es ln einem Moment, wo alle Gemüther hochlyrisch gestimmt waren, denrechten Dithyrambenton anschlug und, trotz seines phantastischen und bombastischenInhalts, als reelles und schweres Gewicht in die politische Wagschale Europas fiel.Die Völker, die in ihrer empfindlichsten, edelsten und verwundbarsten Faser — inihrer Nationalität — sich nicht bedroht, geängstigt, angetastet sahen, jubelten der Re-volution Beifall und erklärten sich für die französischen Principien gegen ihre Regie-rungen, statt daß sie sich, wäre eine andere Sprache geführt worden, für ihre Re-gierungen gegen die französischen Principien erklärt hätten. Ohne eine Kanone anzu-spannen, ohne einen Tropfen Blut zu vergießen, ohne ein Nationalgefühl zu verletzen,ohne eine Fahne zu demüthigen, hielt die pariser Revolution ihren Einzug säst in