27S Die ungarische Revolution iw Jahre 1848.
Budapesth die Trümmer seiner Armee zusammenlesen.*) Auch die übrigen kaiserlichenGenerale hatten unterdessen die vorgeschriebenen Operationen begonnen und waren, nntAusnahme eines hitzigen Gefechts, welches Simunich in Tirnau gegen Euyon be-stand, meist ohne erheblichen Widerstand vorgedrungen. Nur an einem Punkte, r"Siebenbürgen, hatte sich zum Glück für die Magyaren der Ausführung des öftreschischen Kriegsplans ein Hinderniß entgegengeworfen. Dieses Hinderniß, durch welchesdie Sache der Ungarn die größte Stütze fand, war — der Pole Bem.**)
Beim Beginn deS Feldzugs stand die ungarische Sache nirgend so schlecht alsin Siebenbürgen. Puchner, Commandant des Landes, hatte langst die Waffen gege"die ungarische Sache ergriffen. Bon der kleinen Armee, die im ungarischen Mutter*lande vollauf beschäftigt war, konnte der Landesvertheidigungsausschuß keine frische"Truppen nach Siebenbürgen entsenden. So fiel das ganze Land allmä'lig in die Händeder Feinde. Blos einzelne unbedeutende Orte und Gegenden waren von ungarische"Streifcorps besetzt. Ihre ganze Stärke (sechs Compagnien Szeklergrenzsoldaten, ei"Regiment Szeklerhusaren, ein Bataillon Honved) belief sich kaum auf 5000 Man",während die östreichischen Commandanten Puchner, Wardener, Gedeon und Urba"eine Heeresmacht von 25000 Mann mit einem trefflichen Artilleriepark befehlig*ten. Doch eben als sich Puchner anschickte, dem Operationsplane gemäß in Ungar"einzufallen, traf Bem in Siebenbürgen ein. Dieser polnische General war nach de^Falle Wiens im ungarischen Lager erschienen, um hier den Kampf gegen die östrei*chische Politik fortzusetzen. Wiewol ihm die ungarische Regierung gern einen seiner"Talente und seinem hohen Rufe angemessenen Posten anvertraut hätte, konnte sie esdoch nicht wagen, weil man von allen Seiten gegen den Fremdling Mistrauen hegst'Die ungarischen Blätter griffen ihn heftig an, und seine eigenen Laudsleute wollte"in ihm einen Verräther erblicken. Ein junger Pole schoß sogar zu Pesth ein Pist^auf ihn ab, traf ihm aber nur die linke Kinnbacke. Bem veröffentlichte hierauf ei"*lange Schutzschrift im „Xürlöny". Die ungarische Regierung stellte ihn endlich a">einen Posten, wo sein Talent zwar Vieles nützen, ein Verräther aber nichts nie^verderben konnte: sie übertrug ihm die Wiedereroberung von Siebenbürgen. Del"nahm von Pesth auS einen großen Theil der polnischen (1500) und der wiener ^gion (700) und drei leichte Batterien mit sich herab an die siebenbürgische Gre"^'Zugleich warb er unermüdlich, und sah sich bald von vielen Recruten aus der krasst^und der mittelszolnoker Gespanschaft umgeben. Aus diesen neuen Elementenden Trümmern des frühern ungarischen Corps, das in Siebenbürgen unterleg^wußte sein wunderbares Organisationstalent bald eine achtunggebietende Macht ö"schaffen. In der letzten Halste des December fühlte er sich bereits stark genug, ^Offensive zu ergreifen. Er drang durch den Feketetöpaß in Siebenbürgen ein, ""
*) Allgemein wurde damals Perczel allein wegen dieses MiSfallS angeklagt. Er sollteden Befehl deS LandeSvertheidigungSauSschusseS und des Obercommandanten die Schlacht §genmachtia engagirt haben. Diese Ansicht findet sich noch in allen Darstellungen, welche st" §Kampf näher oder ferner berühren. Und doch scheint sie uns gänzlich irrig. Vor ",liegt ein Schreiben Perczel's, das er aus Szekhegy am 15. Mai 1849 an den damaligen L h,visorischen Kriegsminister, Georg Klapka, richtete. Perczel führt bittere Klage über dielichen Intriguen, die ihm von vielen Seiten, besonders von Görgei, gespielt werden,den Intriguen, die er aufzählt, findet sich auch die mörer Schlacht erwähnt, „wo er nach.^-Weisung Kossuth'S und des pesther Kriegerathe, und auf den ausdrücklichen Befehl des ^commandanten Görgei die Schlacht angenommen, dieser aber ihm, trotz seines VerspreV^-weder Hülse geschickt, noch zu seiner Deckung von BicSke nach Bänhid vorgerückt fest^ist nicht gut denkbar, daß Perczel dem Kriegsminister gegenüber, der doch gewiß von dergut unterrichtet war, offenbare Lügen zu behaupten gewagt hätte. Und ist seine Aussageso hätten wir eine neue Schändlichkeit Görgei'L kennen gelernt, der, um seinendiScreditiren, Ivvoo Mann, ja die ganze ungarische Sache aufs Spiel setzte, da diePerczel'S unter den damaligen Verhältnissen leicht den Untergang der ganzen Armee na -ziehen konnte. .»^ 3 ä^
**) Vgl. den Artikel „Joseph Bem" im dritten Bande der „Gegenwart", S.