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Fünfter Band.
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Nassaus politische und sociale Zustände. 291

worden. Die Artilleriemannschast galt aber für denjenigen Theil der Truppen, wel-cher den Republikanern am meisten geneigt, sodaß Letztere in jener Bestrafung einAnrecht erblickten. Am 16. Juli, einem Sonntage, befanden sich die Republikanerw großer Anzahl in einem Wirthslocale vor der Stadt versammelt, und die Verfüh-rung lag nahe, daß man einen Versuch zur Befreiung der gefangenen ArtilleristenWage. Die Versammlung, welche sich etwa auf 560 Köpfe belies, schickte drei Ab-geordnete zu dem Chef der Artillerie, welche die augenblickliche Loslassung der Gefange-nen verlangen mußten. Der Offizier schlug das Begehren natürlich ab, und die Ab-gesandten entfernten sich mit der Drohung, daß statt ihrer jetzt die Masse andringenUnd die Befreiung mit Gewalt erzwingen werde. Der Drohung folgte die That-et einbrechender Dämmerung zog wirklich eine große Menschenmenge mit wüstemGeschrei aus jenem Wirthslocale gegen die Stadt. Unterdessen hatte man auchvon der andern Seite Maßregeln getroffen. Die Lärmtrommel rief die Bürger-wehr zusammen, und ein Beamter in Begleitung des Bürgerwehrobersten wollte^ie Anstifter des Unfugs verhaften. Einer derselben war aber zugleich Hauptmannw der Bürgerwehr, und seine Compagnie ihm sehr ergeben. Als nun der Oberst^ssen Verhaftung vornehmen wollte, fällte die Compagnie das Gewehr gegen denOberst. Ein Wehrmann drückte sogar sein Gewehr auf den eigenen Obersten ab,uud nur ein günstiger Zufall bewahrte Letzter« vor dem sichern Tode. Hier zeigtenun die Unzuverla'ssigkeit der Bürgerwehr in ihrem vollsten Lichte. Statt daßue Ordnung gestiftet hätte, rückte vielmehr die Mannschaft selbst in zwei Parteiengegeneinander. Viele hatten geladen, Andere drangen mit gefälltem Bayonnet vor;

hätte sich nicht eine große Zahl aus dem Staube gemacht, wahrend Andere. öwischentraten und den Aufschub der Verhaftung erwirkten, so würde die tra-glkorrrjsche Geschichte ein blutiges Ende genommen haben. Es stellte sich dabeiheraus, daß die Behörden machtlos, die Bürgerwehr unzuverlässig, und eine kräs-uge Aufrechthaltung der Ordnung unmöglich. Hätte also die Partei der Repu-blikaner nur einige Lebensfähigkeit besessen, so würde sie diese günstige Stunde ge-hörig benutzt haben. Dies geschah aber keineswegs. Sie benutzte vielmehr dieMachtlosigkeit der öffentlichen Autorität nur in der Art, wie etwa Schuljungen dieschwäche ihres Lehrers benutzen, nämlich zu allerlei zwecklosem Lärm. Den ganzenAgenden Tag war die Stadt völlig in ihre Hände gegeben. Alle Behörden hatteneu Kopf verloren.

y Die Regierung hatte die Wehrmänner der drei aufständischen Compagnien zurLieferung der Waffen auffodern lassen; natürlich folgte nur der kleinste Theil die-A Auffoderung. Unterdessen saß der Stadtvorstand den ganzen Morgen auf dem.?thhause und zerbrach sich den Kopf, wie man die Ablieferung der Waffen er-möglichen solle. Zuletzt verfiel man arrf den Einfall, die ganze widerspänstige Mann-haft auf einem offenen Platze zusammenzuberufen, um ihr zur Ablieferung in GüteUnd Strenge zuzureden. Hierdurch mußte sich offenbar der Handel noch schlimmergalten; denn als sich der Haufe in so schöner Zahl versammelt sah, gewann errecht das Bewußtsein seiner eigenen Macht. Statt dem gütlichen Zureden zu fol-brach nun der versammelte Schwärm auf nach dem Criminalgefä'ngniß, in wel»zwei der mittlerweile verhafteten Anstifter von, vorigen Abend saßen. Die^uren wurden eingeschlagen, die Gefangenen befreit und im Triumphe durch dieda ^en getragen. Dann zog die Masse nach dem Ministerialgebäude, machte sichlk,^, Drohungen Luft, zerstob aber sofort wieder, als eine kleine Soldatenab»wu i!"^ anrückte. Erfolge des Tags nicht benutzend, begaben sich hierauf diesehg.?dcrlichcn Nevolutionairs möglichst rasch wieder in ihr Wirthshaus, wo sie diedes ^ Nacht durch zechten, sangen und Trinksprüche ausbrachten. Beim ersten Lichte?udcrn Morgens waren indessen auf einmal ganz unverhoffte Gäste in der StadtH.ch^nen, Gäste, zur Hälfte mit Pickelhauben, zur Hälfte mit den bekannten weißencken. Es waren die ersten Reichstruppen, welche in Deutschland im Neichspoli-

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