152 Der pfälzisch-badische Krieg vom Jahre 184S.
Sechste Division, General Sznayde mit der pfälzischen Armee. Diese sechs Divi-sionen sollten nach und nach vervollständigt werden auf je 8 Bataillone Infanterie,
1 Regiment Cavalerie, 1 Compagnie Pioniere, 1 Bataillon Scharfschützen und 10Geschütze.
Das feindliche Heer, vor welchem der General Sznayde aus der Pfalz wich,ließ am 18. Juni seine erste und dritte Division in den Cantonnements vom 17.,und marschirte denselben Tag mit der zweiten Division von Anweiler durch Landarrnach Billigheim, mit der vierten Division von Neustadt nach Lachen. Am 19. Junizog Hirschfeld seine Truppen näher an Germersheim zusammen. Er cantonnirte andiesem Tage mit der ersten Division auf der Straße von Speier, mit der zweitenin und bei Nheinzabern, mit der dritten auf der Straße von Edenkoben nach Ger-mersheim, mit der vierten hinter der dritten, in der Linie von Freischheim und Hoch»stadt, um sodann am 20. Juni den Rhein bei Germersheim zu überschreiten. Hin-ter ihm her besetzte Thurn und Taxis die Pfalz. In Baden verlegte am 19. Junider General Peucker sein Hauptquartier von Weinheim nach Fürth, und am 20.nach Beerfelden. Groben rückte mit der Avantgarde unter Schack gegen Weinheimvor, und nahm daselbst am 21. Juni sein Hauptquartier. Sein Gros führte derGeneral Cölln; die Arriergarde Oberst Schliessen.
Die Aufstellung der Aufständischen ist nach der von Mieroslawski befohlenen
Zusammenziehung und Eintheilung bekannt; nur sind noch die Stellungen derjeni-
gen Abtheilungen, welche unter Mniewski das rechte Rheinufer beobachteten, und dleStellung Sznayde'ö anzuführen.
Major Mniewski hatte in einer summarischen Stärke von etwa 2500 — 3000Mann das rechte Rheinufer bis zum 20. Juni in folgender Weise besetzt: Speiergegenüber in Altlußheim, Neulußheim, Rheinhausen, Oberhausen und Waghäuselkleine Abtheilungen Volkswehr. GermerSheim gegenüber in Philippsburg 7^2 Com-pagnien; in Rheinsheim 5 Compagnien; in Hüttenheim 3 Compagnien; in Neudorf
2 Geschütze; in Graben 4 Compagnien mit 2 Geschützen. Für Sznayde mußte es
nun die Ausgabe sein, sich mit Mieroslawski zu verbinden, und diese Verbindungwomöglich vor dem Übergänge der Preußen zu bewerkstelligen. Nach seinem Über-tritt auf badisches Gebiet dislocirte er daher seine Truppen: mit dem linken Flügel
nach Eggenstein; das Centrum nach Blankenloch; den rechten Flügel nach Wein-garten; eine Reserve von 3 Bataillonen, denen es fast gänzlich an Patronen fehlte,nach Erklingen. Die Bataillone Kaiserslautern, Kirchheimboland, 1 CompagnieSchützen und 2 Kanonen bezogen unter Oberst Schlinke die Vorhut, Front gegendas Dorf Weiher. Die Avantgarde rccognoscirte bis Karlsdorf, traf dort auf den,unter dem Schutze der Kanonen von Germersheim am 20. Juni Morgens 3 Uhrüber den Rhein gegangenen General Hirschfeld, engagirte mit ihm ein kurzes Gefecht,und zog sich nach Friedrichsthal, die Vorhut des pfälzischen Centrums bildend, zu-rück. Die Flügel recognoscirten und beobachteten gegen Graben und Bruchsal.
Hirschfeld hatte seinen Übergang über den Rhein, ohne von Mniewski großenWiderstand zu finden, bewerkstelligt, wofür dieser zur Strafe in die Kasematten vonRastadt gesperrt wurde, und daselbst später den Preußen als Opfer fiel. Warumwurde nicht gegen die in so zahlreicher Menge ungehorsamen Deutschen gleicheStrenge geübt; warum mußte der Pole allein in eine Strafe verfallen, die so Vielevor und nach ihm verdienten!
Die erste preußische Division war gegen Philippsburg debouchrvt. Sie ver-trieb die Besatzung daselbst und ließ dieselbe durch das 9. Husarenregiment verfol-gen, wobei dieses seinen Regimentscommandeur, vier Husaren und zwei Pferde ver-lor. Die zweite, dritte und vierte Division debouchirten nach Graben. Sie warfendie Frcischaren mit einem Verluste von 6 Todten und 40 Gefangenen aus demOrte, und bezogen in der Nahe desselben Bivouac, die Vorposten nach Bruchsal zu-Hinter ihnen lagerte die erste Division bei Wiesenthal, mit einer Vorpostenkette an*