Die deutsche Nationalversammlung. 19S
Form, als seien sie eben in der Bildung begriffen; die häufigen Pausen waren keineHülfsmittel der Kunst, sondern die Nothbrücken zwischen dem Gedanken und demAusdruck. Gagern war weder in der äußern Gestaltung der Rede ausgezeichnet,^och eigenthümlich und frisch in den Ideen; aber er brachte einen gewaltigen Ein-druck hervor durch die sittliche Strenge, die dem Manne wohl anstand, welcher da-mals von allen Parteien so hoch gehalten, die politische und moralische Kraft der
Märzbewegung in seiner Person zusammenfaßte. Seine Worte übten den Zaubereines Orakels über das beherrschte Haus. Nachdem er gezeigt, daß die Centralge-^alt ohne Zweifel die Beschlüsse des Parlaments zu vollziehen habe, ihr aber dochdie Befugniß zustehen müsse, einen etwa bedenklichen Beschluß zur nochmaligen Er-wägung der Versammlung zu bringen, und nachdem er daher die Stedmann'scheAbänderung als die passendste erklärt hatte, ging er auf die Hauptfrage über: „Wer«oll die Centralgewalt schaffen?... Ich würde es bedauern, wenn es als ein Prin-"p gälte, daß die Regierungen in dieser Sache gar nichts sollten zu sagen haben:
aber vom Standpunkte der Zweckmäßigkeit aus ist meine Ansicht wesentlich eine
andere als die der Majorität im Ausschusse; selbst eine andere als die im Schober'-schen Amendement entwickelte. Meine Herren! Ich thue einen kühnen Griff, unduh sage Ihnen: Wir müssen die provisorische Centralgewalt selbst schaffen." Dadrach ein beispielloser Sturm des Jubels im Hauke aus; dieses Wort entschied mitEwern mal die ganze Frage, um die man eine Woche lang mit unzähligen Redenhin- und hergekämpft. Es bedurfte kaum mehr der Gründe, die Gagern für seineMeinung brachte: die Centralgewalt müsse stark sein, Vertrauen einflößen; sie müsseSuell geschaffen werden; und da die Mehrheit gegen die Dreizahl, über die eineAorsta'ndigrrng zwischen den Regierungen vielleicht schon vorliege, vielmehr für Einen^elchsverweser sei, über dessen Bezeichnung große Schwierigkeiten entstehen könnten,w müsse man ihnen den Vorschlag erlassen, sie der Verlegenheit überheben, indemLas? nachträgliche Einstimmung rechne. „Wollen wir, wie jetzt unzweifel-
^ Mehrheit nach Einen, so ist ein Mann, hochstehend, gefunden, der sich derhöchsten Stelle werth gezeigt hat. Es gibt keinen Privatmann, der unter solchenmstanden das Amt übernehmen könnte, wie vielleicht Einzelne oder auch Parteien»edacht haben." So wies Gagern die Stellung zurück, die ihm von einem Theiler Linken und des linken Centrums zugedacht war. „Man wird mir nun nichtlehr den Vorwurf machen können, als habe ich das Princip der Souvcrainetät deratmn aufgegeben... Und auch darin wird keine Abdankung dieses Princips ge-funden werden können, wenn etwa meine Meinung, wie sie es wirklich ist, die seindie hochstehende Person ein Fürst sein müsse; was auch Sie einräumenfAsl/ L^ken gewendet), nicht weil es, sondern obgleich es ein Fürst ist."
(Allgemeinster Belfall.) „Es ist Ihnen vorhin viel Schlimmes gesagt worden vonven Fürsten; ich habe diesen Haß nicht mit anferzogen, und die Liebe zu den Men-gen war mir immer näher." (Lebhaftes Bravo auf der Rechten.) „Aber, meineHerren, einen Haß gegen ganze Generationen zu tragen, ohne die Personen zu be-Zeichnen, die etwa des Hasses werth sein könnten, das ist nicht großmüthig!" (An-schloßt -^avo auf der Rechten und auf der Galerie.) Ein Aufruf zur EinigungterM ^>e.Nede, die mehr als eine Rede, die ein Ereigniß war, und das bedeu-n ^rigniß, das bisher in der Nationalversammlung sich zugetragen.
h^lt hie Aufregung der Versammlung an, bis Dahlmann, der Bericht-dex . des Ausschusses, sich Gehör verschaffen konnte. Der Kern seines Vertrags,Bück""- .kacheln gegen die linke Seite, und insbesondere gegen Zitz, welcher einDerei das er nicht gelesen, reichlich gewaffnet war, lag darin, daß er im
traas" acht andern Ausschußgliedern eine veränderte Fassung des Mehrheitsan-in ^schlug, wobei das Hauptsächlichste die Umwandelung deß Bundesdirectoriums"neu Neichsverweser blieb.
cher hierauf Möring seinen Antrag zurückgezogen, der überhaupt, wie man-
andere, vielleicht nur deshalb unterstützt worden, um der Rechten die Befugniß