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Fünfter Band.
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290 Nassaus politische und sociale Zustände.

gegeben haben; der gegenseitigen Verunglimpfung und Verdächtigung war kein Ende.Nirgend hat sich wol die Jämmerlichkeit eines reinpersönlichen Parteihaffes so nacktbekundet und so ganz ins widerlichste Detail durchgeführt als in den Kleinstaaten,wo sich eben die einzelnen Menschen gar zu familienhast und basenhaft nahegerücktsind, als daß sie die Bedeutung des politischen Parteilebens in seiner objectiven Hal-tung und Würde erfassen könnten. Fast Jeder betrachtet hier seinen andersgesinn-ten Nachbar nicht als den politischen Gegner, sondern als einen Mann, der ihnschlechtmachen, ihn berauben, sich aus seine Kosten in die Höhe arbeiten wolle.

Dieser gänzliche Mangel des politischen Sinns spiegelte sich auch in der Partei-gliederung deß neuen Landtags, welcher zur Ordnung der gänzlich umgewurzeltenStaatsverhältnisse zusammengetreten war. Es dauerte fast ein volles Jahr, bis dieMehrzahl der Abgeordneten einsah, daß im parlamentarischen Leben die abweichendeAnsicht des Einzelnen der Auffassung der Partei sich fügen müsse. Fast Jedersprach nur für sich oder für seinen Wahlbezirk, oder auf augenblickliche Eingebungenund Stimmungen hin. So nur konnte es geschehen, daß die wichtigste Zeit, woman das Eisen hätte schmieden können, weil es noch heiß, mit einem die Würdeder Versammlung gefährdenden parlamentarischen Kleinkrieg verstrich. Als zuletztdie neue Verfassung, um derenwillen man doch eigentlich zusammengetreten, geschaf-fen werden sollte, war keine Zeit mehr dafür übrig, oder wenigstens nicht die rechteZeit. Man erließ ein neues Jagdgesetz, welches das Jagdrecht den Gemeinden zuer-kannte und sich in vielen Theilen bald genug als unpraktisch bewährte. Man schufeine Einkommensteuer, die sich vollends als unausführbar erwies und rascher noch,als sie verfügt worden, wieder zurückgenommen werden mußte. Es zeigte sich hierbeirecht augenfällig, daß nichts weniger als sociale Theorien und Probleme, sondernvielmehr ganz einfache praktische sociale Übelstände das naffauische Volk zur Erhebungbewogen hatten. Denn sonst hätte man dieses Einkommensteuergesetz, welches denReichen außerordentlich hart traf, mit Jubel begrüßen müssen. Statt dessen ent-wickelte sich ein um seines Erfolgs willen merkwürdiger passiver Widerstand gegendasselbe. Die Listen wurden ausgelegt; ein Termin zur Angabe des Einkommens warausgeschrieben. Es fand sich aber im ganzen Herzogthum fast kein Mensch, dersein Einkommen angegeben hätte, und nach Ablauf der Frist kamen fast alle Listenunbeschrieben an die Centralbehörde wieder zurück. Es war nichts verabredet, eswar nicht einmal von Seiten einer Partei zu diesem Widerstände aufgemuntertworden: die Sache ergab sich ganz wie von selbst, und das Gesetz mußte, wie ge*sagt, annullirt werden.

Wenn nun der Landtag so wenig Energie des Parteilebens aufzubieten vermochtdie doch eigentlich die einzige bewegende Kraft in dieser stürmischen Zeit sein konnte,dann darf es uns nicht Wunder nehmen, daß dasselbe Verhältniß bei der ganze"Bevölkerung durchgriff. Ein einziger, und darum desto bemerkenswertherer Versusdiese Energie der Partei thatsächlich zu gewinnen, fand im Juli 1848 in Wiesb^den statt. Dieselben Leute, welche schon im April mit der Republikanischen Geft^schaft hervorgetreten, hatten sich mittlerweile unter dem proletarischen Theile dertischen Bevölkerung einen Anhang geworben, und suchten nun, von außen dazu ^muntert, auf eigene Faust Politik zu machen. Eine Streitfrage, die in der Kannteüber das Veto aufgeworfen war, und wobei die Linke der Regierung jede ArtVeto absprach, während Letztere wenigstens das suspensive Veto in Anspruchgab den Anlaß zu einiger Aufregung. Dazu kam, daß in demselben Augenbudie Unverantwortlichkeit des Reichsverwesers im frankfurter Parlamente festgestellt, " ^Erzherzog Johann zu diesem hohen Amte berufen worden war. Diese ThatsacheVerein mit der Detofrage wurde gehörig verarbeitet, übertrieben, entstellt, f-durch unter dem urtheillosern Theile der Wiesbadener Bevölkerung die st^steregung angefacht, die sogar zu einem förmlichen Ausbruche führen sollte.Artilleristen waren nämlich wegen DiSciplinarvergehen zu Gefängnißstrase verur y