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Fünfter Band.
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272 Die ungarische Revolution im Jahre 1848.

in der Nacht vorn 30. auf den 31. Dec. den Beschluß, ihr solgejuleisten. Der Lan-desvertheidigungsausschuß, Deputirte, Beamten, Literaten u. s. w. begannen schonam nächsten Tage die Wanderung nach Debreczin. Dahin eilte Alles, was com-promittirt genug war, um zu fürchten, oder patriotisch genug, um an den Sieg Un-garns noch zu glauben. Dahin gingen auch die Archive und die Banknotenprefseab, wahrend die Gewehr- und Munitionsfabrik nach Großwardein geschafft wurde.Ladislaus Csanyi blieb für die letzten Tage als Kommissar, Perczel als Comman-dant Budapesths zurück. Letzterer sammelte hier die Überreste seiner versprengten Ar-mee und verstärkte fie mit neuen Honveds. Er fand deren sehr Viele, da die Re-gierung die Nachricht hatte verbreiten lassen, daß Windisch-Grätz alle waffenfähigenjungen Leute, auch Nichtcompromittirte, in seine Armee stecke. Um Mitternacht vornauf den 5. Jan. 1849 wurde durch einen Kanonenschuß das verabredete Signalgegeben. Die ungarischen Truppen zogen in größter Stille ab; Perczel folgte der Re-gierung über Szolnok in die Theißgegend, während Eörgei, zur Effectuirung eines Plans,den wir später kennen lernen werden, sich dem Norden, den Bergstädten, zuwendete.

Windisch-Grätz, der am 27. Dec. in Raab eingezogen, hatte sogleich die nöthigenVorkehrungen getroffen, um baldmöglichst auch die Hauptstadt, vor deren Thoren erzuverlässig eine Schlacht erwartete, angreifen und nehmen zu können. Das Vor-rücken der verschiedenen Truppencorps geschah im besten Zusammenhange. Das öst-reichische zweite Armeecorps war schon früher, mit Umgehung der ungarischen Stel-lung bei Raab, durch die Kleine Schütt auf die Poststraße gelangt, welche sich längsdes rechten DonauuferS bis Ofen hinzieht. Jetzt erhielt es Befehl, rasch bis Ko-morn vorzurücken, daselbst, falls sich die Festung nicht gutwillig ergeben wolle, blosein Observationscorps zurückzulassen, die Fleischhackerstraße, auf welcher mittlerweiledaS Reservecorps vorgerückt war, zu gewinnen, und auf dem kürzesten Wege überKöcs, Bicske und Bia vorzurücken. Das erste östreichische Armeecorps rückte in derRichtung von Stuhlweißenburg heran. Baron Horvath wurde beordert, die rechteFlanke des östreichischen Heeres durch seine Bewegung auf Wesprim zu decken, welcheihn auch mit dem von Steiermark her operirenden Nugent in Verbindung bringensollte. Die linke Flanke war durch die Donau selbst und durch das komorner Ob*servationscorps gedeckt. Die Schütt deckte die Brigade Neustädter, die bis zur P^latinallinie von Komorn vorgedrungen war, während Simunich die Waaglinie deckte«Die Bewegungen wurden mit solcher Genauigkeit ausgeführt, daß das Hauptquar-tier des Fürsten Windisch-Grätz bereits am 3. Jan. nach Bicske, am 4. nach Bisverlegt werden konnte. An lehterm Tage befand sich die gesammte Streitmacht zw^bis drei Stunden vor Budapesth concentrirt.

Der friedliche Batthyany hatte es in der letzten Sitzung der NationalversammlunSdurchgesetzt, daß eine Friedensdeputation an den Fürsten abgesendet würde. Die Dt'putation bestand aus Batthyäny, Graf Majlath, Bischof Lonovics und Franz Deak'Die Deputation als solche wurde gar nicht vorgelassen; Batthyany auch nicht alPrivatmann. Den übrigen Mitgliedern wurde die Antwort ertheilt, daß man ^Rebellen nicht unterhandele und unbedingte Unterwerfung fodere. Desto freudiger Apsing man aber die ofener Deputation, die am Morgen des 5. Jan. 1849 die Schlußder Stadt und Festung überbrachte. Eine andere Deputation folgte bald von Seiltder Stadt Pesth. Um 9 Uhr Morgens zog ein Bataillon Kreß-ChsvauxlegerS inNachmittags in Pesth ein. Bald darauf folgte daS zweite Armeecorps unter 28^disch-Grätz', das erste unter Jellachich's, die Reserve unter Wrbna'S Führung.der Stadt herrschte Todtenstille. Führer und Mannschaft ritten stolz durch die odGassen. Sie glaubten, mit Budapesth auch Ungarn erobert zu haben, und betrafteten sich als die Herren deS Landes. Niemand ahnte, daß der entscheidende Kaw^um das Ungarland erst jetzt beginnen solle. In einem nachfolgenden Artikel werwir diesen Kampf im Zusammenhange zu schildern versuchen.