Frankreich und Paris nach der Februarrevolution. 79
Piergeld wollte sie nicht machen; ebenso sehr sträubte sie sich gegen eine gezwungeneAnleihe, und zu einer freiwilligen Anleihe bei der Börse hatte sie kemen Credit. Boneiner patriotischen Anleihe war wenig zu hoffen. Ehrenhalber entschloß man sich jedoch,eine solche unter dem Namen Nationalanleihe und zu dem Betrage von 100 Millionenin fünfprscentigen Renten zu Pari auszuschreiben (Decret vorn 9. März). Anfangsschien es glücken zu wollen. Drei Unterzeichnungen von bedeutenden Beitragen gin-gen darauf ein: die eine von 1,117800 Francs, die andere von 1,570000 und diedritte von 500000 Francs. Aber diese guten Beispiele des Patriotismus beruhtenauf einer Combination, wozu nicht alle Kapitalisten die Elemente in Handen hatten.Die großen Häuser, welche der provisorischen Regierung diesen unerwarteten Beistandleisteten, subscribirten blos darum, weil sie die Staatsschuldscheine (Lons rovaux),die sie im Portefeuille hatten, consolidiren wollten, und machten sich von einem spä-tern Regierungsdecret (16. März) die Clausel zuutze, welche die nicht über den15. Mai hinaus fälligen vorig ro^aux bei der Nationalanleihe als Zahlung zu-ließ. Die Meisten, die sich nicht in der Lage jener Häuser befanden, blieben taubgegen den Ausruf des Finanzministers an das Vertrauen, die Energie und Vater-landsliebe der Bürger, und die Nationalanleihe scheiterte. Ebenso wenig Erfolghatten die Decrete, welche den Finanzminister bevollmächtigten: 1) die Krondiaman-ten zu veräußern, und das aus den Tuilerien, Neuilly und andern Schlössern derCivilliste herrührende Silberzeug (mit Ausnahme der Kunstgegenstände) zu Münzeju machen (Decret vom 9. März); 2) die Grundstücke der ehemaligen Civilliste undeinen Theil der Staatswälder unter gewissen Bedingungen zu verkaufen (Decretevom 9. und 10. März). Da auch diese Maßregeln fehlschlugen, so sah sich dieRegierung genöthigt zu heroischem Auskunftsmitteln zu greisen. Erstens wurde dieFranzösische Bank aus einem Privatinstitut zu einem Staatsinstitut umgeschaffen,indem ein Regierungsdecret vom 15. März den von der Bank ausgestellten Zettelngezwungenen Umlauf gab. Zweitens erhöhte man den Gesammtbetrag der vier di-recten Steuern um 45 Centimen auf den Franc, die blos für das laufende Zahr, abersogleich erhoben werden sollten (Decret vom 16. Mär^). Die 250 Millionen, welchedie Bank gegen Versatz von Staatswaldungen vorstreckte, nebst den 190 Millionen,die man von der Steuererhöhung zu erwarten hatte, reichten hin, die am 22. Märzfälligen 75 Millionen Zinsen des Rentensemesters zu zahlen und die laufenden Staats-ausgaben zu decken. Wo aber sollten die 555 Millionen für die Zurückzahlungder Sparkasseneinlagen, und die 275 Millionen für die Einlösung der Staatsschuld-scheine (vons ro^aux) herkommen? Die Regierung beschloß hinsichtlich der Spar-kassen, nur die Einlagen von 100 Francs und darunter baar zurückzuzahlen; vonden andern Einlagen sollten nur 100 Francs baar ausgezahlt, das Übrige bis zurHälfte der eingelegten Summe in Staatsschuldscheinen auf vier Monate Sicht, undder Rest in fünfprocentigen Renten zu Pari quittirt werden. Für die Einlagenüber 1000 Francs sollten die Staatsschuldscheine sogar aus sechs Monate Sicht lau-ten (Decret vom 9. März, Rundschreiben des Finanzministers vom 12. März).Wegen der vor dem 24. Febr. ausgestellten Staatsschuldscheine wurde der Zahlungs-termin auf sechs Monate verschoben, und dafür eine Zinsenvergütung versprochen(Decret vom 16. März). Auf diese Weise schaffte man sich die furchtbar drückendeLast der schwebenden Schuld vom Halse, und machte wenigstens keinen ganzen, son-dern nur einen halben Staatsbankrott.
. Die Masse der Eigenthümer zeigte anfangs große Bereitwilligkeit, und zahlteersten patriotischen Eifer den Betrag ihres Steuerquantums für das ganze Jahr^raus. Sogar die schüchternen Capitalien fingen an, hier und da ihre blankenA>Pfe hervorzustecken, verkrochen sich aber geschwind, als die Mordreden gegen die-Oourgeoisie in den Clubs anhoben, und die terroristischen Galgenartikel gegen dieArchen in der „völormo" und im „National" erschienen, die damals gewisserma-ptn für Regierungßorgane gelten konnten. Überhaupt war es ein Zeichen des Au-genblicks und ein Beweis der Noth, daß man krankhaft von einer Stimmung zur