Der pfälzisch-badische Krieg vom Jahre 1849. 149
e'm heftiges Feuer gebracht, ging der Feind abermals zurück, gab Großsachsen
Preis, und machte erst (16. Juni) in Weinheim Halt. Auch jetzt trat für die
Aufständischen wieder der Mangel an Cavalerie und frischen Truppen zur Der-folgung des geschlagenen Feindes ein. Sie mußten sich begnügen, ihre Stellungwenigstens für den Augenblick behauptet zu haben, was um so wichtiger war, alsdie Preußen jeden Augenblick aus der Pfalz über den Rhein in ihren Nucken drin-gen konnten. Mierosiawski sah Dies wol ein. Er concentrirte deshalb, soweit Dies beiden bis aus den Tod ermüdeten Truppen (welche bereits drei mal 24 Stunden ohneRuhe und zum größten Theil ohne ausreichende Nahrung gewesen waren) ausgeführtwerden konnte, seine Macht mehr nach Manheim zu, und zwar so, daß sein linkerRlügel mit der Hauptstä'rke in Ladenburg, sein Centrum (etwa 12000 Mann) inHeidelberg mit der Vorhut in Schricsheim, und sein rechter Flügel bei Ziegelhausenstand. I. Ph. Becker hatte in Heddesbach, wie bereits angeführt, den Befehl er-
halten, sich nach Ziegelhausen zu sammeln. Die Absicht des Generals mochte kaum
eine andere sein, als den heranrückenden Groben, der nun ohne Zweifel an irgendeiner Stelle im Verein mit Peucker den Übergang über den Neckar formen würde,da zu treffen, wo er eben diesen Übergang zu bewerkstelligen beabsichtigte. Alleinbei näherer Erwägung mußte er wol erkennen, wie unzweckmäßig es ^ sein würde,wollte er in der That versuchen, dem Feinde den noch unbekannten Übergang zuwehren; denn kam der Feind nicht über den Neckar, so kam er doch über den Rhein:daran war gar nicht zu zweifeln, weil die Brücke bei Germersheim ihm offen stand.Auch würde Mierosiawski auf lange Zeit hin mit seinen Truppen nicht Stand zuhalten vermocht haben. Er konnte demnach, da ihm nichts Anderes als ein offen-sives Zurückweichen übrigblieb, nur daraus bedacht sein, soviel als möglich den ihmfolgenden Feind zu zerschneiden und zu vernichten.
Gefecht der Pfälzer Lei Anweiler (16. Zuni); Einmarsch derselben in Baden (18. Juni).
Kehren wir jetzt zur Pfalz zurück. Die linke Flügeldivision der Preußen hieltLudwigshafen besetzt, ging in ihrer Masse südlich weiter, und traf, um sich bei Dürk-heim und Neustadt a. d. Hardt zu concentriren, .am 16. Juni in Speier ein, anwelchem Tage die andern Divisionen von Landstuhl südlich nach Nodalben und vonKaiserslautern östlich nach Dürkheim rückten, und so in den durchlüfteten südlichenTheil des Hardtgebirges mit der Richtung auf Landau und Germersheim vordran-gen. Am 17. Juni hatte Hirschfeld sein Hauptquartier in Edenkoben; die zweiteDivision rückte über Anweiler gegen Landau; die dritte Division dirigirte sich nachEdenkoben, und die erste avancirte bis gegen Landau, ihre Reserve in Speier las-send. Landau wurde durch diese Bewegungen entsetzt.
Als Sammelplatz der pfälzischen Armee war Langenkandel, von wo die Straßenach Karlsruhe über die knielinger Brücke führt, bestimmt. Schimmelfennig undEhlert waren in Anweiler und beriethen sich, da die Oberführung fehlte, was nunLn thun sei: ob sie sich auf eigene Faust ins Gebirge werfen und einen Guerrillas-krieg beginnen, oder wie sie sonst sich verhalten sollten. Schimmelsennig schlug demMajor Ehlert vor, den eußersthaler Paß auf der Straße von der Hardt nach Kai-lerölautern und Landau zu besehen; doch mochte sich Ehlert zu einer solchen Dera^chirung nicht verstehen, indem ihm die Lage der Armee unbekannt war. Er begab sichdaher, um sich irgend eine Aufklärung zu verschaffen, und um irgend Etwas gegendie nachrückenden Preußen zu thun, damit der Übergang über den Rhem gesichert^rde, nach Albersweiler, einem Dorfe zwischen Anweiler und Landau, woselbst er
Oberstlieutenant Willich antraf und von diesem erfuhr, daß von der pfälzischenin Edenkobcn ein Corps von 4—5000 Mann und in ^ohamnskreuz c.ne^chützcncompagnie sich befände. Willich gab ihm aber auch zugleich den Bcfchh denkußcrsthaler Paß, wie dies Schimmelfennig gewollt hatte, zu besetzen, worauf l-hlert°rchi» abmarschirte.
Nachdem Willich am 16. Juni Nachmittags 5 Uhr sämmtliche Truppen, die