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Fünfter Band.
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264 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

„daß wir die Freiheit Östreichs unserer eigenen gleichachten, und es für unsere heiligstePflicht halten werden, zu deren Aufrechterhaltung nach den Wünschen der östreichi-schen Nation und nach unsern Kräften beizutragen." Zugleich war auch der unga-rischen Armee der Befehl gegeben worden, dem Ban aus das östreichische Gebiet zufolgen. Das Manifest betheuerte hierbei, daß die ungarische Nation keine Verletzungdes östreichischen Gebiets hierdurch beabsichtige, sondern nur dem Triebe der Dank-barkeit folge, wenn sie Wien nicht ohne Unterstützung gegen den gemeinsamen Feindlasse. Ungarn werde auch seine Streitkräfte sogleich zurückziehen, sollte der östrei-chische Reichstag den Sieg der Freiheit durch eigene Kraft herstellen zu können glau-ben. Dieses von dem Vicepräsidenten des Repräsentantenhauses wie dem der Mag-natentafel unterzeichnete Manifest fand indessen in Wien nicht die erwartete Auf-nahme. Es lag in dem halbschichtigen Charakter der wiener Octobererhebung, daßNiemand zu ernsten und äußersten Mitteln zu greifen wagte. Der östreichische Reichs-tag wies die Angelegenheit an den Gemeinderath, dieser an den permanenten Neichs-tagsausschuß. Letzterer aber gab vor, er habe keine Zeit, die Sache zu erörtern.Unter solchen Verhältnissen mochte die ungarische Nationalversammlung die beabsich-tigte Hülfeleistung jenseit der Grenze nicht allein auf ihre Schultern laden. Sie nahmihren frühern Beschluß zurück, und motivirte am 14. Oct. ihren Schritt durch fol-gende Erklärung: „Da auf die officielle Mittheilung der ungarischen Nation wederder östreichische Reichstag noch die wiener Behörde eine Erklärung abgegeben, wieman in der hülfreichen Annäherung der ungarischen Truppen keine Invasion erblicke)da an Jellachich keine Auffoderung zur Niederlegung der Waffen ergangen, ja sogardessen Einfall bis jetzt nicht als ein feindseliger Schritt erklärt worden ist: so siehtsich die ungarische Nation zu der Annahme genöthigt, daß die östreichische Nationsich des Beistandes unserer Truppen nicht bedienen will." Zugleich ward der unga-rischen Armee der Befehl ertheilt, sie möge sich auf die Beschützung des eigenenVaterlandes beschränken. Doch versicherte man hierbei den Wienern abermals, manwerde ihnen aus Verlangen in jedem Augenblicke zu Hülfe eilen.

Es war am 17. Oct., als endlich Wien, wenn auch nicht durch den dortigenReichstag und die Gemeindebehörden, seinen Wunsch nach ungarischer Hülfe kund-gab. Dieser Hülferuf kam indessen schon zu spät. Der östreichische Hof hatte Zeitgehabt, außer den Truppen Jellachich's, eine imposante Steitmacht gegen die Haupt-stadt herbeizuziehen, welche der ungarischen weit überlegen war. Wien war so gänz-lich umschlossen, daß es sich höchstens vertheidigen, schwerlich aber die Operationender Ungarn durch einen Ausfall unterstützen konnte. Dennoch erhielt die ungarisch^Armee den Befehl, sich zum Wiedervorrücken schlagfertig zu machen. Man bot zmgleich den ungarischen Landsturm in Masse auf, um so einigermaßen ein Verhältnißder Streitkräfte herzustellen. Kossuth selbst war ins ungarische Lager geeilt. Der-selbe suchte allenthalben das Volk für den Kampf zu begeistern, und nahm auf jederStation einige Hunderte von Landstürmlern mit sich. Allein diese Bemühungen koste-ten Zeit und hoben das Misverhältniß zwischen den ungarischen und den feindliche"Streitkrä'ften nicht im geringsten auf. Fürst Windisch-Grä'tz, der inzwischen den Ober-befehl über das kaiserliche Heer übernommen, stand an der Spitze von 110000 Man"mit 270 Kanonen, während die Ungarn 20000 Mann regulaire Truppen, ebenftviel an Landsturm und 48 Kanonen zählten. Dazu kam noch der Umstand, daß vielungarische Offiziere, selbst der Obercommandant Möga, noch immer Anstand nah"men, auf kaiserlichem Gebiet und gegen kaiserliche Generale zur Offensive zu schrey"'

Während Wien, auf dessen Mitwirkung die Ungarn gerechnet hatten, amOct. mit Windisch-Grä'tz eine Kapitulation abschließen mußte, war das ungariswHeer über die östreichische Grenze gerückt. Ein Theil des kaiserlichen Heeres, daruntvorzüglich Jellachich's Scharen, schwenkte von Wien ab und machte gegen die Erbringenden Front. Schon am 30. Oct. kam es unweit Schwechat, 3—4 Sttind^vor Wien, in einer mit zwei geringen Hügelketten umsäumten Ebene, zu einem ernlichen Kampfe. Der rechte Flügel der Kaiserlichen, aus Cavalerie bestehend, eng