Band 
Fünfter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung.

über der im Parlament vertretenen Einheit der Nation, mittels des Particularismusdurchzusetzen suchte.

Schober aus Stuttgart war der nächste Redner. Er hatte in Verbindungmit den andern Mitgliedern des Würtemberger Hofs einen Antrag gestellt, welcherdie meiste Aussicht aus Erfolg besaß, da die Mehrheit durch die Stimmen des lin-ken Centrums bedingt wurde: es sollte nämlich ein Präsident von den Regierungenbezeichnet, von der Versammlung genehmigt werden, der die Beschlüsse dieser letztemzu vollziehen habe, und seine Gewalt durch verantwortliche Minister übe. Die Fragevon der Verantwortlichkeit des Präsidenten wurde hierbei mit Stillschweigen Über-gängen. Die Minister sollten nicht blos, wie nach dem Ausschußantrage, das Rechtdes Erscheinens im Parlament haben, sondern auch die Verpflichtung; auf dessenVerlangen sollten sie Auskunft zu ertheilen verbunden sein. Schober erlangte gleichbei diesem ersten Auftreten den Ruf des talentvollsten der schwäbischen Redner. Erwies nach, wie unzweckmäßig es sei, wenn die mächtigsten Staaten die drei Bundes-directoren ernennen sollten, da ein jeder von diesen, bei Widersprüchen zwischen denallgemeinen Interessen und denen des Eiuzelstaats, nur den letztem Geltung zu ver-schaffen bemüht sein werde.

Der bairische Cultusminister von Beisler, eine kräftige Gestalt mit kriegerischenZügen, war natürlich für den Ausschußantrag; er deutete an, daß die Regierungensich bereits über die vorzuschlagenden Persönlichkeiten geeinigt hätten. Ihm folgteVincke, der sich freien kühnen Muths auf den Standpunkt deS Rechtsbodens stellte,und von diesem aus die Ernennung der Centralgewalt für die Fürsten allein inAnspruch nahm. Er bekannte eine physische, nicht aber eine rechtliche Allmacht desVolks; er sprach warm und kräftig für die konstitutionelle Monarchie nach der Staats-rechtslehre der Engländer. Zn fliegender Hast warf er zahlreiche Geschosse, bald mitWitz, bald mit Gründen geschärft, auf Blum, Schaffrath und die andern Kämpe"der Volkösouverainetät. Die Unmöglichkeit der Republik in Deutschland behauptend,zugleich aber auch das Unzweckmäßige einer in drei Personen ruhenden Centralgewaltdarlegend, verlangte er die Ernennung eines einzigen Bundesdirectors durch die Re-gierungen, und wies dabei ohne Umschweife aus den Ausbringer eines berühmt ge-wordenen Trinkspruchs, den Erzherzog Johann.

. Claussen aus Kiel für den Schoder'schen Antrag, Auerswald für den des Aus-schusses, beendigten die Reihenfolge der diesmaligen Sprecher. Schon kam der vierteTag der Verhandlung, mit ihm neue Anträge und neue Redner; und wol wardie Geduld der Hörer erschöpft, nicht aber das Gelüste Derer, die sich zum Wortegemeldet. Es sprachen: der Professor von Lassaulx aus München, der trotz seiner ul-tramontanen Gesinnung damals noch behauptete, es habe dem Parlament bei Bera-thung und Feststellung der Verfassung Niemand hineinzusprechen, im Übrigen aberVincke's Vorschlag in verstärktem Maße wiederholte; von Dieskau, welcher gerades-wegs eine provisorische Regierung für Deutschland wollte; von Wydenbrugk, dender März 1848 zum Minister in Weimar erhoben, ein kluger, abgeblaßter Kopf amhöckeriger Gestalt; Venedey, der redliche blonde Germane, stets idealistisch, in dMAufwallungen des Gefühls doch zuweilen den praktischen Punkt treffend; Schmidtaus Löwenberg, der jugendliche Prediger der Deutschkatholiken, jugendlich in Talent,Sprache und Manieren. Jeder dieser Drei hatte seinen besondern Vorschlag a"-"*bringen: Wydenbrugk modelte den von Schober etwas um; Venedey wolltemächtige, aber verantwortliche Dictatur; Schmidt verlangte einen verantwortlichenPräsidenten, und meinte, das sei ein Vermittelungsvorschlag, der einstimmig äug**nommen werden könne.

Es war nicht die Schuld des folgenden Redners, Grumbrecht auS Lüneburg,der für den Schoder'schen Antrag sprach, daß die Versammlung beschloß, die DeHandlungen abzukürzen. Die Ziellosigkeit dieses ewigen Hin- und* HerrollenS dRedewogen, jenseit deren sich keine Küste zeigen wollte, hatte die Aufmerksam'abgespannt und ermattet; die Aussicht auf eine ewige Wiederholung derselben Gr""