Die deutsche Nationalversammlung.
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vor: es war der Bericht über einen Antrag des jugendlich blonden Titus Marekaus Eräh, welcher eine feierliche Erklärung der Gleichberechtigung aller Nationalitä-ten verlangte. Der Ausschuß sprach sich einstimmig für eine solche Erklärung auS,und die Versammlung trat ihr ohne Verhandlung bei (31. Mai). Diese Maßregelblieb indessen ohne Wirkung, und Östreich wandte Waffen anderer Art an, um denSelbständigkeitstrieb der einzelnen Nationalitäten zu brechen.
Am nämlichen Tage, nachdem die Abtheilungen eine hinreichende Anzahl vonWahlprüsungen erledigt hatten, konnte endlich zur Ernennung eines regelmäßigenVorstandes der Versammlung geschritten werden. Von 518 Abstimmenden erwähl»ten 499 zum ersten Präsidenten Heinrich von Gagern, der unter stürmischem Bei-fall der Versammlung anzeigte, daß er nun von seinem Ministerposten in Darmstadtiurücktrete. Zum ersten Stellvertreter wurde Soiron mit 408 Stimmen, zum zwei-en der östreichische Freiherr von Andrian, einer der Vorläufer der östreichischen Er-hebung, mit 310 Stimmen ernannr. Zu diesen beiden Ämtern hatte die Linke alsMitbewerber Robert Blum aufgestellt, welcher jedoch nicht über 116 Stimmen aufsich vereinigte. Schriftführer wurden Jucho aus Frankfurt, Heinrich Simon, Bie-dermann, Riehl aus Wien (oder von Zwettl, wie er sich nach dem Hauptort seinesWahlkreises nannte), Simson aus Königsberg, Schüler aus Innsbruck, Ruhwandlüus München, Feher aus Stuttgart. Für den ablehnenden Simon trat der WienerMöring ein. Die drei Präsidenten wurden jedesmal auf vier Wochen, die Schrift-führer für die ganze Dauer der Versammlung ernannt; die Letztem konnten jedochvach drei Monaten zurücktreten. Die häufigere Erneuerung des Vorstandes hattejedenfalls insofern ihr Gutes, als eine schlimm getroffene Wahl, ein Irrthum, der beider noch mangelhaften Kenntniß der Persönlichkeiten so leicht war, seine Wirkungnicht über die ganze Dauer des Parlaments erstrecken konnte.
Heinrich von Gagern war fast einstimmig gewählt worden; ein Beweis nichtnur der Achtung, die ihm damals alle Parteien zollten, sondern auch eine Aner-rennung der trefflichen Wirksamkeit, die er vom 19. Mai an auf dem Präsidenten-stuhle entwickelt hatte. Nicht als ob er jene geistigen Eigenschaften, die dem Leitereiner solchen Versammlung unentbehrlich waren, alle im vorzüglichsten Grade besessenhatte. Soiron übertraf ihn an Klarheit der Auffassung und scharfer Sonderung beider Fragestellung; noch mehr der ihn später ersetzende Eduard Simson, der nebendiesen Gaben noch den Reiz der zierlichen Sprache und die mildeste Ruhe zu eigenhatte, und für jedes Verhältniß und jede Lage den passendsten Ausdruck auf dergeborene Vorsitzende eines Parlaments. Gagern aber wirkte durchie ur e ferner Haltung, den sittlichen Ernst seiner Worte, die tiefe Kraft seinerinnre, f^"^.stolze und markige Gestalt mit den männlichen Zügen und den dich-en Brauen schien dre Versammlung mehr zu beherrschen als zu leiten. Doch dieseHerrschaft war lange Zeit hindurch eine so unparteiische nach allen Seiten hin; der*-rnst des Vorsitzenden paarte sich mit solcher Freundlichkeit, und wußte für began-gene Irrthümer und Verstöße gegen die Geschäftsordnung so bescheiden zur Entschul-w ö" greifen, daß man selbst eine gewisse Einwirkung aus die Abstimmung,manches mal den Faden der Verhandlung wohlthätig abschnitt, sich gern ge-sck . Nur pflegte die linke Seite dann die Rüge selten zu unterlassen, da sie^ Deshalb zum Mistrauen mehr berechtigt erschien, weil sie die Minderheit war.Nack Schlimme bei solchem Einspruch blieb freilich, daß Persönlichkeiten nach undletzt ^ Gegenständen der Verhandlung wurden, und die Stellung der Parteien zu-Anfä' einzelnen Mitgliedern die Farbe bitterer Feindseligkeit annahm. Die
Dekw^E eines so trüben Verhältnisses zeigten sich namentlich bei Gelegenheit einernach ^ Robert Blum in der Sitzung vom 27. Mai vorgebracht hatte. Hier-
antw E* Preußen ein Rundschreiben der sachsen-meiningischen Regierung damit be-farnti^^ huben: „Das einzige Gegengewicht gegen die constituirende Nationalver-
uung sei, daß man möglichst viele constituirende Ständeversammlungen in Deutsch-