Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 265
Airte die Schlacht und ward bald in ein hitziges Gefecht mit den ungarischen Husa-verwickelt. Während dieses Neitergefechts enspann sich im Centrum der eigentliche^ampf, und zwar mit dem Bayonnet und entscheidend günstig für die Ungarn. Ma-il* Görgei griff die Höhen bei Mannswörth, auf welche sich der Feind stützte, mitAugestüm an und durchbrach die kaiserliche Linie. Schon begannen die östreichischenKolonnen, von der jungen ungarischen Artillerie hart bedrängt, zu wanken. Da er-6tiff General Zeisberg, Chef von Jellachich's Generalstabe, abermals die Offensive:^ gelang ihm, den rechten Flügel der Ungarn zu umgehen. Im Rücken bedrohtund in Gefahr, in die Donau gesprengt zu werden, an welche sich dieser rechte Flü-lehnte, mußten die Ungarn unverweilt ihren Rückzug antreten. Man schrieb demGeneral Möga die Schuld der Niederlage zu, indem er entweder verräterisch oderaus Unkenntniß der ungarischen Armee eine so fehlerhafte Stellung gegeben. Kofsuth"ahm ihm schon auf dem Schlachtfelds den Commandostab. „Dagegen ward der viel-versprechende Major Arthur Görgei, Kossuth's Liebling, mit Überspringung aller Zwi-schengrade, zum ungarischen General und Oberbefehlshaber ernannt, in welcher Eigen-'chaft er auch den Rückzug commandirte. Als man am 30. Oct. auf dem Ste-phansthurme zu Wien die Ankunft und den Kampf der Ungarn gewahrte, hatte dieAwlutionaire Partei, trotz der schon mit Windisch-Grätz getroffenen Convention, dieVertheidigung der Stadt erneuert. Wien wurde dafür am folgenden Tage vollendserobert. Während nun in die unglückliche Stadt das Standrecht und die KroatenZuzogen, traf der mit außerordentlichen Vollmachten bekleidete Windisch-Grätz alleAnstalten, um mit seiner ganzen Macht den Kampf gegen das widerspänstige Ungarnöu beginnen.
Der Plan, nach welchem die Unterwerfung Ungarns stattfinden sollte, war schon"or den Octoberereignissen vom Kriegsminister Latour entworfen worden. Derselbeonnte jetzt, wo Wien gefesselt, die Bewegung allenthalben durch AusnahmemaßregelnNterdrückt, überdies eine bedeutende Streitmacht versammelt war, umsomehr mit Aus-ncht auf Erfolg wieder aufgenommen werden. Nach diesem Plane sollte das Ungar-!and zu gleicher Zeit an allen seinen Grenzen angegriffen, und so der MagyarismusA ein Netz gefaßt und erdrückt werden. Die schon früher erläuterten ethnographischenVerhältnisse des Landes begünstigten eine solche Operation vorzüglich. Denn die kai-^rlichen Generale konnten an allen Grenzpunkten Ungarns sicher darauf rechnen, daß^ daselbst nicht nur keine Feinde, sondern vielmehr Verbündete finden würden. Dem-9ernaß wurden nun auch nach der Einnahme Wiens sogleich die Rollen an die ver-gebenen kaiserlichen Generale vertheilt. Die Hauptarmee, 65000 Mann stark, vom^Erbefehlshaber Windisch-Grätz selbst geführt, sollte von der östreichischen Grenzebeiden Ufern der Donau, auf der geraden Kaiserstraße nach Pesth-Ofen vor-cken. General Simunich, der bei einem frühern Einfall bis an die mährische GrenzeAwckgedrängt worden, erhielt die Weisung, mit 9000 Mann in das untere Wag-einzudringen und von Tyrnau aus der über Presburg herannahenden Haupt-dw Hand zu reichen. General Eötz, der mit 6 — 7000 Mann an der schle-lchen Grenze stand, ward beordert, durch den Paß von Zablunka in das oberecvw^^ und durch die slawischen Comitate Trentschin, Arva und Liptö in die Berg-vorzugehen. General Schlick, welcher mit 20 — 24000 Mann in GalizienNack/,/Ee durch den Paß von Dukla nach Eperies hin einfallen, um von dort, je^"iständen, über Leutschau und Rosenau mit Götz, oder über Miskolcz undzu "ut der voraussichtlich in Pesth schon angelangten Hauptarmes in VerbindungNer ^n. So war der ganze Nordosten besetzt. Zm Westen sollte General Puch-fallen ^ ^"km Corps von 32000 Mann aus Siebenbürgen in das Maroschthal ein-von zr ""d Rukavina aus Temesvar zu ihm stoßen, sodaß sich Beide zum EntsatzSüd-, und der Unterwerfung des ganzen Banats die Hand reichen könnten. Imder füllten die Serben, mit ihrem Landsturm ungefähr 30000 Mann stark, inUnd §^^a auf allen Punkten die Offensive ergreifen, um entweder über Szegedin-^asarhely sich dem Puchner, oder über Szabadka und Baja dem Jellachich