164 Der pfälzisch-badische Krieg vom Jahre 184S.
kleine Schar Stand gegen die ihr folgenden Nassauer, Hohenzollern, Hessen undMecklenburger. Die mecklenburgische Artillerie rückte vorauf in das scheinbar verlas-sene Dorf, ohne daß vorher Patrouillen oder Tirailleurs dasselbe durchschritten hat-ten. Kaum aber darin angelangt, so krachte es aus allen Fenstern. Das eine dermecklenburgischen Geschütze (eine Haubitze) siel dabei den Aufständischen noch indie Hände.
Während das Gefecht in Oos statthatte, rückten vom Peucker'schen Corps mBaden-Baden ein: Die Avantgarde, bestehend in 4'/r Bataillon (Preußen, Baiern,Kurhessen, Nassauer, Mecklenburger, hessische reitende Artillerie und Chevauxlegers)unter General Bechtold; ebenso das Gros, zusammengesetzt auS 6 Bataillonen (Hes-sen, Würtemberger, hessische Artillerie und Reiterei, mecklenburgische Artillerie undDragoner) unter General Schä'ffer. Sie führten in ihrem Zuge gefangene Freischär-ler mit sich.
Nach Offenburg hin wälzte sich der ganze Strom der Flüchtlinge. Hier ver-suchte es Mieroslawski noch einmal, Ordnung in dieselben zu bringen; doch gelanges ihm nicht. Als er sah, daß sein Bemühen vergebens, legte er mit zerrissenemHerzen das Commando nieder, zu einem Theile das Unglück mehr noch seiner Un-kenntniß der deutschen Sprache als der Undisciplin seiner Führer und seiner Solda-ten zuschreibend. Mochte aber auch Mieroslawski's Unkenntniß des Deutschen, undder Umstand, daß er ein „Fremder" (worunter aber Jeder, der nicht Badenser undPfälzer war, verstanden wurde), einigen Antheil an dem schnellen Unterliegen der süd-deutschen Revolutionsarmee tragen, die eigentliche und hauptsächlichste Schuld mußdie rcvolutionaire Partei selbst aufsichnehmen. Eifersucht, Überschätzung, Ungehorsam,Mangel an Praxis, Mangel an Selbstverleugnung, Renommisterei und die Kneipe:Das waren Gebrechen, welche einen sieghaften Aufschwung von vornherein unmög-lich machten.
Übertritt der Trümmer deß aufständischen Heeres in die Schweiz; Belagerung und Übergabevon Rastadt; beiderseitiger Gesammtverlust.
Nachdem Mieroslawski den Kriegsschauplatz verlassen, übernahm der Oberst Si-gel das Commando. Er wollte, getrieben von Heldenmuth und Begeisterung fürseine Sache, den letzten „Versuch machen. Am 3. Juli wurden auf dem Exercier-platze in Offenburg die Überreste der Armee versammelt. Von hier aus brachen sienach Freiburg im Breisgau auf, wo sie Nachmittags 3 Uhr anlangten. Sodanndirigirten sie ihren Marsch in der Richtung auf Neustadt und Donaueschingen. Si-gel's Plan war, den Feind bei Villingen ins Gebirge zu locken und dort zu schlagen.Seine Strcitkräfte belicfen sich noch auf etwa 5—6000 Mann (einschließlich einigerTausend Mann Linientruppen), die 60 Kanonen mitsichführten. Dem Plane gemäßsollte Mercy nach Lorrach, Doll nach Todtnau sich wenden, um den Eingang desWiesenthals zu vertheidigen; Seidel sollte ins Höllenthal, Becker und Willich solltennach Triberg, St.-Georgcn und Simonswaldenthal marschiren. Sigel selbst gedachtemit dem Gros und der Reserve, zu welcher das Leibregiment gehörte, nach Donan-eschistgen zu gehen. Er beabsichtigte nämlich in der Nacht vom 6. auf den 7. Juliden Feind in der Fronte anzugreifen, während I. Ph. Becker ihn von seiner Stel-lung aus im Rücken fassen sollte. Das Unternehmen war freilich auf nicht demo-ralisirte Streitkra'fte berechnet, und mußte schon daran scheitern, daß die Truppsnicht mehr Stand hielten. Sie lösten sich willkürlich von der Armee ab, und zer-streuten sich, oder begaben sich zum Theil in die Schweiz. Sigel hätte Dies wolvoraussehen müssen. Schon am 3. Juli hatte Blenker die Armee verlassen. DerPlan kam demnach gar nicht zur Ausführung.
Das Peucker'sche Corps brach mit seiner Avantgarde am 2. Juli nach de»nSchwarzwalde hin auf; am 3. folgte vom GroS die erste Brigade (General Schaf*fer); am die zweite Brigade des Gros (General Wächter) und die Reservs(Oberst Witzleben) mit der Hauptrichtung auf Forbach, Freudenstadt, Oberndors/