Die deutsche Nationalversammlung. 1S1
Ähnlich, doch mit minderm Erfolg, der Hannoveraner von Bochmer, welchereinst gegen den Umsturz seiner Landesverfassung redlich gekänrpft, und Duncker ausHalle, der sich zumeist bemühte, die Unverträglichkeit der „republikanischen Spitze"mit der in den Einzelstaaten geltenden Monarchie nachzuweisen. Zwischen Beidensprach Leue aus Köln, dem frühere Verfolgungen, die er namentlich als Vertheidigerdes Schwurgerichts erlitten, die Aufmerksamkeit des Hauses zuwendeten; ein Mannvon wunderlichen, unklaren Gedanken, der sich für einen Anhänger der konstitutio-nellen Monarchie erklärte, aber dennoch die Ernennung eines „Präsidenten der pro-visorischen Regierung Deutschlands" durch die Nationalversammlung verlangte, unddiese Negierungsgewalt als höchst kräftig darstellte, wenn der Volkswille sie trage,N)enn die einzelnen Landesversammlungen, wenigstens die in den großen Staaten,sich für sie erklären, wenn alle deutschen Bürger Das wollten, was das Parlamentdeschließe, und noch — einige Wenn.
Das waren die Wortgefechte des ersten Tags. Daß sie sich am nächsten nichtvereinfachen, die Parteien sich nicht enger zusammenschließen würden, dafür gaben^ inzwischen neu eingebrachte Abänderungsvorschläge die unwillkommene Gewißheit.Elf Redner stürzten am 20. Juni ins Feuer: zuerst Braun aus Köslin, der kurzund gut die Übertragung der einstweiligen Centralgewalt an Preußen vorschlug. Einschallendes Gelächter von allen Bänken her war die Zurechtweisung des Redners,der mit solchem Plane der reifenden Zeit vorangeeilt. Nach ihm sprach Reh ausDarmstadt, die Wahl durch die Nationalversammlung vorzüglich betonend. Josephvon Würth, der Wiener, rühmte den echt germanischen Zug, der das Volk an seinepursten knüpfe, und folgerte, daß zwischen einer republikanischen Centralgewalt undeu Monarchischen Einzelstaaten nothwendig ein Kamps auf Leben und Tod entsteheniverde. Auf einen Vermittelungsversuch des Hannoveraners Wedekind folgte dieTanzende Vertheidigung des Minderheitsantrags durch Robert Blum. Vor Allemde ^ die Zweifel an der Macht der Versammlung. Dieses. Parlament, mitr Allgewalt der Nation bekleidet, bedürfe ein Organ, das seinen Willen verkünde,a >o einen Vollziehungsausschuß. Ein solcher löse die deutschen Verhältnisse keines-egs auf, sondern schütze sie; der Gesammtstaat solle gerade deshalb eine Republik'bln, damit dessen einzelne Theile sich selbständig entwickeln können. Das in denkutschen Staaten Vorhandene werde anerkannt, bleibe unangetastet. Seien die. Eg^ungen zu Opfern für das Ganze willig, so sei der Vollziehungsausschuß diemsachste "nd beste Einrichtung, seien sie es nicht, dann solle er die Widerstrebendenrin solches Widerstreben gegen die Centralgewalt denkbar, so. "st umstwemger Denen in die Hand geben, welchen sie entgegentretenmusse^ Übrigens seien die Regierungen zur Genüge gesichert durch die Erwahlungon selten dieses Parlaments, dessen Gesinnungen ihnen ja keinerlei Besorgnisse er-regen könnten. Das Directorium aber sichere nicht die Fürsten, da es die kleinernwediatisire, noch die Versammlung, die kein Mittel habe, es zu entfernen: es seiklne Dictatur. Mit den Fürsten über die Ernennung zu verhandeln, dazu habe keindiel^f^E^ eine Vollmacht vom Volke. Man weise auf anarchische Bewegungen;trete ^er nur die Zuckungen der Ungeduld und der Kraft. Der Anarchieto . ^an wirksam entgegen nur durch den Anschluß an die Revolution; das Direc-^ ni sei Gegenrevolution. Man werfe Einzelnen vor, sie seien Wühler; alleinrin^n gewühlt worden wäre, so säße keine Nationalversammlung hier. Sowieersck" auf dem historischen Rechtsboden stehender Staat in seinen Grundfestenworden sei durch den Fuß einer Tänzerin (die Bewegungen in Baiern,nicht Momez veranlaßt), so scheine noch Manches in Deutschland fest, wasauf K üster sei als jene durch eine Phryne gestürzten Zustände Den Schluß dieser,A ^ Gefühl der Massen trefflich berechneten Rede bildete eine Verherrlichungn reichs, als des Heimatlandes der Freiheit.
Zitta aus Berlin folgte und sprach für den Antrag der Mehrheit; Hensel ausu und Ludwig Simon aus Trier dagegen. Simon gab in abspringenden Ein-