Band 
Fünfter Band.
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192
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192 Die deutsche Nationalversammlung.

zelsätzen eine Reihe scharfer und witziger Streckverse aus den Lehrbüchern der De-mokratie. „Man spricht von Pietät gegen die Fürsten; aber darum handelt es sichnicht, sondern darum, ob wir zu den 34 vorhandenen eine neue Pietät schaffen sol-len... Wir sind die Demokratie; wir haben dieselbe nicht zu gewinnen, nur zuverlieren... Man sagt, die Fürsten hätten das Recht der Demokratie anerkannt,indem sie nach den Beschlüssen des Vorparlaments die Nationalversammlung einbe-rufen hätten. Eine Anerkennung aber muß frei gegeben sein. Wir müssen zuge-stehen, daß sie eS nicht war, und daß die Fürsten uns dereinst die Einrede des zu-gefügten Zwanges entgegenstellen könnten... In unserer Versammlung ist Allesenthalten, die Fürsten sowol als die Volksstämme. Die Fürsten waren sämmtlichUrwähler; wenn sie nicht gewählt wurden, so ist das ihre Schuld... Wenn Siedie constitutionelle Monarchie an die Spitze stellen, und Sie finden Landestheile, wodas Volk zur Republik reif ist, wollen Sie sie dulden?... Zn der Demokratie istdie Centralgewalt selbst gesetzlich verantwortlich. Geschichtlich ist Jeder verantwort-lich, auch die Majestät; ich erinnere Sie an Ludwig XVI. und Karl I. Ich möchtenun lieber haben, daß gleich gesetzlich als daß früher oder später geschichtlich zurVerantwortung gezogen würde... Ich mag keine gesetzlich fingirte Majestät, welchehäufig gerade den Gegensatz von wahrer Majestät bildet. Seitdem Rogier in Bel-gien am Ruder ist, hat der König der Belgier weniger Gebrauch von seiner Maje-stät gemacht. Wo von der Majestät am wenigsten Gebrauch gemacht wird, daherrscht Ruhe und Ordnung, da gibt es die wenigsten Schulden. Wird aber zuvielGebrauch von der Majestät gemacht, dann haben Sie die Revolution. Sollen wirnun eine Majestät zu dem Zwecke schaffen, daß möglichst wenig Gebrauch davongemacht werde?... Es ist gesagt worden, das Parlament habe keine Soldaten.Der Soldat weiß ganz genau, was ihm die Zukunft bringt, was ihm die Vergan-genheit geboten. Die Freiheit ist der Tod des Junkerthums. Das weiß das Heer;und nun wiederholen Sie: das Parlament hat keine Soldaten!... Wer sich denBeschlüssen des Parlaments widersetzt, der ist ein Rebell. Wissen Sie, wer einRebell ist? Wer gegen den Statusquo ankämpft; und wir sind der Statusquo..'Wenn Sie Ruhe und Ordnung haben wollen, dann müssen Sie mit kühnem Schrittebis an die letzte Schranke vorschreiten, welche die neueste Zeit gestürzt hat: da setzenSie Ihr Gebäude hin; dann haben Sie Ruhe und Ordnung. Ziehen Sie die Schrankenenger, so weisen Sie Diejenigen hinaus, die schon Aufnahme gesunden hatten. Diesewerden dann anklopfen und Einlaß begehren; man wird sich von innen widersetzen -es werden Soldaten ausrücken: und der Genius der friedlichen Freiheit wird seinAuge verhüllen ob der kommenden Scene!"

Diese Prophezeiung: Republik oder Bürgerkrieg! konnte der nächste Redner,Karl Welcker, freilich nicht gelten lassen. Auch er erklärte die ganze und vollkorn*mene Volkssouverainetät für die Grundlage seiner rechtlichen Überzeugung; allein erhabe keine Vollmacht empfangen, die Regierungen vom Throne zu reißen. Mit derRepublik komme man in unsern Tagen zur Soldatenherrschast. Nach einer lebhaft^Vertheidigung des nun durch andere Persönlichkeiten aufgefrischten Bundestags führ^er aus, daß auch die von der Ausschußmehrheit vorgeschlagene Ernennungsweise de§Directoriums nicht bewirke, daß die Regierungen sich vertreten sähen; daher sch^er vor, daß jenes sich in Beziehung aus die Vollziehungsmaßregeln soweit thunliHmit den Bevollmächtigten der einzelnen Landesregierungen ins Einvernehmen zuhabe. Die wirkliche Kraft sei nur dann bei Parlament und Centralgewalt, werU*die Regierungen gern und willig vollziehen. Die Regierungen von aller Mitwirkungbei der Centralgewalt gänzlich ausschließen, heiße sie herabwürdigen; und auch ^die Monarchie heiße es: Ehre verloren, Alles verloren.

Dieser mehr heißen als warmen Rede folgte eine unbedeutende des bonn^Theologen Dieringer, nach welchem sodann Trützschler die socialistischen Lehren ^äußersten Linken darlegte. Einer angesehenen Adelsfamilie Sachsens angehofAkonnte er, dem der breite Weg der Ehren und Würden glatt geebnet war, rnH