Die ungarische Revolution im Jahre 1848. 269
Treue das Vaterland vor jeder Usurpation, fremder Einmischung und feindlichem An-griffe zu bewahren und zu vertheidigen für ihre heilige Pflicht halten sollen. Weranders handelt, ist ein Landesverräter!"
Der Thronwechsel kam indessen in Ungarn allen Denen recht gelegen, die ihrerevolutionäre Handlungsweise immer noch gern in den Mantel der Loyalität zu hüllenlachten. Seit dem Manifest vorn 3. Oct. konnte es nicht wol geleugnet werden, daßach Ungarn in einem wirklichen Kampfe gegen den König befand, und so oft manauch dje Camarilla, den Hof oder die Reaction vorschob: man befand sich immer^ offener Erhebung gegen den Regenten. Jeht waren jene Zaghaften auch dieserUnannehmlichkeit überhoben. Wer Lust fühlte, konnte nun sich selbst und Andereereden: daß man nur für den „armen, verstoßenen" Ferdinand kämpfe. Das Be-ruhigungsmittel ward auch, und namentlich beim alten Militair, mit großem Erfolgangewendet. Viele, die bisher die Waffen nicht hatten ergreifen wollen, traten willigUnter die revolutionäre Fahne, weil sie zu Gunsten des „unrechtmäßig entthronten"Ferdinand zu kämpfen meinten oder vorgaben.
^ Es war schon in der Mitte December, als endlich wirklich der verhängnißvolle^arnpf von Seiten Ostreichs eröffnet werden sollte. Windisch-Grätz hatte, dem obenUtwickelten Plane gemäß, die nöthigen Vorkehrungen zum Beginn der OperationenMroffen. Das Vordringen der Östreicher glich anfangs mehr einem Parademarsch, b einem Feldzug. Die Ungarn wichen von Position zu Position. Windisch-Grätzyatte am 15. Dec. bei Bruck an der Leitha den ungarischen Boden betreten undund Hauptquartier in Petronell aufgeschlagen. Am 16. Dec. nahm er von Bruckrun ^Henkirchen aus mit dem ersten Armeecorps und der Reserve eine Recognosci-3 vor, in der Absicht, nach Befinden in ein wirkliches Gefecht überzugehen. Aberh E ungarische Armee verließ, nach einer heftigen Kanonade auf Pahrendorf und Neu-Nr- 1 - Stellung meist ohne allen Widerstand. Sie zog sich in der Richtung vonzurück. Am 17. Dec. rückte das zweite östreichische Armeecorps auf dem"Nken Donauufer vor, besetzte Stampfen und schob seine Vorposten bis vor Pres-Nrg, während das erste Armeecorps unter Jellachich aus dem rechten Ufer ebensoeu vorschritt. Am 18. Dec. zog das zweite Armeecorps bereits in Presburgtro^ Nachdem der Ort vorher von den Ungarn geräumt und die Schiffbrücke abge-gen und nach Komorn abgeführt worden war. Das erste östreichische Armeecorpspetzte an demselben Tage, nach einem bedeutenden Gefechte mit Görgei, auch dieAn ^ Wieselburg. Görgei hatte sich hinter die festen Wälle Raabs zurückgezogen.
der Verschanzung dieser Stadt war seit Monden ä'msig gearbeitet worden. Gör-^ . Uwllte hier eine Schlacht annehmen. Da er sich aber hierzu viel zu schwachczel ^ ^te der Landesvertheidigungsausschuß der ungarischen Drauarmee unter Per-Ku Befehl zugesendet, in Eilmärschen über Körmend, Steinamanger und Papav Görgei zu stoßen. Doch die schon oben berührte Bewegung Nugent's nach demHu.aEtensee hin erschwerte Perczel den Marsch bedeutend: er konnte nicht zur rechtensckÜ i!" Raab eintreffen. Außerdem hatten die Verschanzungen bei Raab durch dieverl ^"getretene und übermäßig strenge Kälte (23") zum Theil ihre Wirksamkeitschien, indem die Raab und die Rabnitz so zugefroren waren, daß sie mit demkonnt ^ Geschütz befahren und somit die Positionen der Ungarn umgangen werdener Görgei mußte sonach auch Raab räumen. Er retirirte bis Babolna, woDr^r czel erwarten und dann eine Schlacht annehmen wollte. Perczel stieß beiRich. ^ erste östreichische Armeecorps, das unterdessen von Raab aus in dersitiou von Kisber vorgerückt war. Die Kaiserlichen hatten eine vortreffliche Po-standeu ^ der waldigen Hügelkette inne, während die Ungarn in der sumpfigen Ebene^gens, and ihre Position von sechs feindlichen Batterien, denen sie nur zwei ent-eil konnten, vollkommen bestrichen wurde. Nichtsdestoweniger engagirte Per-
hielt b Dec. die Schlacht. Anfangs lächelte ihm das Glück; aber Jellachich er-
^erczel ^rstärkung an der Jnfanteriebrigade Gramont und der Division Hartlieb.° wurde aufs Haupt geschlagen, und konnte erst nach drei bis vier Tagen in