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Fünfter Band.
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Die deutsche Nationalversammlung.

zu verschaffen, zwei Redner mehr zu stellen, erhob sich Schaffrath, der unermüdlicheKämpe der Geschäftsordnung, um die Zulässigkeit der erst nach dem Schluß derVerhandlung vorgebrachten neuen Fassung des Ausschusses zu bestreiten. Anders,aber zum gleichen Zwecke, trat Wesendonck auf, indem er das gleiche Recht, dieFassung nachträglich abzuändern, auch für die andern Antragsteller in Anspruchnahm. Die Sache blieb für diesmal unentschieden; und die Sihung endete miteiner erbitterten persönlichen Abwehr von Zih gegen Dahlmann, damit auch das er-hebendste Drama nicht ohne Beimischung widriger Auftritte bliebe.

Die neue Woche begann mit der Feststellung der Reihenfolge der Fragen. Dasgab eine weite, ermüdende, tobsüchtige Verhandlung, bei welcher die Parteizwecke sichunter das Mäntelchen der Geschäftsordnung bargen, um den Gegnern das Spiel zuverderben. Die Fragen waren in gemeinsamer Berathung von Soiron und den achtoder neun Antragstellern geordnet worden, und dabei wurde eine neue Fassung desSchoder'schen Antrags aufgenommen, für welche sich Zitz, Blum und Morih Mohlvereinigten. Es war dies also auch eine Abänderung, die bei der abschließendenÜbereinkunft der Parteien vorn 25. Juni noch nicht vorhanden gewesen, sodaß sichdie linke Seite nicht mehr in ihrem Rechte befand, wenn sie dennoch einem Abände-rungsvorschlag von Wassermann und Auerswald die Zulässigkeit bestritt. Dieser bestanddarin, daß aus den nichtregierenden Mitgliedern eines deutschen Regentenhauses derReichsverweser durch die Nationalversammlung zu wählen sei, im Vertrauen aus die Zu-stimmung der deutschen Regierungen: es war der in eine feste Form gebrachte In-halt von Gagern's Rede, nur etwas zu schroff und zu beschränkend ausgedrückt.Diesen Fehler abzuschleifen, stellte Heckscher den Unterantrag, die nähere Bestim-mung: „aus den nichtregierenden Mitgliedern eines Regentcnhauses", bei Seite zulassen. Aber Schaffrath und seine Freunde beriefen sich mit immer wachsender Er-bitterung auf das Übereinkommen, auf die Geschäftsordnung; und vergeblich wiesTellkampf nach, daß durch die erwähnte Verschmelzung der vier Anträge der Linkenund des linken Centrums jene Übereinkunft thatsächlich schon verlassen sei. Die linkeSeite sah für den Antrag Heckscher's zu gewiß eine Mehrheit erstehen, als daß sienicht Alles hätte aufbieten sollen, ihn vor der Abstimmung zu beseitigen. Ein glei-ches Interesse hatte aber auch die äußerste Rechte. Obschon Heckscher und GagerNselbst nachwiesen, daß man am 23. Juni nur habe beabsichtigen können, die End-losigkeit des Redens, nicht aber alle Abänderungsvorschläge abzuschneiden, so erklärtensich doch Vincke und Radowitz gegen die Zulässigkeit neuer Abänderungen. Manüberließ Soiron, der den Vorsitz führte, die Entscheidung; als er sich aber für dieZulassung aussprach, wollte die Linke es dennoch nicht gelten lassen. Die Aufregungund der Groll wuchsen von Augenblick zu Augenblick; es wurde von der Linken mit„unangenehmen" Anträgen von ihrer Seite gedroht, wenn man jenen nicht fallenlasse. Um die Einigkeit wiederherzustellen, richteten Jucho und Venedey an Heckscherdie Bitte, seinen Antrag zurückzunehmen. Heckscher verlangte, sich darüber erst mitseinen Freunden besprechen zu können. Die Sihung ward auf drei Stunden ausgesetzt«

Alles war nun gespannt auf die Lösung des Widerstreits. Gegen die Vermu-thung erklärte Heckscher beim Wiederbeginn der Sitzung, daß er auf seinem Antragebeharre. Alsbald zeigte Vogt unter dem Beifall der Galerie die bevorstehende Ein-bringung zahlreicher neuer Abänderungsvorschläge an, die natürlich auch begründetund berathen werden müßten. Darauf Heckscher: „Die neuen Amendements, ^man uns in so schöner Fülle ankündigt, und die schon im voraus, ehe man sie nowkennt, den Beifall der Gakrie erhalten haben..." Bei diesen Worten erhob dieLinke einen furchtbaren Lärm, wie man ihn noch nicht erlebt hatte. Man rief-Zur Ordnung! das ist schamlose Verdächtigung! man stampfte mit den Füßen; uiaUschrie wie sinnlos. Soiron besaß nicht die Mittel, solchen Sturm zu beschwichtige"-Ihm war nicht die gebieterische Würde eigenthümlich, mit welcher Gagern über alle"Parteien dastand; man vermißte das Edle der Bewegungen, die ernste Ruhe,Einem Wort das Vornehme, das der Leiter der plebejischen Versammlung am