Der pfälzisch-badische Krieg vorn Jahre 1849. 165
Rottweil, Dillingcn und Donaueschingen. Hirschfeld rückte in das Oberland, undGroben umschloß Nastadt. Am 6. Juli traf die Avantgarde Peucker's m Dlllingcnün, die erste Brigade vom Gros in Nottweil, die zweite Brigade des Gros inDberndorf, die Reserve in Freudenstadt und Umgegend. Die Avantgarde hatteBefehl, am Morgen des 7. Juli Donaueschingen zu recognosciren, und die Stadt,wenn sie beseht sei, anzugreifen. Das war aber nicht nöthig, denn tue Arckstandt-scheu harten bereits in der vorhergegangenen Nacht ihren Rückzug nach d" Schwer;angetreten. Um 7 Uhr Morgens rückte die Neichsavantgarde in Donaueschingen crn.
Bei Balderschwyl und Jestetten nahmen die Aufständischen noch einmal Stel-lung, um den Übertritt in die Schweiz zu sichern. Dann sagten sie dem vaterlän-dischen Boden ihr Lebewohl. Blenker rückte am 9. Juli bei Nhemseldcn mrt
Mann und 13 Geschähen in die Schweiz, nachdem er, wie bereits angegeben, aus
dem Armeeverbande geschieden war. Goegg und Werner betraten am 11. über
Konstanz bei Knielingen das Land der Eidgenossen. Hinter ihnen besetzten dre Hes-
sen, den Schweizcrtruppen gegenüber, die Grenze. Sigel verließ der Eglrsau undNheinau die heimatliche Erde, um zum zweiten mal ein Asyl in dem Lande zu sti-Zen, welches die Staatsform hat, für die er gekämpft. I. Ph. Becker ging überJestetten in die Heimat (er ist ein Schweizer) zurück. Willich hatte noch am 11.Juli zu erneutem Angriff aufgesodert. Dieser Muth war gewiß zu ehren; aber emMann wie Willich sollte doch nicht Unmögliches beginnen wollen, sondern dre Sach-lage ins Auge fassen. Hinter den Flüchtigen her hatte sich die Neichsavantgardeam 8. Juli in zwei Theile getheilt. Bechtold, mit Freiburg in Verbindung stehend,rückte mit dem rechten Flügel vor, und besetzte Neustadt nebst dem Höllenpaß; derlinke Flügel schlug die Richtung auf Konstanz ein, und occupirte hinter den Abzie-henden die Stadt.
Nachdem Mieroslawski die Niederlage seines rechten Flügels crsahren, war esfeine Absicht gewesen, die Murglinie in der Front zu behaupten, und den stattge-habten Flankenangriff Peucker's durch ein Zurückbiegen seines rechten Flügels aufEbersteinburg, den Knotenpunkt der Straßen von Nothcnfels und Gernsbach, wie-der gutzumachen. Nastadt mußte ihm naturgemäß hierzu als Stützpunkt dienen,und darum hatte er die Festung, soweit dies noch nicht geschehen war, in Verther-digungszustand setzen lassen. Der Oberstlieutenant Frei war zum Gouverneur, derMajor Heilig zum Commandanten der Festungsartillerie, der Major Wilde zumDirector des Geniewesens, der Oberstlieutenant Biedenfeld zum Commandeur derInfanterie, und der Oberstlieutenant Annecke zum Inspecteur des Materials er-nannt worden.
In der Festung selbst befanden sich: die Flüchtlingslegion unter dem GreiseBöning; das Bataillon Durlach unter Baumer; das Bataillon Freiburg; die ersteCompagnie der deutsch-polnischen und ein Theil der polnischen Legion; Theile desPsälzer, des manheimer und Heidelberger Aufgebots und der schwäbischen Legion;sodann das vollständige I. Bataillon des 2. Infanterieregiments; das 3. Infanterie-regiment; 44 Reiter (Dragoner und Chevaulegers); 2'/r bespannte Batterien voll-ständig; zur Bedienung der Wallgeschütze etwa 4 Compagnien. Die Zahl der aufden Wällen ausgepflanzten Geschütze betrug etwa 225, worunter namentlich vielMörser, und zwar von verschiedenem Kaliber. Von den Vollkugelgcschühen war der^chtzehnpfünder das schwerste; lange und kurze Vierundzwanzigpsünder fehlten; des-pichen fehlte die fünsundzwanzigpsiindige Haubitze. Vollkugcln und Munition, be-wnderß loses Pulver, waren hinreichend vorhanden, dagegen nur zwei Stück sieben-:lundige Leuchtkugeln, und gar keine Brandkugeln. An Zündhütchen war großerMangel. Erst als die Schmiede und die Zündhütchenfabrik aufgefunden worden, konnte^''.eni Mangel abgeholfen werden. An Lebensrnitteln, zu deren Herbeischaffung be-sonders Schlöffet (Vater) das Deinige beigetragen, war im Ganzen kein Mangel,^uch fehlte es nicht an Wein, den sich besonders die grandiose Schar von General-^ pabsosfizieren (bestehend im Ganzen aus allen Denen, die nicht wirklich Etwas vom