Die deutsche Nationalversammlung. 195
Aar nicht geeignet, daS Parlament zu längerm Ausharren zu veranlassen. DieParteien waren noch nicht soweit eingeschult, daß sie selbst ihre Redner bestimmthatten. Rüge machte den Vorschlag, daß dies geschehen solle, und wandelte so dasParlament gewissermaßen in einen Kriegsrath der Parteien um, die hierbei seltsa-merweise eine amtliche Anerkennung erhielten. So unerhört dies in der parlamen-tarischen Geschichte sein mochte, man ging darauf ein, um endlich zum Ende zukommen. Der Vorsitzende stellte die einzelnen Vorschlage zur Frage: nur neun der-selben fanden hinreichende Unterstützung. Für jeden dieser neun sollten noch zweiAbgeordnete sprechen. Da gab es ein Markten um die Anzahl der Redner, alsEntschiede sich der Sieg einer Partei nach der Menge der Wortführer, die sie aufdre Bühne schicken durste.
Diesen geregelten Waffengang der Meinungen eröffnete am 23. Juni der Main-ier Zitz mit der breiten Befürwortung seines Antrags auf Ernennung einer provi-sorischen Regierung von fünf Personen, die, durch die Versammlung und aus ihrgewählt, an die Stelle des aufzulösenden Bundestags treten sollte. Er schloß mitenur angeblichen Stelle aus Dahlmann's „Geschichte von England" zu Gunstenver Volkssouverainetät. Nadowitz sprach sodann für den Antrag von Vincke, mu-verhaft in Hinsicht auf Form, Schicklichkeit und Rundung. „Niemand hier imaal", sprach er, „wünscht die gefallenen Zustande wieder hervorzurufen... Wir^ lle wollen das Wohl Deutschlands, obgleich auf sehr verschiedenen Wegen. Darumund wir politische Gegner; aber das schließt nicht die Achtung, eS schließt nicht dievolle Anerkennung der Persönlichkeit aus." Als Hauptgrund führte er an: die Na-wnalversammlung habe, wenn sie das Recht der Ernennung besitze, auch das Recht,^eselbe ^,1 Regierungen zu übertragen; und wer auch immer ernenne, so werde dasrgebniß das nämliche sein, weil man nothwendig den volkstümlichsten Namenaussuchen werde.
der Nuge, der Hegelianer, stets sich selbst für unfehlbar haltend, stets auf
ick ^lkanzel stehend mit den zuversichtlichen Redensarten: „Es ist so — Das werdes/«^"EN gleich beweisen", überdies vor keinem Wort zurückschreckend, verbreitete dass ackernde, züngelnde, kalte Wetterleuchten seiner ebenso seltsamere als unerschütterlichendie vorliegende Frage, ohne daß deutlich zu erkennen war, daß er eigent-«) über einen Antrag von Moritz Mohl sprach. Die Souverainetät des Parlaments,d ß^ckselige Herrenlosigkeit des Volks war der Inhalt seiner Rede, die stark nach^^"heiten der derben Hahnenkämpfe deutscher Philosophen schmeckte. „Dasdi-fp yr /d ^ „steht jetzt über den Thronen; diese Versammlung steht über ihnen;
sich nicht durch Landjunker aus Westfalen und Schlesienihre Souverainetät wird nehmen lassen." Hier war diek' auf Vmcke und Lichnowsky denn doch zu deutlich. Gagern fragte, ob
or?s auf bestimmte Personen gehe. Rüge antwortete frisch darauf los: „Nein, diesüeht auf keine bestimmte Person, sondern aus alle Landjunkcr, die die Unverschämt-er gehabt haben, mit Rotomontaden und brüsken Redensarten der Republik insauch ^agen. Und ich behaupte, diese Versammlung ist die Republik, wennSieBe* ^ Willen." Darauf Gagern abermals: „Sind jene Äußerungen, auf dieböl-t nehmen, die Rotomontaden von Landjunkern, in dieser Versammlung ge-wont^obn?" Und nun Rüge mit unerschütterlicher Ruhe: „Nein, solche Noto-die A ^ Und in dieser Versammlung *) nicht gehört worden." Dann kam er aufwas ob wan das Recht habe, wieder einen Herrn einzusetzen: „Das Einzige,behalt Duschen bisjetzt gethan, ist der Sturz des Despotismus. Was wir bei-kMirt",*^«^u, ist die Fortsetzung dieses Sturzes des Despotismus, wo er nochja de (Wörtlich so!) Und wenn wir eine richtige constitutionelle Form wählen: was
ein konstitutioneller König? Nichts weiter als die Königin von England,
) An dieser Stelle sind die stenographischen Berichte ebenfalls ungenau.
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