Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 213
öeitrat. Auch ein Naturalisationsgeseh kam zur Sprache, wobei ebenfalls Kennt-niß der ungarischen Sprache als erstes Erfoderuiß für die Naturalisation aufge-stellt wurde.
Die Marztage.
Als die Nachricht von dem Sturze des französischen Königthrons eintraf, er-kannte man auch sogleich in Ungarn die unermeßliche Tragweite dieses Ereignisses,*nd die Opposition nahm eine noch entschiedenere Haltung, und eine gänzlich un-geschminkte Sprache an. Sie verdammte in den härtesten Ausdrücken die ganze Po-litik des wiener Cabinets, und wies auf den Zusammensturz der östreichischen Monarchiehin, wenn nicht ungesäumt ein anderer Weg eingeschlagen würde. Sie bekannte jetztoffen das Endziel ihrer Wünsche, das sie bisher nicht ausgesprochen, weil sie selbstDessen Erfüllung kaum zu hoffen gewagt, und foderte eine constitutionelle Regierungsur Gesammtösireich und ein unabhängiges Ministerium für Ungarn. *) LudwigKossuth war auch hier der Erste, der den günstigen Moment erhäschte und den lang-verhaltenen Wünschen Worte verlieh. Den äußern Anstoß hierzu gab eine Finanz-lage. Es war nämlich in den letzten Jahren soviel von dem miserabeln Zustandeder östreichischen Finanzen gesprochen und geschrieben worden, daß man selbst in denUchigen vormärzlichen Zeiten von Jahr zu Jahr einem Staatsbankrott entgegensah,^etzt fürchtete man bei dem heranbrausenden Sturme von außen den Zusammensturzdes politischen Gebäudes Metternich's, womit natürlich eine völlige Zerrüttung der Fi-nanzen verbunden sein mußte. Darum war die erste Folge der aus Frankreich her-ubergelangten Nachrichten ein allgemeiner Miscredit der östreichischen Banknoten. In
Städten strömte Alles zu den öffentlichen Kassen, um daselbst das Papier- gegen^ilbergeld umzutauschen. Aus den Dörfern wollte man das Papier fast gar nichturehr annehmen. In Raab war eS auf den Wochenmärkten darüber zu Excessengekommen. Der conservative Deputirte von Naab theilte dies den Ständen mit undzupfte daran den Antrag: Se. Majestät möge hinsichtlich der ganzen Stellung der"?ank, und speciell der Deckung der dem Verkehr übergebenen Banknoten dem Landeeine beruhigende Aufklärung geben. „Mit Dank", äußerte hierauf Kossuth, „be-ruße ich die Motion des raaber Deputirten, obgleich ich seine Motion nur als Ge-kgenheit benutzen will, um die löblichen Stände aufzufodern: sie möchten im Gefühler ungeheuern Verantwortlichkeit des Moments die Politik des Landtags auf jeneHohe erheben, auf welche die Zeit uns hinweist. Von diesem Standpunkte aus-sehend, will ich mich in das Detail der Bankverhältnisse nicht einlassen. Denn ichM überzeugt, daß die Besorgniß hinsichtlich des Werths der Banknoten hinreiche,le Regierung zur Erkenntniß zu bringen, wie nöthig es sei, dieses Mistrauen augen-"cklich zu verscheuchen, weil sonst die Folgen unberechenbar sind. Verscheuchen aber^nn man daS Mistrauen weder durch Abstimmungen noch durch Verheimlichungen,sondern blos dadurch, daß der Stand der Dinge offen und ohne Rückhalt dem Pu-Arcum dargelegt wird... Der andere Grund, warum ich mich nicht tiefer in dieMachst ^eser Verhältnisse einlasse, ist, weil ich weiß, daß die Bank 1830 viel schlech-crrea ^ ^ jetzt, und weil ich überhaupt überzeugt bin, daß sie in keiner besorgniß-wien "cv" ^fahr stehe, sondern erst dann in Gefahr kommen könnte, wenn diesch bgierungspolitik hartnäckig fortgesetzt würde, und der Staat, dessen Finanzenrm normalen Zustande ein fortwährendes Deficit ausweisen, dadurch zu täglich
hoffet" llngarn selbst hatten auch die radicalsten Mitglieder der Opposition nicht soviel zu^erdin ^ doch zu federn gewagt. Aber einige im Auslande erschienene Schriften hattenselbftä^ s^n "n Vormärz mit Entschiedenheit geltendgemacht, daß nur die Bildung einesSo , ungarischen Ministeriums ein Heilmittel für Ungarns Übel und Leiden sein könne,
krackt- in „Nepkonyv" (Leipz. 1847), welche Schrift ihn auf die ofener Festung
in 77 ' 7 R.it viel mehr Wissen und Geist wurde diese Zdee von dem talentvollen Z^s. ZrinyrjvMektzk" (Halle 1946) durchgeführt. Aber man hielt das Alles in Ungarn
"lopiiche Träume.