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Fünfter Band.
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Nassaus politische und sociale Zustände.

Zur OrienLirung: die Bauern; die Beamten; die Gewerbtreibenden.

^ie nassauischen Lande boten bis zu den Zeiten des Rheinbundes das Bild eine-^ahrhaft idyllisch-patriarchalischen Verhältnisses zwischen Fürst und Volk. DieselbenLandstriche, welche im Jahre 1848 nächst Baden mit für die unterw'ühltesten in ganzDeutschland gehalten wurden, waren früher durch die strengconservative Denkungs-aet ihrer Bewohner fast ebenso scharf charakterisiert, wie jetzt etwa die brandenbur-Nchen Marken, oder Pommern, oder Tirol. Als im Jahre 1806 die alte Neichs-^rfassung zusammenbrach, und neben andern deutschen Herrschern auch die Fürstender beiden damals noch existirenden nassauischen Linien sich die Titel eines souverai-^en Herzogs und eines souverainen Fürsten unter dem Protectorate Napoleon's gaben,Ward der erste Keim zur allma'ligen Vernichtung der alten patriarchalischen Zuständegelegt. Nassau war jetzt ein „großes, selbständiges" Land geworden, und — die Klein-"aaterei begann. An den nassauischen Höfen hatte früher die einfache Lebensweisekwes begüterten Privatmanns geherrscht, und zwischen dem Bürger und dem Fürstenweist eine ganz vertrauliche persönliche Beziehung stattgefunden, deren sich mancher^"Nassauer noch freundlich erinnert. Jetzt mußte ein stattlicher Hofstaat eingerichteterden,..und der frühere persönliche Wechselverkehr des Hofes mit den Bürgern er-vsch. Ähnlich erging es mit der Regierung und Verwaltung des Landes. Ein bu-eaukratischer „Musterstaat" sollte auf möglichst großem Fuß eingerichtet werden, undpoetische Apparat, welchen man in andern Ländern ausgedacht hatte, umMillionen zu beherrschen, wurde hier für nöthig erachtet, um das öffentliche Lebenon nicht einmal so viel Hunderttausenden zu regeln. Die frühern Einrichtungenaren wol zuletzt altmodisch geworden, aber sie waren doch unmittelbar aus dem Be-schüsse der kleinen Verhältnisse hervorgewachsen: das Volk verstand sie. Das Volk^?tte die einfachen Negierungsformen als altes Herkommen liebgewonnen, und würdewcht auf den Gedanken gekommen sein, daß dieselben für die Auffassung der moder-^ Zeit mitunter despotisch waren. So schlich sich mit dem unter Napoleon's Schutz8 wonnenen höhern Glanz der Krone und mit dem bis ins Jahr 1818 eifrig fort-? W^ten Ausbau der bureaukratisch centralisirten Verfassung und Verwaltungsorgani-*on "" damals neuesten großstaatlichen Stile ein Misverha'ltniß ein, welches manlängs nur dumpf empfand, nur ahnte, aber immer klarer fühlte, bis es die Be-rgung der Jahre 1848 und 1849 zum hellsten Bewußtsein brachte,t Ein höchst verderbliches Geschenk erhielt Nassau durch die verschiedenen Länder-."Usche, wie sie seit dem Luneviller Frieden alle Grenzen der Staaten von Südwest-^sschland verrückten. Nassau kam zwar äußerlich sehr gut dabei weg, indem ihm^ reichen kurtrierischen Besitzungen an der Lahn, die noch reichern kurmainzischend Esihungen im Nheingau zufielen, wahrend es zum Ersatz dafür weit ärmere Län-aus dem Westerwald, im Hüttenberge u. s. w. hingab. Allein das geringegeaeb Einheit, welches Nassau überhaupt besessen, war damit gleichfalls Hin-

dock ^ und obgleich äußerlich ziemlich rund abgeschlossen, erschien es von nun ansetzt ^ ^ ein Zufallsstaat, aus den heterogensten Theilen künstlich zusammenge-lick/ltz , ^ alt auch der Name seines Fürstenhauses ist, nicht einmal eine eigent-Niuß ^schichte besitzt, oder dieselbe doch großentheils außerhalb seiner Grenzen suchen^0 klein das Land, aus so bunten Bestandtheilen ist es zusammengesetzt. Eingroß/ .^aat verträgt dergleichen viel eher, weil hier die Regierung, das Heer einegetrao^ Macht ist, weil ein durch die innere und äußere Bedeutsamkeit des Staatssau Dolksbewußtsein die widerstrebenden Theile Zusammenhalt. Das alte Ras-wenigstens eine historische Berechtigung. Selbst ein originelles, specifischu»ur,ches Volksthum war seinen Bewohnern nicht abzusprechen. Es war einTorwart. V. 18